Einbruch, Diebstahl und Vandalismus: Sie sind nach wie vor die Risiken, die in kleinen und mittelständischen Unternehmen als besonders bedrohlich und wahrscheinlich wahrgenommen werden. Direkt gefolgt werden sie von menschlichem Versagen und neuerdings von Cyber-Risiken wie Hackerangriffen, Viren, Trojanern oder Datendiebstahl. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle KMU-Studie der Gothaer und zeigt neue Ansatzpunkte für die Beratung.

Im krassen Gegensatz dazu präsentiert sich das Absicherungsverhalten in den Unternehmen: 34 Prozent der KMU gaben an, keine zweifache Datensicherung zu betreiben, und 25 Prozent haben keine Firewall. Eine Versicherung gegen Cyber-Risiken hätten gar nur neun Prozent der Unternehmen abgeschlossen.

Steigende Nachfrage nach Cyber-Policen

„Das Risikobewusstsein und die Angst vor Cyberangriffen sind bei den KMUs deutlich gestiegen“, betont Dr. Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine Versicherung AG. Dennoch seien gerade in diesem Bereich noch erhebliche Unterversicherungen zu verzeichnen. „Wir spüren allerdings spätestens seit dem weltweiten Hackerangriff durch Wanna Cry eine deutlich steigende Nachfrage nach Cyber-Policen“, so Lohmann weiter. Die zunehmende Digitalisierung in allen Branchen erfordere hier neue Lösungen und auch eine qualifizierte Beratung.

KMU-Studie

Digital holt auf, aber „klassische“ Risiken noch immer stärker im Fokus

Trotz der allmählichen Verschiebung in die digitale Welt ermittelte die Studie noch ein deutliches Überwiegen der Risikominimierung vor altbekannten Gefahren. Über 40 Prozent nannten Gebäude oder Maschinen als wertvollstes Gut. Immerhin 34 Prozent bewerteten die Computersysteme und die Daten als besonders wertvoll und schützenswert.

Auch hier ergab die KMU-Studie Differenzen zu den tatsächlichen Vorsorgemaßnahmen in Unternehmen: So verfügten 72 Prozent der Unternehmen über Brandmeldeanlagen und 67 Prozent über zumindest einen regelmäßig gewarteten Feuerlöscher. Notstromaggregate würden indes nur in 24 Prozent der Betriebe zur Verfügung stehen, während auch nur 49 Prozent der Unternehmen durch einen Notfallplan auf Notlagen eingestellt seien.

Zuwachs bei Versicherungsmaklern und sonstigen Vertriebswegen

Erfreulich für die freie Versicherungsberatung fielen die Ergebnisse zu den genutzten Vertriebswegen aus. So gaben 31 von 100 Befragten an, ihre Policen bei einem Versicherungsmakler abgeschlossen zu haben – ein Plus von neun Prozent gegenüber 2015.

15 Prozent der Studienteilnehmer hatten alternative Vertriebswege wie Direktabschlüsse im Internet gesucht. Rund 48 Prozent äußerten zudem, sie könnten sich den Abschluss einer Gewerbeversicherung über das Internet vorstellen. Bei einem Ausschließlichkeitsvermittler indessen wurden nur noch 54 Prozent der Verträge geschlossen, zehn Prozent weniger als noch vor zwei Jahren.

Umfassende Absicherung für Unternehmer besonders wichtig

In der Produktentscheidung setzen Unternehmer offenbar immer noch eher auf Universallösungen: Für besonders wichtig erachteten rund 69 Prozent der Studienteilnehmer einen umfassenden Versicherungsschutz in der Gewerbeversicherung. An zweiter Stelle folgte mit 49 Prozent der Preis der Absicherung, an dritter Stelle Flexibilität mit 27 Prozent.

KMU-Studie

Beratungsbedarf: Unternehmen schätzen Versicherungsschutz oft falsch ein

Was die Kenntnis über die vorhandene  Absicherung betrifft, herrscht in den befragten Unternehmen häufig Unkenntnis. Nur 81 Prozent der Teilnehmer wussten, dass durch die Betriebshaftpflicht-Versicherung auch Schäden an Sachen Dritter abgedeckt sind. Und nur 69 Prozent war bewusst, dass auch Personenschäden inkludiert sind. Indessen meinten 39 Prozent, auch Schäden durch Hackerangriffe oder Datendiebstahl seien durch die Betriebshaftpflicht gedeckt.

Defizite zeigten sich auch bezüglich der regelmäßigen Überprüfung des Versicherungsschutzes. So werden in 58 Prozent aller Unternehmen die Policen nur alle zwei Jahre oder in noch längeren Abständen überprüft.

Gothaer KMU-Studie: Marktzahlen für den Vertrieb seit über sieben Jahren

Bereits zum vierten Mal nach 2010, 2013 und 2015 wurde die KMU-Studie der Gothaer im April und Mai dieses Jahres durchgeführt. Das Marktforschungsunternehmen HEUTE und MORGEN befragte in einem Online-Panel dazu über 1.000 Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern in einer der tatsächlichen Marktverteilung entsprechenden Stichprobe. Teilnehmen durften dabei ausschließlich Entscheider der Unternehmen in Versicherungsfragen.

Die Ergebnisse der Studie finden Sie hier zum freien Download.

Titelbild: (c) lassedesignen