Wie steht es um die Prozessqualität der privaten Krankenversicherer in Deutschland? Dieser Frage ging jüngst der Hamburger IT-Dienstleister Softfair nach. Obwohl aus Sicht der Prozess-Spezialisten digitalisierte und standardisierte Prozesse längst ein „Hygienefaktor“ in der Branche geworden sind, besteht offenbar massiver Nachholbedarf. Denn das Urteil des aktuellen Ratings fällt gravierend aus.

„Häufig beobachten wir, dass mit hohem Zeit- und Kosteneinsatz von Versicherern entwickelte Services und Prozesse an den eigentlichen Bedürfnissen des Vertriebs vorbei entwickelt werden und in der Folge im Vermittlermarkt wenig Akzeptanz finden.“ Softfair

Lediglich fünf der 34 untersuchten PKV-Anbieter erhielten die Bewertung „gut“ und dürfen sich mit dem „Softfair-Prozesssiegel“ schmücken. 19 Gesellschaften erreichten nur die Note „ausreichend“. Für sieben Rating-Teilnehmer reichte es sogar nur zu einem „mangelhaft“. Und der Testsieger? Mit 48 Punkten erklomm die Gothaer Krankenversicherung AG das Treppchen. Die vollständige Liste gibt es hier.

Automatisierte Prozesse im Mittelpunkt

In dem erstmals durchgeführten Rating prüfte Softfair laut eigener Angabe die „Integrationstiefe und Prozesslandschaft anhand spartenbezogener Anforderungskataloge“. Dabei zählt im Segment KV-Voll und KV-Zusatz die vollständige elektronische Antragsdurchleitung nach BiPRO-420 zu den wichtigsten Anforderungen . Hierfür benötigen die Versicherer eine verschlüsselte Mailverbindung oder BiPRO-Schnittstelle. Außerdem relevant: Der gänzliche Ersatz des Postversands durch BiPRO-Anbindung und die Bereitstellung eines Webservices zur Dokumentenübermittlung. Hier gibt es eine vollständige Übersicht über den Anforderungskatalog.

Standortbestimmung

Ziel der Untersuchung war es laut Softfair, den Gesellschaften eine Möglichkeit zum Vergleich zu bieten. Gleichzeitig bekommen Vermittler so einen Überblick über die Prozessunterstützung von Seiten des Versicherers. Und gewinnen eine weitere Grundlage für die Auswahl ihrer Vertriebspartner. Das Siegel könne darüber hinaus als „ein wertiges und Vertrauen bildendes Signal“ an den Markt genutzt werden.

Detailergebnisse noch unter Verschluss

Einen Einblick in die detaillierten Ergebnisse wollte Softfair zunächst nicht gewähren. Diese Informationen liegen derzeit nur den Versicherern selbst vor. Auf Anfrage des Versicherungsjournals erklärten die Hamburger dazu, bei einem neuen Siegel sei es „nur fair, den Gesellschaften etwas Zeit zum reagieren einzuräumen.“ Trotzdem sei eine Veröffentlichung innerhalb der nächsten Monate nicht ausgeschlossen.

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