Die deutsche Wirtschaft boomt. Doch mit der wachsenden Zahl an Aufträgen und der damit einhergehenden, zwingend notwendigen, Digitalisierung steigt die Anfälligkeit der Unternehmen für Cyberkriminalität. Wo viel geholt wird, ist viel zu holen.

Auftragslage steigend – Zahl der Cyber-Versicherungen auch?

Im Juni 2017 gab es 5,1 Prozent mehr Inlandsaufträge als im Vormonat. Bei den Vorleistungsgütern gab es einen Anstieg um 3,7 Prozent. Für dieses Jahr prognostizieren die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten ein Ansteigen des Brutto-Inlandsprodukt um 1,9 Prozent.

Mehr Aufträge bedeuten auch mehr Kundeninformationen. Und damit mehr Daten, die gesichert werden müssen. Bei der Gothaer KMU Studie 2017 wurde deutlich, dass kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) sich zumindest möglicher Bedrohungen durch Cyber-Risiken bewusst sind. 35 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen von einem solchen Risiko konkret betroffen sein könnte. 32 Prozent halten einen Angriff auf die IT-Infrastruktur für eine der größten Gefahren. Doch dem Bewusstsein entgegen sprechen die Zahlen: Nur Neun Prozent der Unternehmen haben sich mit einem passenden Versicherungsschutz abgesichert.

Cyberkriminalität und Ransomware auf dem Vormarsch

Dabei wird im jüngsten IOCTA-Bericht (Internet Organised Crime Threat Assessment) von Europol klar: Cyberkriminalität wächst weiterhin. Dabei liegt der Schwerpunkt vor allem auf Erpressung durch Ransomware. Nach dem Großangriff WannaCry im Mai 2017 ist die Gefahr von Cyber-Kriminellen zumindest in den Köpfen der Unternehmen angekommen.

Betreiber sogenannter Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) wie Finanzdienstleister oder Energieversorger sind jedoch kaum besser vorbereitet als andere Branchen. Nur 53 Prozent der KRITIS besitzen ein Notfallmanagement, das besagt, was in Fällen von Cyber-Attacken zu tun ist. Bei den anderen Unternehmen sind es 41 Prozent.

Doch eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass in Deutschland mehr als die Hälfte der kleineren Betriebe mit zehn bis 100 Mitarbeitern in den letzten zwei Jahren von Datenklau, Industriespionage oder Sabotage betroffen waren. Bei den Firmen mit über 500 Mitarbeitern waren es sogar 60 Prozent.

Digitalisierung ja, Sicherheit auch?

Theoretisch ist die Digitalisierung mitsamt ihrer Gefahren in den Köpfen der Unternehmen angekommen. 20 Prozent der Unternehmen sehen die Erfassung, Dokumentationen und Sicherung dabei als wichtigsten Vorteil. Jedoch weiß lediglich ein Bruchteil der Unternehmen, wie sie die Daten am besten schützen können. Und die wenigsten tun es gekonnt. Das heißt für die Zukunft: Immer noch enormes Angriffspotenzial für Hacker und ebenso große Chancen für den Vertrieb von Cyber-Versicherungen.

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