Gotha, 14. Dezember 1979: Unbekannte stehlen eine Auswahl wertvoller Gemälde aus dem Westflügel von Schloss Friedenstein. Der geschätzte Wert der Werke betrug 4,5 Milliarden D-Mark, bis heute ist der Raub nicht aufgeklärt.

Im Internet ist es wesentlich leichter, an Bilder heranzukommen. Herunterladen, kopieren, teilen. Das alles ist mit einem Klick möglich. Auch das kann zu rechtlichen Konsequenzen führen. Und sogar die eigene Existenz gefährden. Was gibt es bei Bildrechten und dem Copyright (Urheberrecht) im Internet zu beachten?

Vorsicht bei der Bilderwahl!

Inhalte auf der eigenen Homepage mit Bild-, Ton- und Videomaterial anzureichern – heute ist das selbstverständlich. Aber hier ist Vorsicht geboten: Ein Bild, das Sie im Internet finden und für Ihre Inhalte nutzen wollen, dürfen Sie nicht einfach so kopieren. Das gilt auch für soziale Netzwerke. Dazu zählen zum Beispiel Twitter, Facebook, YouTube und Instagram.

Bartlomiej Zornik, Jurist bei der Kanzlei van Velzen, warnt: „Nahezu alle Fotos und Bilder sind urheberrechtlich geschützt, insbesondere Profil- und Titelbilder in der eigenen Chronik. Bei der Nutzung von fremden Fotos bedarf es, wie auch bei der Nutzung auf der eigenen Website, der vorherigen Einwilligung des Rechteinhabers.“

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Bartlomiej Zornik

1.000 Euro Streitwert

Findet beispielsweise ein Fotograf eines seiner Werke mit fehlender oder falscher Lizenz auf Ihrem Blog oder Ihrer Homepage, bedeutet das im besten Fall eine einfache Übereinkunft auf Löschung zwischen beiden Parteien. Aber es geht auch anders: Schaltet er nämlich einen Anwalt ein, wird es teuer. „Sofern es sich um eine Privatperson handelt, welche zum ersten Mal in dieser Sache einen Verstoß begangen hat, so wird nach § 97a UrhG ein Streitwert von 1.000 Euro angesetzt. Weiter sind zivilrechtliche Schadenersatzansprüche hinzuzuziehen, welche in den meisten Fällen bei etwa 600 Euro liegen“, erklärt Zornik.

Credit where it’s due

So verhindern Sie die Abmahnung: Nutzen Sie nicht einfach Bilder, die Sie zufällig im Netz finden. Sorgen Sie dafür, dass Sie immer das Einverständnis des Rechteinhabers für die Benutzung einholen. Ähnliches gilt für Datenbanken wie Fotolia, Getty-Images und pixelio. Es ist notwendig, stets den Fotografen und die jeweilige Herkunft des Werkes auf die angegebene Weise kenntlich zu machen. Ist die Herkunft unbekannt, sollten Sie es lieber nicht benutzen.

Unterschiedliche Bildrechte

Besonders wichtig ist der „zweite Blick“ nach dem Erwerb von Bildrechten. Denn manchmal erhalten Sie nur bestimmte oder partielle Rechte.

Creative Commons bietet als „freieste“ Lizenz eine „CC-BY“ an. Diese erlaubt die Verbreitung und die Verarbeitung des betroffenen Werkes, die einzige Restriktion ist stets die Namensnennung des Urhebers. Im Vergleich zu der „CC-BY“ Lizenz stellt die „CC-BY-NC-ND“ die umfangreichsten Einschränkungen dar. Diese erlaubt lediglich eine lokale Speicherung und Verbreitung unter Nennung des Urhebers, kommerzielle Nutzungen und Veränderungen des Werkes sind nicht zulässig. Zwischen diesen beiden Ausprägungen gibt es verschiedene Variationen mit entsprechenden Abwandlungen.

Bartlomiej Zornik

Jurist, Kanzlei Van Velzen, Kassel

Copyright: Schutz des geschriebenen Wortes

Das Kopieren und Veröffentlichen fremder Texte auf der eigenen Homepage ist, genau wie bei Bildern, verboten und kann abgemahnt werden. Texte müssen allerdings eine sogenannte Schöpfungshöhe aufweisen, damit sie urheberrechtlich geschützt sind. Das bedeutet, dass der Text durch eigenes Können entstanden sein muss: Laut §2 des Urheberrechtsgesetzes stehen nur „persönliche geistige Schöpfungen“ unter Schutz. Eine genaue Definition der „persönlichen Schöpfung“ gibt es nicht.

„Die Grenzen sind schwimmend und bedürfen einer individuellen Betrachtung des Einzelfalls. Es lässt sich (leider) nicht pauschalisieren.“ – Bartlomiej Zornik

Umgestaltungen oder Bearbeitungen der Texte sind nur mit der Einwilligung des Urhebers zulässig. Das legt §23 des Urheberrechtsgesetzes fest. Werke, die aufgrund technischer Bedingungen verändert werden müssen, sind davon ausgeschlossen. Wieder anders ist es bei selbstständigen Werken, die aus der freien Benutzung anderer Werke entstehen (siehe Infokasten). Dafür ist keine Zustimmung erforderlich. Wenn Sie vermuten, dass einer Ihrer Inhalte in Text und Bild kopiert wurde, so ist eine Unterlassungsaufforderung die Lösung. „Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Möglichkeit des Nachweises, dass es sich bei dem kopierten Inhalt um einen eigenen handelt“, so Zornik.

Freie Benutzung

„Neben den sogenannten Urheberrechtsschranken, zu welchen Zitate und beispielsweise Rundfunkkommentare gehören, gibt es im § 24 UrhG die Erlaubnis der freien Benutzung eines Werkes. Zur Veranschaulichung einer freien Benutzung stelle man sich ein Werk von Wolfgang von Goethe vor. Dieses Werk wird zusammengefasst und stellt damit eine zunächst objektiv betrachtete Neuschöpfung dar, quasi eine Interpretation eines bestehenden Kunststückes. Erst durch die individuellen Gedanken einer dritten Person kann eine Art von Abstand zwischen dem „Original“ und der Interpretation des Werkes geschaffen werden. Diese Interpretation steht nun unter der freien Benutzung.“ – Bartlomiej Zornik

Keine Panik!

Sollten Sie abgemahnt werden, unterschreiben Sie die Unterlassungserklärung nicht überhastet. Bartlomiej Zornik rät: „Regulär sucht eine abgemahnte Person einen Rechtsbeistand auf, ich will selbstverständlich hiervon nicht abraten. Leitfragen für mich wären stets die Betrachtung der Situation aus der Position eines Dritten und nicht des Betroffenen. Weiter ist stets Ruhe zu bewahren und nicht aus einer Emotion heraus auf die Abmahnung mit einer Zahlung der Forderung zu reagieren, da hierauf meistens im Anschluss weitere Kosten hinzukommen.“

Titelbild: © alphaspirit / Fotolia.com, Beitragsbild: © Bartlomiej Zornik
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