21. April 2020: Das Oktoberfest ist abgesagt. Ein schwerer Schlag für die Stadt München und deren Bewohner. Noch schwerer trifft es allerdings die deutschen Brauer. Wir werfen einen Blick auf diese ganz besondere Zielgruppe.

„Mit Corona leben heißt vorsichtig leben.“ – Markus Söder

Brauer in Zahlen

Im Jahr 2018 stellten deutsche Brauereien 8,7 Milliarden Liter Bier her. Das bedeutet einen Zuwachs von 2,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, beeinflussten unter anderem der lange Sommer und die Fußball-WM die Herstellung. Ein Jahr später setzten die deutschen Brauereien dagegen weniger Bier ab: Der Bierabsatz sank nach Zahlen des Statistischen Bundesamts um 1,9 Prozent (177,9 Millionen Liter). Gleichzeitig aber stieg die Anzahl der kleinen Brauereien. Gab es 2012 noch 918 Brauereien mit einem Output von bis zu 5.000 Hektoliter pro Jahr, waren es 2016 bereits 985.

Infografik: Die deutsche Brauereilandschaft | Statista
Quelle: Statista

Risiken für Brauer

Während der Coronavirus-Pandemie wird besonders deutlich, wie abhängig die deutschen Brauer von Großveranstaltungen, dem Sport und dem Zustand der Gastronomie sind. Wie die Tagesschau berichtet, gehen die Absätze der Brauer stark zurück. Je nach Bundesland seien Absatzrückgänge zwischen 25 und 40 Prozent zu erwarten. Aber wie sieht das Gewerbe von „innen“ aus? Um das herauszufinden, haben wir mit Anna Kaminski, Jungbrauerin beim Staatlichen Hofbräuhaus, gesprochen.

Redaktion: Frau Kaminski, welche Anforderungen gibt es für Brauer in ihrem Beruf?

Anna Kaminski: Also zunächst einmal spielen Hygiene, Kontrolle und Sauberkeit eine große Rolle. Ein Brauer muss außerdem ein Gefühl für das Produkt haben. Zum Beispiel: Wie muss ich meinen Spundungsdruck einstellen? Verläuft die Gärung nach Plan? Klärt sich das Bier? Ein gutes Auge braucht man da schon. Ebenfalls muss eine körperliche Grundfitness vorhanden sein. Das ist etwa dann wichtig, wenn Mitarbeiter 20 Schläuche hintereinander aus dem Keller schleppen.

Redaktion: Das klingt aber nicht gesund.

Anna Kaminski: Ist es auch nicht, darum gibt es so eine Art Leitfaden von der Berufsgenossenschaft. Der legt fest, wieviel wir stemmen dürfen. Damit soll verhindert werden, dass zum Beispiel ein Azubi sich drei Jahre lang am Band krumm schuftet und dann mit kaputtem Rücken endet.

Redaktion: „Am Band“ ist ein gutes Stichwort – wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf aus?

“Kein Tag ist wie der andere – das gefällt mir sehr an meinem Beruf.”

Anna Kaminski: Einen „typischen“ Ablauf gibt es nicht. Je nachdem, ob ich im Sudhaus, im Drucktankkeller oder in der Füllerei arbeite, ob ich Frühschicht oder Nachtschicht habe, unterscheiden sich meine Tage sehr voneinander. Das gefällt mir an diesem Beruf sehr. Was gleich bleibt, ist, dass ich mir nach dem Ankommen in der Brauerei einen Überblick darüber verschaffe, was gerade passiert und ob alles in Ordnung ist.

Redaktion: Was sind denn die größten Risiken für Ihren Betrieb?

Anna Kaminski: Die allergrößten Risiken sind die Verbrauchergefahren. Ein Beispiel: Wenn der Spritzkopf für die Reinigung verstopft ist. Dann kommt die Reinigung nicht zur Genüge in den Tank. Darum haben wir wahnsinnig viele Kontrollen, etwa um festzustellen, dass auch ja keine Lauge- oder Säurereste im Tank sind. Wir nehmen Zwischenproben, Endproben, bei uns gibt es da zahlreiche „Sicherheitsschranken“, wenn Sie so wollen.

Redaktion: Und welche Risiken können theoretisch Ihnen selbst als Brauerin gefährlich werden?

“Die größte Gefahr ist CO2.”

Anna Kaminski: Die größte Gefahr ist auf jeden Fall CO2. Es ist aus vier Gründen so gefährlich: Es ist farblos, geruchlos, geschmacklos und schwerer als Luft. Darum setzt es sich immer unten ab. Wir nutzen CO2, das in unserer Produktion entsteht, zum Beispiel dafür, Tanks leer zu drücken. Es gibt aber Brauereien, die liegende Tanks verwenden, da muss dann einer reinklettern, um sie zu säubern. Problematisch wird das, wenn man zu leichtsinnig wird. Das kann schwere Unfälle zur Folge haben, auch wenn natürlich zuerst Messungen vorgenommen werden, wie viel CO2 noch vorhanden ist.

Redaktion: Wie ist Ihr Betrieb in diesem Rahmen versichert?

Anna Kaminski: Wir haben die verschiedensten Versicherungen für Verbrauchergefahren. Alles, was irgendwie geht, um den Verbraucherschutz zu gewährleisten. Wir sind auf alles vorbereitet, was da auf uns zukommen kann. Und was einen Betriebsstillstand angeht, so haben wir mit unserer Kriegskasse einen großen Vorteil.

Redaktion: Was ist das denn?

Anna Kaminski: Wir sind ja vergleichsweise eine recht vermögende Brauerei, das heißt, wenn der Betrieb mal stillsteht, haben wir für Krisenzeiten einen Puffer. Das hilft auch in Situationen wie jetzt, während der Corona-Pandemie. Außerdem gehören wir ja als staatliche Brauerei dem Freistaat Bayern, was auch für eine Entlastung sorgt.

Redaktion: Kürzlich wurde bekannt, dass das Oktoberfest in diesem Jahr ausfallen soll. Sind Sie da als staatliche Brauerei „abgehärtet“ oder tut das schon weh?

Anna Kaminski: Das tut schon sehr weh. Wir sprechen hier von Millionen Verbrauchern, die dieses Jahr wegfallen. Jede Brauerei, die auf der Wiesn ausschenkt, ist da betroffen – aber ich glaube nicht, dass sie daran zugrunde gehen.

Redaktion: Ein hoffnungsvolles Wort zum Schluss. Vielen Dank, Frau Kaminski, für die spannenden Einblicke!

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Titelbild: ©Alexander Raths/ stock.adobe.com, Beitragsbild: © Hofbräuhaus
Im Interview: Anna Kaminski

Anna Kaminski ist als Jungbrauerin beim Staatlichen Hofbräuhaus München tätig. Sie ist 22 Jahre alt und hat 2017 – ein Jahr nach ihrem Abitur – bei Hofbräu in Form einer Lehre angefangen. Ursprünglich stammt sie aus Brunnthal, das im Landkreis München liegt.

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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