Als Sinnbild für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit ziert eine Kirschblüte das asiatische Schriftzeichen auf ihrem rechten Schulterblatt. So der Wunschgedanke einer jungen Frau aus Stuttgart. Die Realität? Das Ergebnis ist nach eigenen Angaben missglückt und zog eine kostspielige Laserbehandlung nach sich. Vergänglichkeit in Perfektion mit mehreren psychotherapeutischen Sitzungen im Nachgang. Doch wer trägt die Kosten für die Tattoo-Entfernung? Stehen Versicherungen in der Pflicht? Zwei Fälle, die hohe Wellen schlugen.

Fall 1: Verpfuschtes Kirschblüten-Tattoo löst Depression aus

Im vergangenen März entschied das Stuttgarter Sozialgericht, dass Versicherte keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme für Laserbehandlungen zur Entfernung eines Tattoos haben, selbst wenn das Ergebnis nicht den Vorstellungen entspricht und depressive Symptome auslöst.

Die Klägerin hatte sich zuvor ein Kirschblüten-Tattoo auf dem rechten Schulterblatt stechen lassen. Vier Tage später hat sie bereits die erste Laserbehandlung zur Entfernung der Tätowierung begonnen. Grund: Die Ausführungen seien zu dunkel gewesen. Weitere sieben Tage später begann sie die erste probatorische Sitzung bei einem Facharzt für Psychotherapie. Es folgten noch sechs weitere, bevor sich die Klägerin fünf Monate später in psychiatrische Behandlung begab. Nach Aussage der Klägerin sei das misslungene Tattoo Ursache ihrer psychischen Erkrankung, deren Behandlung sie allerdings vorzeitig abgebrochen hat. Klage abgewiesen.

So befand das Stuttgarter Sozialgericht, dass die Tätowierung nicht entstellend wirke und leicht durch Kleidung zu bedecken ist. Psychische Erkrankungen rechtfertigen lediglich die Übernahme der Kosten für entsprechende Behandlungen. Aber keine Eingriffe in einen „krankenversicherungsrechtlich“ gesunden Körper.

Fall 2: Ehemalige Zwangsprostituierte unternimmt den Befreiungsschlag

Ort: Düsseldorfer Sozialgericht. Eine ehemalige Zwangsprostituierte klagt gehen ihre gesetzliche Krankenversicherung. Diese hatte sich geweigert, der 30-jährigen die Kosten für die Entfernung ihres Tattoos am Hals zu erstatten. „Keine Krankenbehandlung“, so die Begründung der Kasse. Das Gericht entschied allerdings zu Gunsten der jungen Frau und verpflichtete ihren Krankenversicherer dazu, die anfallenden Kosten für die Tattoo-Entfernung zu übernehmen. Es handle sich in diesem Fall tatsächlich um eine Krankenbehandlung, zumal mit dem Tattoo das Opfer-Stigma sichtbar bleibt und die Gefahr bestehe, dass sich die Klägerin zum Schutz aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen muss. Die Heilungschancen ihrer posttraumatischen Belastungsstörung seien so weitaus geringer, entschied das Gericht.

Die Klägerin wurde zuvor Opfer eines Täterduos, dessen Initialen „DH2“ (Die Heiligen Zwei) sie fortan am Hals trägt. Unter Polizeieinsatz wurde das Opfer schließlich aus der Zwangsprostitution befreit.

Jeder dritte Widerspruch ist erfolgreich

Versicherte können sich gegen Bescheide ihrer Krankenversicherer zur Wehr setzen. Und das oftmals erfolgreich. Etwa jedem dritten Widerspruch gegen Kranken- und Pflegekassen wird stattgegeben, berichtet Stiftung Warentest. Vier Wochen bleibt Versicherern, um gegen eine abgelehnte Kostenübernahme vorzugehen. Der Widerspruch muss jedoch schriftlich erfolgen. Ihn telefonisch oder per Mail einzureichen, ist hingegen nicht zulässig und darf von der Kasse ignoriert werden.

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