Mehr als 310.000 deutsche Unternehmen begannen das Jahr laut CRIFBÜRGEL mit Geldproblemen. Insgesamt sei die Lage in Deutschland gut gewesen: Eine starke Kaufkraft und niedrige Zinsen sorgten für einen anhaltenden Aufschwung der Wirtschaft. Die Zahl der insolventen Unternehmen sank stetig. Mit dem Trend kann es aber bald zu Ende sein. Für den Makler als Kleinunternehmer ist es darum umso wichtiger, die eigene finanzielle Situation genau im Auge zu behalten und nicht plötzlich überrascht zu werden. Zum Beispiel von einer Herabstufung der unternehmenseigenen Kreditwürdigkeit durch eine Auskunftei.

„Der Anstieg der Zahlen bei den finanzschwachen Unternehmen zeigt jedoch, dass wir uns auf eine Trendwende bei den Firmeninsolvenzen einstellen müssen.“ – Ingrid Riehl, Geschäftsführerin von CRIFBÜRGEL

Wie sieht es mit dem Geld aus?

Die Auskunfteien Deutschlands erhalten ihre Daten aus verschiedenen Quellen. Daraus berechnen sie dann Score-Werte, die nur einen Zweck haben: Einen Überblick über die Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit eines Maklers zu erstellen. Der Score-Wert richtet sich nicht zwangsläufig nach individuellen Daten. Vielmehr ist eine statistische Einordnung mit einer bestimmten Peer-Group dafür verantwortlich. Ein schlechter Score entsteht, sobald Angaben zu einem negativen Zahlungsverhalten eines Maklers bei einer Auskunftei vorliegen. Beispiele dafür sind Mahnungen, Daten aus Inkassoverfahren, Informationen über Insolvenzen und Haftanordnungen.

Dürfen die das?

Achtung! Auskunfteien dürfen die Daten nur dann zur Verfügung stellen, wenn berechtigtes Interesse vonseiten des Anfragenden vorliegt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das betroffene Unternehmen einen Kredit, einen Kaufvertrag oder einen Miet- beziehungsweise Leasingvertrag abschließt. Ohne eine Unterschrift des Maklers kann eine Auskunftei am Ende jedoch nicht mit den Daten hausieren gehen.

Fehler im System

Das Vorgehen der Auskunfteien bleibt nicht immer fehlerfrei. So kann es etwa vorkommen, dass ein Makler, über den eine Auskunftei keine negativen Daten findet, trotzdem negativ bewertet wird, weil die Zielgruppe negative Bewertungen erhalten hat. Zielgruppen setzen sich aus demografischen Merkmalen zusammen. Die Einordnung der Solvenz mittels Wohnort ist dabei allerdings mittlerweile rechtswidrig (Amtsgericht Hamburg, 233 OWi 12/17). Auch kommt es häufig vor, dass getilgte Forderungen oder abgezahlte Kredite nicht korrekt aufgeführt werden. Das führt zu einem Absinken der Kreditwürdigkeit.

Schlechter Score – und jetzt?

Ein schlechter Score sorgt dafür, dass das Vertrauen einer Bank in den Kunden sinkt, wenn es zum Beispiel um die Aufnahme eines Kredits geht. Auch Zahlungen auf Rechnung, neue Handyverträge oder Verträge für eine neue Gasleitung und ähnliches setzen eine Prüfung der Bonität voraus.

The clean slate

Sollte ein falscher Eintrag vorliegen, kann der Makler die Löschung, Sperrung oder Korrektur der betreffenden Daten verlangen. Das gilt auch für unsichere Fälle, soll heißen, wenn die Auskunftei weder einen Fehler noch die Korrektheit der Daten nachweisen kann. Informationen über falsche Einträge können Makler mit der Selbstauskunft erhalten. Sämtliche Auskunfteien müssen für ausreichend Transparenz sorgen und pro Jahr kann eine kostenlose Anfrage gestellt werden. Für eine ständige Übersicht über den eigenen Score empfiehlt es sich, die Selbstauskunft regelmäßig anzufordern.

Raus aus dem Negativ-Score!

Sollte der Schufa-Score einmal negativ sein, so dauert es für gewöhnlich lange, bis er sich dreht. Auch dann, wenn sich das Zahlungsverhalten von einem auf den nächsten Tag ändert. Mit den folgenden Maßnahmen kann ein Score umgedreht werden, sollte er mal in die falsche Richtung rutschen:

  • Beiträge und Rechnungen rechtzeitig zahlen
  • Auch falsche Mahnungen oder Inkassobescheide nicht ignorieren, sondern aufklären und sicherstellen, dass die Aufklärung auch bei der Schufa oder CRIFBÜRGEL ankommen
  • Nur notwendige Girokonten und Kreditkarten gebrauchen
  • Keine unnötigen Kredite beantragen: Multiple Kredite gefährden den Score
  • Beim Online-Shopping auf die Schufa-Klausel achten

Die größten Auskunfteien Deutschlands

Schufa Holding AG
Eine von zwei Auskunfteien, die auch positive Informationen sammelt. Das Unternehmen hat 9.500 Vertragspartner aus dem Handelssektor und dem Bankenwesen. In der Telekommunikationsbranche ist die Schufa ebenfalls gut vernetzt. Zusätzlich nutzt sie öffentliche Verzeichnisse. Der aktuelle Marktführer hat die Daten von 67,5 Millionen Menschen in seiner Kartei.
CRIFBÜRGEL GmbH
Verschmolzen aus den ehemaligen GmbHs Deltavista und Bürgel Wirtschaftsinformationen. CRIFBÜRGEL besitzt Bonitätsinformationen über mehr als vier Millionen deutsche Unternehmen. Nutzt Daten aus eigenen Recherchezentren und „marktüblichen“ Datenquellen. Kann auf Inkassodaten führender deutscher Inkassounternehmen, wie zum Beispiel EOS Information, zurückgreifen.
Infoscore Consumer Data GmbH
Infoscore zieht seine Informationen aus Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Und aus Schuldnerverzeichnissen von Amtsgerichten. Dabei legt das Unternehmen Wert darauf, nur Daten zu sammeln, die aus vertragswidrigem Zahlungsverhalten entstehen. Vertragspartner von Infoscore sind unter anderen Versicherungen, Banken und Internet-Shops.
CEG Creditreform Consumer GmbH
Bietet Inkasso-, Marketing- und Beratungsdienstleistungen an. Die Creditreform AG speichert sowohl positive als auch negative Merkmale des Verbrauchers. Sie besitzt 100 Millionen Datensätze zu insgesamt 45 Millionen Menschen. Schließt Konsumaktivitäten, Zahlungsweisen und Personendaten mit in die Berechnung des Scores ein.
Boniversum
Gehört zur Creditreform-Gruppe. Das Unternehmen hat mehr als 155.000 Unternehmensmitglieder und 4.500 Mitarbeiter. Die 167 Geschäftsstellen sind über ganz Europa und China verteilt. Boniversum zieht öffentliche Schuldnerlisten, Inkassoverzeichnisse und gerichtliche Haftanordnung zur Berechnung heran. Diese Auskunftei sammelt Daten zu Firmen und Privatpersonen.

Alles im Blick

Unternehmer sollten regelmäßig ihre Bewertungen bei den verschiedenen Auskunfteien erfragen. Und sich darüber informieren, welche Daten die Prüfer gespeichert haben. Zweitens muss der Fluss dieser Daten kontrolliert sein. Durch die Etablierung der neuen DSGVO-Richtlinien und die Selbstauskunft können Makler fälschlichen negativen Bewertungen vorbeugen.

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