„Ihr Beruf? Oder sind Sie nur …?“

„Ich arbeite in der Kommunikationsbranche und im Organisationsmanagement. Außerdem gehören Nachwuchsförderung und Mitarbeitermotivation zu meinen Aufgaben. Oder kurz: ich führe ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen!“

Fast 100.000 Euro für eine Hausfrau?

Diese Werbung des Wuppertaler Konzerns Vorwerk, der hauptsächlich Haushaltsgeräte wie den Thermomix vertreibt, dürften die meisten noch kennen. Was einem erst ein kleines Schmunzeln auf das Gesicht zaubert, regt bei längerer Betrachtung zum Nachdenken an. Denn all diese Tätigkeiten, die die Frau aus dem Spot aufzählt, erfordern viel Zeit und Kraft. Lässt sich die Leistung von Hausfrauen und Hausmännern eigentlich auf bezahlte Tätigkeiten übertragen? Das Internetportal Salary.com hat diesen Transfer versucht. Das Ergebnis erstaunt: Umgerechnet 97.300 Euro bekäme eine Fulltime Hausfrau mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren. Damit liegen Hausfrauen und Hausmänner etwa in einer Gehaltsklasse mit Richtern. Andere Einschätzungen kommen zwar zu niedrigeren Ergebnissen, aber ein Gehalt deutlich über dem durchschnittlichen Lohnniveau in Deutschland bleibt.

Die ganze Klaviatur der Arbeitswelt

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Hausfrau und Hausmann eben keine Nine-to-five-Jobs sind. Die Arbeitszeiten entsprechen eher dem Leistungspensum eines Topmanagers – und das mit einem wesentlich diversen Aufgabenspektrum. Managerin, Kinderärztin, Psychologe, Lehrerin, Reinigungskraft, Kindergärtner, Chauffeurin, Koch. Das Portal haushaltsfee.org hat einmal beispielhaft die Arbeitsstunden aufgezählt, die eine Hausfrau in den verschiedenen Bereichen leistet:

  • Erzieherin 14 Stunden / Woche
  • Köchin 14 Stunden / Woche
  • Facility Managerin 10 Stunden / Woche
  • Hauswirtschafterin 15 Stunden / Woche
  • Lehrerin 10 Stunden / Woche
  • Chauffeurin 10 Stunden / Woche
  • Managerin 5 Stunden / Woche
  • Wäschereiangestellte 6 Stunden / Woche
  • Weitere Tätigkeiten 7,5 Stunden / Woche

Das macht unter dem Strich über 90 Stunden. Trotzdem denken viele bei der Absicherung einer Berufsunfähigkeit zuerst oder sogar ausschließlich an den Hauptverdiener – oder die Hauptverdienerin. Doch was ist, wenn die Hausfrau oder der Hausmann plötzlich nicht mehr arbeiten kann? Etwa durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall?

Gesetzlicher Anspruch auf Hilfe hat Grenzen

Wer nicht das Glück hat, Hilfe aus der Familie zu erhalten, muss sich nach anderen Optionen umschauen. Zunächst hilft die gesetzliche Krankenversicherung aus, etwa über die Familienversicherung des Ehemanns. Eine Haushaltshilfe übernimmt dann die anfallenden Arbeiten in Haushalt und Kinderbetreuung. Der gesetzliche Anspruch der Versicherten zur Übernahme der Kosten für eine solche Hilfe beträgt allerdings nur 26 Wochen. Und das auch nur dann, wenn ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt. Ansonsten ist der Anspruch auf vier Wochen begrenzt. Das ist so im Sozialgesetzbuch V § 38 vorgeschrieben. Wenn der Ausfall der Hausfrau oder des Hausmanns nun aber längerfristig ist?

Manager ohne Schutz? Niemals!

Dann fallen diese Kosten privat an. Das zeigt: auch für Hausfrauen und Hausmänner ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine Überlegung wert. Dabei ist aber wichtig, dass die Versicherungsbedingungen die Hausfrau beziehungsweise den Hausmann explizit als Beruf benennen. Denn dadurch ist gewährleistet, dass bei Aufnahme einer neuen Tätigkeit diese versichert ist (Allg. Versicherungsbedingungen Gothaer BU Plus §2 Abs. 3). Den Geschäftsführer eines „erfolgreichen, kleinen Familienunternehmens“ abzusichern ist nur logisch. Ganz egal, ob es sich dabei um einen Handwerksbetrieb oder einen Haushalt mit Kindern handelt.

Titelbild: ©Sergey Nivens / fotolia.com, Video: © YouTube

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