In den Berufsschulen herrscht bereits seit einem Monat wieder Hochbetrieb. Auch die Universitäten öffnen nun wieder ihre Hörsäle. Für viele Schulabgänger bedeutet dieser Start ins Studium oder in den Beruf vor allem eines: Einen Schritt hinaus aus dem wohlbehüteten und rundum versorgten Elternhaus. In einigen Fällen liegt nun auch die persönliche Vorsorge in der eigenen Verantwortung. Worauf müssen Auszubildende nun achten? Und worauf Studenten?

Das Kind startet in die Ausbildung:

Kranken- und Pflegeversicherung:

Diese erhalten Azubis über das Ausbildungsverhältnis. Und somit endet die Mitversicherung bei den Eltern. Doch die Wahl der Krankenkasse liegt nicht beim Betrieb, sondern in eigener Hand. Bleibt der Azubi unterhalb der Geringverdienergrenze von 325 Euro monatlich (§ 20 Absatz 3 SGB IV) , so trägt der Arbeitgeber die Beiträge allein.

Haftpflichtversicherung:

Mit der Volljährigkeit endet in der Regel die Mitversicherung über die Eltern. Aber: Beginnt das Kind nach dem Schulabschluss ohne größere Pause eine Ausbildung, besteht die Familienpolice weiterhin bis zum Abschluss der ersten Ausbildung. Ausnahme: Heiratet der Azubi vorher, endet die Mitversicherung.

Hausratversicherung:

Wohnt der Auszubildende noch bei seinen Eltern, ist auch sein Hausrat über die Eltern mit abgedeckt. Über die sogenannte „Außenversicherung“ ist er außerdem weiter versichert, wenn er beispielsweise in einem Wohnheim lebt, also nur vorübergehend außerhalb des elterlichen Haushaltes. Bei einer eigenen Wohnung sieht das anders aus. Dann ist auch eine eigene Hausratversicherung nötig.

Berufsunfähigkeitsvorsorge:

Eine BU-Absicherung ist gerade für Berufsanfänger besonders zu empfehlen. Denn die gesetzliche Rente bietet für sie keinen „Berufsschutz“. Im Leistungsfall ist dann entscheidend, ob der Betroffene noch einer anderen Erwerbstätigkeit nachkommen kann – auch in einem ganz anderen Beruf. Bei der BU-Rente hingegen verzichten die meisten Versicherer auf die abstrakte Verweisung. Ein weiterer Vorteil: Je früher Kunden eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, desto günstiger können sie einsteigen.

Das Kind startet ins Studium:

Kranken- und Pflegeversicherung:

Bis zum 25. Geburtstag können Studenten kostenlos bei den Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert bleiben. Ab dem 26. Lebensjahr sind sie dann selbst pflichtversichert. Das bedeutet, sie zahlen einen vergünstigten Beitrag, der je nach Kasse variiert. Diese Pflichtversicherung ist bis zum Ende des 14. Fachsemesters oder bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres möglich.

Studenten können sich jedoch auch von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen, um sich bei einer privaten Krankenkasse abzusichern. Aber: Das ist nur in den ersten drei Monaten nach Einschreibung an der Universität oder Hochschule möglich. Die gesetzliche Kasse benötigt hierfür eine Bescheinigung der PKV.

Haftpflichtversicherung:

Auch hier sind Studenten bis zum Abschluss des ersten Hochschul-Studiums bei den Eltern weiter mitversichert. Einzige Ausnahme auch hier: Eine Hochzeit vor dem Abschluss beendet die Mitversicherung bei den Eltern sofort.

Hausratversicherung:

Solange Studenten noch keinen eigenen Hausstand begründet haben, bleiben sie auch weiterhin über die Hausratversicherung der Eltern geschützt. Auch vorübergehende Unterkünfte fallen darunter. Für viele Versicherer zählen dazu auch WG-Zimmer.

Berufsunfähigkeitsversicherung:

Je früher, desto besser. Studenten können bei den meisten Versicherern günstige Starter-Tarife abschließen. Während des Studiums sind die Beiträge gering. Später, beim Start ins Berufsleben steigen sie. Und auch die BU-Rente kann mit dem Einkommen mitwachsen, wenn der Tarif Nachversicherungsrechte vorsieht.

Keinen Platz gefunden?

Nicht immer führt nach dem Schulabschluss der direkte Weg zum beruflichen Ziel. Hat das Kind den gewünschten Ausbildungs- und Studienplatz noch nicht gefunden, so gilt es zumindest vorübergehend als arbeitslos. Einen Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat der Nachwuchs jedoch nicht, solange er noch bei den Eltern lebt.

Tipp: Der Schulabgänger sollte sich schnell bei der Arbeitsagentur melden. Denn Jugendliche unter 25 Jahren, die erwerbsfähig sind, werden bevorzugt vermittelt.

Auch wenn der Schulabgänger nicht direkt nach dem Abschluss eine Ausbildung beginnt, bleibt das Kind weiterhin über die gesetzliche Krankenversicherung der Eltern kostenlos mitversichert. Jedoch nur bis zum Alter von 23 Jahren. Danach muss innerhalb von drei Monaten eine freiwillige Weiterversicherung beantragt werden. Ausgenommen: Das Kind ist aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage, sich selbst zu unterhalten. Eine kostenlose Mitversicherung bei den Eltern ist dann auch ohne Altersgrenze möglich.

Unsicher?

Häufig ist für Kunden nicht gleich ersichtlich, ob die Wohnung oder vorübergehende Bleibe der Kinder noch über die Familienpolice versichert ist. Gerade wenn sich das berufliche Leben der Kinder entscheidet, ist es wichtig, dass Vermittler ihre Kunden über die wichtigsten Absicherungsmöglichkeiten der Kinder aufklären. Neben den oben aufgeführten Versicherungen ist es auch nie zu früh, eine geeignete Altersvorsorge für den Nachwuchs zu besprechen und gemeinsam auszuarbeiten.

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