CDU Politiker Norbert Röttgen forderte in einem Gastbeitrag für Focus Online eine finanzielle Aufwertung typischer Frauenberufe sowie einen Rechtsanspruch auf gleiche Entlohnung bei gleicher Arbeit. Dort heißt es: „Es kann nicht sein, dass Frauen nur dann besser verdienen, wenn sie typische Männerberufe ausüben.“ Bis tatsächlich ein Wandel im System kommt, ist es für Frauen umso wichtiger, die finanzielle Vorsorge aktiv anzugehen. Eine Branchenkollegin, Finanzberaterin Jennifer Brockerhoff, erklärt im Interview, wie Frau sich mit der finanziellen Vorsorge auseinandersetzt und worauf das weibliche Klientel bei der Beratung Wert legt.

Redaktion: Frau Brockerhoff, warum haben Sie sich gerade für die Zielgruppe Frau als Schwerpunkt entschieden?

Jennifer Brockerhoff: Das war weniger eine Entscheidung, da die Zielgruppe Frauen mich ausgesucht hat. In den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit waren fast alle Beratungsanfragen, die ich erhalten habe, vorwiegend von Frauen. Natürlich habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, warum das so ist. In Feedbacks und Bewertungen gaben meine Kundinnen an, sie hätten ganz gezielt nach einer Beraterin gesucht. Häufig hatten sie im Vorfeld bereits Finanzberatungstermine mit männlichen Kollegen wahrgenommen und fühlten sich oft nicht verstanden oder fanden es wenig hilfreich, wenn das Gespräch voller Fachtermini war.

Redaktion: Auch wenn Frauen gezielt auf Sie zukommen, inwieweit ist es denn ein Vorurteil, dass sich das weibliche Geschlecht nicht um ihre Finanzen kümmert? Und woran liegt es, dass Frauen sich mit dem Thema nicht auseinandersetzten?

Jennifer Brockerhoff: Meines Erachtens ist das historisch bedingt. Wenn man bedenkt, dass Frauen erst seit 1958 ein eigenes Konto eröffnen dürfen und erst seit 1977 ohne die Erlaubnis des Ehemannes ein Anstellungsvertrag unterschreiben können, dann wundert es wenig, dass sich Frauen in dieser kurzen Zeitspanne nicht mehr in finanziellen Dingen emanzipieren konnten. Zudem wird der Umgang mit Finanzen sowie wer sich in einer Beziehung um finanzielle Angelegenheiten kümmert vererbt.

War der eigene Vater „Finanzminister“ der Familie, ohne große Einwirkung der Mutter, dann kann man davon ausgehen, dass die Tochter die gleichen Muster in der eigenen Beziehung später unbewusst übernimmt.

Redaktion: Abgesehen von unbewussten Einflüssen, welche Vorbehalte haben Frauen gegenüber einem Investment?

Jennifer Brockerhoff: Die gängigsten Vorbehalte sind, dass Finanzthemen zu kompliziert und eine reine Männerdomäne seien. Dabei machen Finanzen richtig Spaß, wenn man die Basics verinnerlicht hat. Die Zusammenhänge fallen einem auch im täglichen Leben überall auf.

Redaktion: Und wie bringt man der weiblichen Zielgruppe das Thema „Geld“ näher?

Jennifer Brockerhoff: Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Thema Finanzen bereits als Schulfach existieren würde. So könnten Lehrer Vorurteile frühzeitig aus dem Weg räumen. Denn Finanzen begleiten uns unser ganzes Leben, und es ist keine gute Idee, finanzielle Lebensentscheidungen nicht selbst treffen zu können. In meinen Terminen starte ich immer mit den fünf Schritten der Finanzplanung und setze so ein Fundament an Basiswissen. Wenn es um das Thema Investieren geht, ist es meines Erachtens sehr wichtig, das Thema Risiko ausführlich vorab zu besprechen. Das wird leider häufig erst mitten in einer späteren Finanzkrise schmerzlich nachgeholt.

