Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Winterruhe ist endgültig vorbei und die frühlingsbedingte Müdigkeit weicht dem sommerlichen Tatendrang. Aber wandern gehen? Zu großer Rucksack. Nordic Walking? Zu viele Stöcke. Außerdem: Gehen ist nicht mehr en vogue. Der Trend 2018: Das Hoverboard.

Handlicher als Elektroroller, billiger als Segways und stilsicherer als so manches Fahrrad. Der batteriebetriebene Motor bringt das Gefährt teilweise auf bis zu 20 km/h. Gesteuert wird das skateboardeske Transportmittel per Gewichtsverlagerungen. Helm auf und losfahren! Doch so einfach macht es der deutsche Staat dem Sommerspaß für Klein und Groß nicht.

„Runter von der Straße, du Stümper!“

So oder so ähnlich könnte sich ein Autofahrer beschweren. Und das zu Recht! Denn motorisierte Hoverboards, die mehr als sechs km/h drauf haben, gelten in Deutschland als Kraftfahrzeug. Und solche im öffentliche Raum zu nutzen, etwa in Parks, auf Fußwegen oder auf Straßen, ist illegal und teuer. So verurteilte bereits 2016 ein Düsseldorfer Gericht einen Fahrer zu 1.200 Euro Geldstrafe.

Damit der Spaß aber Spaß bleibt und es nicht zu einer Verfolgungsjagd zwischen Hoverboardfahrer und Polizist auf Segway kommt, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Führerschein

Da ein Hoverboard als Kraftfahrzeug kategorisiert wird, benötigt jeder Fahrer einen gültigen Führerschein (§ 4 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV)). Klassifizierung? Ungewiss. Laut Amtsgericht Düsseldorf (Az: 412 Cs 206/16) ist nur klar, dass ein Auto-Führerschein ausreicht.

Betriebserlaubnis

Ähnliche wie beim Fahrrad, benötigt ein solches Kraftfahrzeug eine Betriebserlaubnis, um die öffentlichen Straßen unsicher zu machen. Voraussetzung hier: Licht, Klingel, Hupe, Reflektoren. Dies muss alles nachgekauft werden.

Haftpflichtversicherung

Das ist der Haken am Ganzen. Denn in Deutschland fordert das Pflichtversicherungsgesetz (PflVG) eine Haftpflichtversicherung für jedes Kraftfahrzeug. Eine solche Kfz-Haftpflicht-Versicherung wird jedoch nur für solche Kraftfahrzeuge angeboten, die auf öffentlichen Straßen in Betrieb gesetzt werden dürfen. Gäbe es eine derartige Versicherung auch für Hoverboards, so müsste jeder Fahrer zusätzlich ein Kennzeichen am kleinen Gefährt anbringen.

Zurück in den Keller?

Alle Papiere dabei, alle Reflektoren und Kennzeichen sicher angebracht? Sehr gut, dann nur noch Helm auf und losfahren. Wobei sich die Frage nach der Sicherheit ebenfalls etwas schwierig gestaltet. Denn private Haftpflichtversicherungen, die für angerichtete Schäden von Radfahrern aufkommen, greifen bei Kraftfahrzeugen wie dem Hoverboard (schneller als sechs km/h) nicht.

Geregelt ist das durch die „Benzinklausel“. Demnach ist diejenige Haftpflicht nicht versichert, die durch den Gebrauch eines motorisierten Fahrzeuges verursacht wird. Zusammenstoß mit Radfahrer? Parkendes Auto beschädigt oder Fußgänger angefahren? Sie zahlen den Schaden aus eigener Tasche.

Aber wo kann ich nun mit dem Hoverboard alle Lieblingsszenen aus „Zurück in die Zukunft“ nachstellen? Legal und sicher: auf privaten Grundstücken. Denn dort greift auch der Schutz der privaten Haftpflichtversicherung.

Richtung Zukunft!

So viele Voraussetzungen, Pflichten und Richtlinien, nur für ein „schwebendes Brett“. Hat es so überhaupt Zukunftspotential? Sicher. Wenn der Gesetzgeber sie mit Sondervorschriften legalisiert, so wie das 2009 für Segways mit der „Verordnung über die Teilnahme elektronischer Mobilitätshilfen am Verkehr“ geschah. Nun gibt es ganzen Touren und Stadtbesichtigungen mit der Motorwippe.

Wer trotzdem seine beste Marty McFly-Parodie auspacken möchte, hier eine einfachere Lösung: Ein Hoverboard unter sechs km/h kaufen. Zwar weht der Wind nicht mehr so peitschend durchs Haar, für eine entspannte Tour reicht es aber vollkommen.

Titelbild: © Gothaer, Video: © YouTube