Rainer Schamberger, Vermittler aus Dresden, hat sich auf die Handwerksbranche spezialisiert. Genauer gesagt auf sechs Zielgruppen: Schornsteinfeger, Lebensmittelhandwerk, Bestatter, Heizung / Sanitär, Elektriker sowie Zahnärzte und Zahnlabore.

Rainer SchambergerWelche Chancen bieten diese Gewerke für Vermittler? Wir haben mit Schamberger gesprochen und ihn zu vier Handwerksbranchen befragt. Teil zwei der Serie: Bäcker und Konditoren.

Redaktion: Herr Schamberger, warum haben Sie sich auf die Handwerksbranche Bäcker spezialisiert?

Rainer Schamberger: Nun, ich habe mich nicht nur auf die Bäcker spezialisiert, sondern auf das ganze Lebensmittelhandwerk. Dazu zählen auch die oft vergessenen Konditoren, denn Bäcker sind nicht gleich Konditoren und umgekehrt. Und auch das Fleischerhandwerk zählt dazu. Für mich stellen sie eine unterschätzte Zielgruppe dar.

Das Risiko ist lediglich im Bereich Einbruch und Diebstahl sehr hoch, weil das Lebensmittelhandwerk eben seine Einnahmen mit Bargeld generiert. Da ich in Dresden lebe, bin ich außerdem schon durch die Präsenz der Bäcker und Konditoren dazu verpflichtet, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als andere Makler. Dresden ist meines Erachtens die Wiege des Bäckerhandwerks. Allein schon der Dresdner Christstollen ist für mich der Beweis.

Aus Verbundenheit zu dieser Tradition fühlte ich mich verpflichtet, diese zu unterstützen. Dass diese Gewerke gerade hier in Dresden auch für mich als Makler sehr lukrativ sind, erfuhr ich erst mit den ersten Mandanten. Denn Bäcker, Konditoren und Fleischer haben hohe Umsätze und meist mehrere Filialen, welche alle abgesichert werden müssen.

Redaktion: Mit welchen Herausforderungen sehen sich Privat- und Gewerbekunden in dieser Branche konfrontiert?

Rainer Schamberger: Das Lebensmittelhandwerk hat vor allem mit der Konkurrenz der Discounter zu kämpfen, überall werden Brötchen und Fleischwaren in fragwürdiger Qualität angeboten. Das erhöht den Druck auf das Gewerk, Innovationen zu schaffen. Der Trend: Innovative Bäcker setzen sich immer weiter durch und übernehmen die kleineren Bäcker. Viele kleinere Bäcker sterben langsam aus. Diese Situation ermöglicht allerdings lukrative Kooperation zwischen Bäckern, Konditoren und Fleischern. Die berufsnahen Kollegen rücken dadurch mehr zusammen und ich rücke an den einen oder anderen Tisch, den ich vorher noch nicht kannte.

Redaktion: Welche speziellen Lösungen bieten Sie Ihren Kunden an?

Rainer Schamberger: Ich biete ein All-Risk-Konzept für Bäcker und Fleischer an und für Konditoren habe ich noch einmal ein separates Sonderkonzept. Kurz zusammengefasst, ich biete eine einfache Komplettlösung. Der Gewerbetreibende braucht nur noch eine Police und da ist alles drin: Betriebshaftpflicht, Betriebsschließungs-Versicherung, Transport-Versicherung, Glasversicherung, Maschinen-, Elektronik und Inhalts- inklusive Elementarversicherung für alle Filialen auch in ZÜRS4-Gebieten, Ertragsausfallversicherung, Kühlgutversicherung und Rechtsschutz. Dabei sind alle Filialen pauschal abgesichert in einer Police. Er spart Papier, Geld und Zeit. Für die Zukunft plane ich noch eine Pauschalprämie für alle betrieblich genutzten Fahrzeuge des Bäckers, Konditors oder Fleischers. Weg von endlos langen Berechnungen bei neuen Fahrzeugen, weg von Flotten, hin zu einer pauschalen Prämie je Fahrzeug. Sag mir, wie viele Fahrzeuge du hast, und ich sag dir direkt was das kostet. So etwas lieben meine Handwerker.

Redaktion: Wie sprechen Sie Ihre Gewerbekunden aus der Bäcker-Branche an?

Rainer Schamberger: Ich bediene dabei alle klassischen Wege. Im Bäckerhandwerk funktioniert es zum Beispiel noch, einen einfachen Brief zu schreiben und mit potenziellen Kunden im Anschluss zu telefonieren. Wir brauchen nur einen klar erkennbaren Nutzen, erklärt in drei Sätzen oder noch besser drei Worten. Viel macht dabei aber auch meine persönliche Art aus, also wie ich mit Menschen umgehe. Das Handwerk passt eben zu mir wie die Faust auf’s Auge, oder wie wir hier sagen: Wie Arsch auf Eimer. Klare Worte und Ehrlichkeit punkten im gesamten Lebensmittelhandwerk. Aber einen Hinweis noch: Man muss früh aufstehen. Nach 10 Uhr brauchen Vermittler beim Bäcker nicht mehr anrufen.

Außerdem bin ich natürlich auf allen Veranstaltungen, die das Handwerk organisiert, dabei. Ob auf dem Dresdner Stollenfest oder die Innungsversammlung. Ich bin da, im Internet, in der Handwerkszeitung oder als Referent bei Fachvorträgen.

Redaktion: Wie begleiten Sie Ihre Kunden im Schadensfall? Fällt Ihnen zufällig ein Beispiel aus der Praxis ein?

Rainer Schamberger: Hier nehme ich mir viel Zeit, ich bin immer persönlich vor Ort. Darauf legen Inhaber auch Wert. Ein kurioser Fall aus dem letzten halben Jahr: Durch Witterungsniederschlag wurde ein Keller geflutet. Dadurch wurden die im Vorfeld für den Jahreswechsel gekauften Stollenkartons zerstört, ebenfalls der Weihnachtsmarkt-Stand (Wert 25.000 Euro). Ich sage mal so: Die Mandantin hätte hier sicher ohne mich nicht die Begrifflichkeit „Witterungsniederschlag“ verwendet, aber so steht es in den Bedingungen und auf solche Dinge weise ich hin, um den Mandanten einen optimalen Schadensablauf zu gewährleisten. Mir fallen noch viele Schäden ein, sei es der fiese Diebstahl der Schokohasen aus dem Keller durch ein wirklich maximal 30 cm hohes und 50 cm breites Fenster, 600 Stück. Oder die Knetmaschine, welche durch eine falsche Einstellung kaputtging. Durch meine Spezialdeckung wurde sie zum Neuwert erstattet.

Redaktion: Vielen Dank, Herr Schamberger, für das Gespräch.

Zum ersten Teil: Handwerk: Vermittler Rainer Schamberger über den Versicherungsbedarf von Schornsteinfegern

Titelbild: © Rainer Schamberger