Redaktion: Auch Nachhaltigkeit ist eines Ihrer Schwerpunktthemen. Gibt es hier einen besonderen Zusammenhang zur Zielgruppe Frau?

Jennifer Brockerhoff: Frauen sind nach wie vor zum größten Teil für die Care-Arbeit in einer Familie zuständig. Wer einkaufen geht, sei es Lebensmittel oder Kleidung, wird schnell mit nachhaltigen Alternativen konfrontiert und macht sich Gedanken darüber, was umweltfreundlicher oder gesund ist. Ich habe sehr häufig erlebt, dass Frauen Nachhaltigkeit in der Geldanlage wichtig finden. Sie meinen jedoch oft, dass diese Präferenzen in den eigenen Investitionen nicht umsetzbar sind. Glücklicherweise hat sich hier in den zurückliegenden Jahren viel verändert. Das liegt einerseits an der zunehmende Regulierung der Finanzbranche – zum Beispiel müssen Nachhaltigkeitsaspekte ab 2021 in Beratungsgesprächen verpflichtend abgefragt werden – und andererseits daran, dass Pioniere in der Investmentbranche endlich mehr Sichtbarkeit bekommen. Zudem steigt das Bewusstsein für das Thema in der Gesellschaft auch allgemein.

Redaktion: Ist es so, dass sich Frauen vielfach erst als Mutter Hilfe bei der finanziellen Vorsorge suchen? Ab wann sollte sich Frau mit der eigenen Vorsorge befassen?

Jennifer Brockerhoff: Meistens suchen Frauen Hilfe in der finanziellen Vorsorge, sobald sie in der Berufstätigkeit das erste eigene Geld verdienen. Spätestens dann sollten sie sich mit der eigenen Vorsorge befassen. Denn je früher sie anfangen selbst kleine Beträge zu sparen, umso mehr können sie den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen. Sie verhindern, dass wertvolle Jahre tatenlos vergehen. Außerdem finde ich es sehr wichtig, dass Frauen finanziell unabhängig werden und das in einer späteren Beziehung auch bleiben.

Redaktion: Es gibt immer mehr Podcasts und Online-Blogs, die über das Thema informieren. Eignen sich diese Quellen Ihrer Meinung nach als Einstig in die Thematik? Oder empfiehlt sich ausschließlich eine individuelle Beratung?

Jennifer Brockerhoff: Die Mischung macht´s! Ich finde es super, dass es seit einigen Jahren eine so große Vielfalt an Informationsmöglichkeiten gibt, in welchen viele Basics erklärt werden. Im Grunde erfüllen diese Quellen genau das, was unser Bildungssystem bis heute versäumt. Wenn es um spezifische Themen geht, die man selbst mit einem Selbststudium nicht beantworten kann oder komplexe Vorgänge die verschiedenen Themenbereiche kreuzen, dann ist eine individuelle Beratung unerlässlich. In den über 20 Jahren als Finanzplanerin und nach drei schweren Finanzkrisen kann ich auf viel Erfahrung zurückgreifen und dadurch meinen Kundinnen und Kunden helfen. In diesen Corona-Zeiten werden verstärkt meine digitalen Beratungsmöglichkeiten in Anspruch genommen. Ein persönliches Gespräch bietet mir jedoch häufig tiefere Einblicke über den Beratungswunsch und die Hintergründe.

Titelbild: ©/stock.adobe.com

 

Jennifer Brockerhoff war 2012 die Erstplatzierte des Jungmakler Awards. Sie sagt über ihre Erfahrung:

“Der Austausch mit anderen Maklerkolleginnen und -kollegen sowie das Kennenlernen ihrer Geschäftsmodelle war für mich eine sehr große Bereicherung. Dafür bietet der Jungmakler Award eine einmalige Plattform. Der gestiegene Bekanntheitsgrad sowie die Interview-Anfragen sind natürlich weitere positive Effekte der damaligen Teilnahme.”

Wie man sieht: Das Mitmachen lohnt sich! Für die Teilnahme 2020 können sich Interessierte noch bis zum 30. Juni anmelden.

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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