Video-Marketing ist die Zukunft. Und nicht nur, weil Mathetutorials für Schüler auf YouTube populär sind. Doch dieses Beispiel verdeutlicht den Vorteil solcher Videoformate. Sie sind in der Lage, durch die Kombination aus Bewegtbild (visuell), Ton (auditiv) und der Möglichkeit, im Chatbereich zu kommunizieren (Interaktion), komplexe Sachverhalte verständlich zu machen. Und schon haben wir ihn, den Aha-Effekt.

Kein Wunder also, dass Online- und Videoberatung sich großer Beliebtheit erfreuen. Der Kunde kann die Beratung von Zuhause aus in Anspruch nehmen und der Berater muss sich nicht durch das Verkehrschaos quälen. Trotzdem bekommt der Kunde einen umfangreichen Service. Eine Win-win-Situation. Aber auch ein Modell für die Zukunft?

Das Kommunikationsmittel schlechthin

Videoformate sind seit einigen Jahre auf dem besten Weg zum Hauptmedium im Netz aufzusteigen. Denn nur so lässt sich das große Informations- und Unterhaltungsbedürfnis der Nutzer befriedigen.

 

Videoplattformen Marktanteil

Quelle: Statista

Immerhin nutzen weltweit 64 Prozent aller Internet-User Videoportale. Ein wichtiges Werkzeug für Unternehmen und Startups, mit dem sie auf individuelle Art mit potenziellen Kunden kommunizieren und gleichzeitig ihr Branding stärken können.

Perfekt kombiniert

Vollständige Online- und Videoberatung ist allerdings noch Zukunftsmusik. Heutige Kunden bevorzugen eine gute Mischung aus On- und Offline-Kommunikation. Zwar erledigen 60 Prozent der Kundengruppen ihre Bankgeschäfte mit dem Smartphone, doch die Möglichkeit, eine Filiale zu besuchen, bleibt ein Muss. Kleine Überraschung: Vor allem die Mitglieder der Generation Y (86 Prozent) suchen den persönlichen Kontakt zum Berater.

Eine sichere Sache

Gut ein Drittel aller befragten Kunden wünscht sich eine Videoberatung zu Versicherungsthemen. Egal, ob eigenständig oder kombiniert mit anderen Beratungsformen. Dies geht aus einer Studie im Rahmen der Bachelorarbeit von Dominik Vollrath und Julius Kretz hervor, die die Rolle der Videoberatung in der Versicherungsvermittlung analysierten. Die meisten Vermittler (78 Prozent) sehen großes Potenzial in der Videoberatung, vor allem bei Sachversicherungen (Haftpflicht, Hausrat oder Kfz-Versicherungen). Bei der Personenversicherung waren es nur 26 Prozent.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Neben der Frage nach der Datenspeicherung und -sicherung solcher Videoaufnahmen ist vor allem bei Online-Unterschriften auf Pad, Tablet und Smartphone Vorsicht geboten.

Solche Verträge, die mittels Touch-Eingabe unterzeichnet werden um damit personenbezogene Daten zu verarbeiten, sind nämlich nicht mit dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) vereinbar. Denn es handelt sich um keine schriftlichen Erklärungen im engeren Sinne, da ein Display Schriftzeichen nicht dauerhaft festhalten kann. Auch sind es keine qualifizierten elektronischen Signaturen im Sinne des Signaturgesetzes, die eine eigenhändige Unterschrift ersetzt. Hierauf verweist Malte Engeler vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein.

Verstöße gegen das BDSG führen nicht zwingend zur Unwirksamkeit der Verträge. Vielmehr haben sie Aufsichtsverfahren und/oder Ordnungswidrigkeitsverfahren zur Folge.

Kein WhatsApp, kein Facebook!

 

Threema

Der kostenpflichtige schweizer Messenger-Dienst bietet einen entscheidenden Vorteil. Die App ist nicht an eine Handynummer gekoppelt. Stattdessen erstellt Threema einen zufällig generierten Code (Threema-ID). Die Benutzung erfolgt also, ohne dass die App Zugriff auf das Adressbuch erhält.

Hoccer

Der kostenlose deutsche Messenger-Dienst macht Datenschutz gleich zum USP. So werden sämtliche Informationen verschlüsselt, an deutsche Server übermittelt und anschließend unmittelbar gelöscht. Der Nutzer muss weder Telefonnummer angeben, noch bekommt der Dienst Zugriff auf sein Adressbuch. Einziges Manko: Jeder Kontakt muss über die hauseigene Hoccer-ID zum Messenger hinzugefügt werden. Nichtsdestotrotz kürte die Stiftung Warentest den Messenger-Dienst 2015 zum Testsieger.

SIMSme

Ist der Instant Messenger der Deutschen Post AG. Die Kommunikation findet über die End-to-End Verschlüsselung statt und da die Server in Deutschland stehen, unterliegen sie den Gesetzen der Bundesrepublik. Und sind somit DSGVO-konform.

Der Nutzer kann sensible Daten mit einer „Selbstlöschfunktion“ versehen. Anrufe sind allerdings noch nicht möglich.

SIMSme gibt es in der kostenlosen oder der Business-Variante. Auch im Angebot: Eine Unternehmerversion, die ebenfalls auf Desktop-Geräten läuft. Sie wird unter anderem von den Volkswagen Financial Services und vom Bayerischen Landkreistag genutzt.

„Licht!? Ton!? Kamera!? Und Action!“

Die Software oder der passende Messenger ist ausgewählt, die Datensicherung ist gewährleistet. Und nun: einfach drauflos beraten? So einfach geht es leider nicht. Denn auch die Mitarbeiter müssen richtig geschult sein. Berater müssen künftig multikanalfähig werden. Kamera, Ton und Interaktion gleichzeitig anzuwenden will gelernt sein.

“Das bedarf Übung, damit es flüssig rüberkommt”, so Erik Boos, Chef von Snapview, der digitalen Plattform für Vertrieb und Videoberatung aus München. Auch ist nicht jedes Büro kameratauglich. “Aufgeräumt und der Hintergrund gebrandet”, sagt Boos, seien Pflicht. Natürlich betrifft das auch die Kleidung der Online-Berater.

Wer sein Fach nicht beherrscht, verschreckt den Kunden. Und das viel schneller als in einem persönlichen Termin. Jeder Klick sollte daher sitzen und Versprecher auf ein Minimum reduziert sein.

Fazit

Videoberatung ist die Zukunft des Vertriebs. Denn bereits jetzt ermitteln Unternehmen, ab wann Kunden-Besuche vor Ort überhaupt noch rentabel sind. Die Devise: Die Mischung aus “Online” und “Offline” machts. Zumal virtuelle Verkaufsprozesse immer nahtloser werden.

Titelbild: ©Andrey Popov /fotolia.com