Das Land der Dichter und Denker konvertiert zum Land der Sparer und Anleger. Und das mit Erfolg. Denn rund jeder zehnte Euro liegt in Deutschland auf der hohen Kante. Im internationalen Vergleich: Spitzenwert. Unter anderem geht das aus der im Februar veröffentlichten Studie „Economic & Financial Analysis“ der ING DiBa hervor.

Doch der erste Anschein trügt, denn 27 Prozent der Deutschen haben keinerlei Ersparnisse. Das ist mehr als jeder Vierte. Wessen Schuld ist das? Die, der finanzsicheren und anspruchsvollen Generation der Babyboomer oder die, der freiraumliebenden und risikobereiten Generation Y. Wer spart besser?

BabyBoomer: Gefühlsmenschen mit Sinn für Qualität

Die über 50-Jährigen eine Seniorengruppe? Nicht die modernen und aktiven BabyBoomer (zwischen 1946 und 1964 geboren). Laut dem Statistischen Bundesamt gehören zu dieser Kohorte 13,5 Millionen Menschen in Deutschland (2018). Doch auch bei der Generation, laut der Studienreihe der Aduno-Gruppe, gibt es Unterschiede.

  • Master Consumer (1946 –1954)
    Älterer Teil der BabyBoomer, sogenannte SwingGeneration, Kriegs- und Vorkriegsgeneration.
    Gelten als politisch kritisch.
  • Best Ager (1954 –1964)
    Jüngere Hälfte der BabyBoomer. Synonym: Generation Jones (benannt nach dem amerikanischen Kulturhistoriker und Trendbeobachter Jonathan Pontell), sie gelten als weniger politisch interessiert, dafür individualistischer und konsumorientierter.

Obwohl sie kritische Konsumenten sind, lassen sich BabyBoomer beim Einkaufen stark vom Bauchgefühl leiten. Sie sind „Eindrucksmenschen“. Ihre hohen Ansprüche richten sich an die Produkt- oder Servicequalität sowie Nachhaltigkeit. Zentrale Werte in der Genussorientierung der Kohorte: Ehrlichkeit, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Ordnung.

Generation Y: Freiheitsliebende mit Technik in der Hand

Generation Y (zwischen 1980 und 2000 geboren) wollen verändern. In Deutschland stellen Millennials laut dem Marktforschungsunternehmen GfK 15 Prozent aller Privathaushalte in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil auf deutlich über 20 Prozent anwachsen.

Für die hedonistisch veranlagten Millennials gehören Lebensgenuss und Leistung untrennbar miteinander verbunden. Als „Egotaktiker“ gebrandmarkt arbeiten sie intensiv, vergessen aber nicht mit ihren Kräften ausgewogen zu haushalten. Statussymbole vorheriger Generationen wie teure Autos, Golduhren und Chefposten – uninteressant. Die eigensinnigen jungen Menschen ziehen mehr Zeit mit Freunde und Familie allem Übrigen vor.

Gut vorgelegt aber nicht ausreichend

Gegenüber anderen Generationen ist die Einkommens- und Vermögenssituation deutscher BabyBoomer gut. Relativ. Dies geht aus der Studie „Sparen und Altersvorsorge in Deutschland“ (SAVE) hervor.

Trotz häufiger Arbeitslosigkeit entspricht ihr durchschnittlich verfügbares, monatliches Nettoeinkommen dem von anderen Kohorten. Zudem akkumulierten die Best Ager ein größeres Geldvermögen als vorherige Generationen. Ein Wermutstropfen: Das niedrige erwartete Renteneintrittsalter, da dies für deutliche Rentenkürzungen sorgen kann.

Inwieweit dies durch privates Vermögen abgefedert werden kann? Ungewiss. Doch für eine große Mehrheit der Haushalte scheint das bisher akkumulierte Nettovermögen nicht genug zu sein. Doch die BabyBoomer haben verstanden, dass staatliche Rente alleine nicht mehr ausreicht, um den erreichten Wohlstand zu erhalten. Ihre Strategie dagegen: Das Arbeitsleben verlängern, auf Weiterbildungsmaßnahmen setzten und mehr investieren. In sich selbst. So zumindest lauten die Prognosen mehrerer Banken.

„Mit Blick auf die demografischen Entwicklungen werden die Deutschen kaum in der Lage sein, in den nächsten 20 Jahren so viel auf die hohe Kante zu legen wie bisher“, sagt Michael Gavin, Stratege bei der britischen Barclays Bank.

Spar- und risikofreudig

Die Millennials denken anders. Ihr Plan: Frührente. Und obwohl sie im Alter ähnlich wie Generationen zuvor auf einen Mix aus staatlicher Rentenversicherung und betrieblichen Altersversorgung und andere privat angesparte Rücklagen zurückgreifen müssen. Der Vorteil der Generation Y: Unabhängigkeit. Weil sie im Vergleich zu früheren Generationen besser versorgt sind. Dies geht aus der Schroders Global Investor Study (GIS) 2017 hervor, für die mehr als 22.000 Anleger befragt wurden.

“Die finanzielle Situation der Millennials ist erschreckend. Das hören wir allzu oft. Es ist deshalb erfreulich, dass junge Anleger in vielerlei Hinsicht eine deutlich andere Einstellung zu ihrer Altersvorsorge haben als ihre Eltern“, erklärt Lesley-Ann Morgan, Head of Retirement bei Schroders.

Grund: Die jungen Menschen der Generation Y sind sparfreudiger. Aber auch risikofreudiger. So sind sie bereit, ganze elf Prozent des eigenen Gehaltes für die Altersvorsorge anzulegen.

Bild: © lassedesignen / fotolia.com

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