Bei ehrlicher Betrachtung haben Künstliche Intelligenz (KI) sowie ihre Roboter Kollegen keinen guten Ruf. Auch dank verschreckender Filme. In Matrix hält eine KI die gesamte Menschheit in einem generierten Traumland gefangen und missbraucht diese als Batterie. Und in Ex-Machina entwickelt der Roboter Ava ein Bewusstsein, manipuliert, mordet und hintergeht. Aus freien Stücken. Keine guten Aussichten.

Doch sobald der Zuschauer sich wieder aus seinem Kinosessel und damit aus dem dystopischen Schreckensszenario in die helle Wirklichkeit schält, erkennt er. Künstliche Intelligenz und Roboter sind bereits unter uns. Als Freund oder zumindest als Helfer. In der Wirtschaft gar sind sie wahre Game Changer.

“Hallo, mein Name ist HAL”

Aber was ist eine KI? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Mangelt es denn bereits an einer genauen Definition von „Intelligenz“ an sich. Künstliche Intelligenz (KI), auch Artifizielle Intelligenz (englisch artificial intelligence, AI) gehört zum Teilgebiet der Informatik.

Es beschäftigt sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem Maschinenlernen. Allgemein bezeichnet die Begrifflichkeit den Versuch, menschenähnliche Entscheidungsstrukturen in einem digitalen Umfeld nachzubauen oder zu programmieren. Die Idee dahinter: Automatisierte Problemlösung ohne menschliches Einwirken. Hinsichtlich existierender und potenzieller Anwendungsbereiche gehört künstliche Intelligenz zu den wegweisenden Antriebskräften der digitalen Revolution. Davon ist auch Urs M. Krämer, CEO bei Sopra Steria Consulting überzeugt.

„Künstliche Intelligenz kann in den nächsten zehn Jahren zu einem echten Game Changer werden, indem sie Innovationen beschleunigt und ganz neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Wir haben mit unserer Studie festgestellt, dass KI-Lösungen schon heute die notwendige Reife haben, um die Effizienz einzelner Prozesse signifikant zu erhöhen. Jetzt geht es darum, das Thema nicht nur auf der operativen, sondern auch auf der strategischen Ebene anzugehen, um das technologische Potenzial auszuschöpfen und echte Mehrwerte für Kunden und Mitarbeiter zu schaffen.“ 

„Ich bringe Euch Frieden“

Roboter und KI haben immensen Einfluss. Falls richtig eingesetzt. So kann, laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., eine Produktionsanlage um 20 Prozent besser genutzt werden, sollte die KI in der Lage sein, vorausschauende Wartungsarbeiten („predictive maintenance“) durchzuführen. Außerdem kann eine Qualitätsüberwachung durch den Einsatz einer KI um 50 Prozent produktiver werden.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Geschäftsprozesse und Lieferketten kann eine KI derart optimieren, dass eine Reduktion der Lagerhaltungskosten um bis zu 50 Prozent entsteht. In den Bereichen Forschung und Entwicklung sind Kostenreduktionen von zehn bis 15 Prozent möglich. Die Markteinführungszeit kann sich um zehn Prozent verkürzen. In indirekten Geschäftsbereichen wie der IT kann die künstliche Intelligenz 30 Prozent der Tätigkeiten übernehmen.

Weiterhin wird und soll künstliche Intelligenz vermehrt als Assistenz oder als Beifahrer beim autonomen Fahren zum Einsatz kommen. Auch in Teilbereiche der Logistik, der Budgetplanung, der Landwirtschaft und als Helfer in der Energiewende.

Kontroverser Kontrollverlust

Während sich kleine Start-Ups auf KI-Lösungen stürzen, zögern große deutsche Konzerne, wenn es um die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz geht. Der Grund: Angst. Und anfallende Kosten. So lautet das Ergebnis einer Sopra Steria Studie (2017).

Hinter dem Zögern steckt: Kontrollverlust. Und auch die Scheu vor einer gesellschaftlichen Debatte angesichts der Gefahren der künstlichen Intelligenz. Denn da Algorithmen selbst lernen und entscheiden, kann der Mensch nicht jede Entscheidung nachvollziehen. Zu schnell, zu komplex die Abläufe. Unübersichtlichkeit und Distanziertheit sind vorprogrammiert.

Doch während die Robotik auf einem guten Weg ist, die Wirtschaft noch mehr zu erobern, scheint die KI dafür noch nicht bereit zu sein. Ihre Schwächen liegen auf der Hand, denn moderne Algorithmen sind zwar gut darin, Muster in großen Datenmengen zu finden aber ihr mangelt es an Genauigkeit.

Denn manchmal kommen die Algorithmen zu Schlüssen, die überraschen. Und das in einem breiten Spektrum: Von peinlich, wie der Fauxpas der Google-Bilderkennung, die dunkelhäutige Menschen zu Gorillas erklärte, bis hin zu gefährlich. Wenn etwa die Fahrtrichtung von autonomen Autos oder militärischen Drohnen fehlerhaft ist.

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