Im Jahr 2018 erzeugte die Menschheit pro Tag etwa 2,5 Trillionen Bytes. Das entspricht der Speicherkapazität von 36 Millionen iPads. Wie der Wirtschaftswoche-Blog berichtet, stammen 90 Prozent der gesamten Datenmenge aus dem Zeitabschnitt zwischen 2015 und 2017 – es ist demnach von einer Datenexplosion zu sprechen. Es kann deshalb kaum verwundern, dass immer mehr Nutzer elektronischer Geräte sich Alternativen zum lokalen Speicherplatz suchen. Eine Lösung für das Speicherproblem: Cloud Computing.

Infographic: The Cloud Market Keeps Moving Upwards | Statista
Quelle: Statista

Cloud Computing in Zahlen

Im Jahr 2017 war der Markt für Cloud Computing Statista zufolge etwa 146 Milliarden US-Dollar schwer. Innerhalb der letzten Jahre hatte er ein stetes Wachstum zu verzeichnen: Wie in der Infografik zu sehen, betrug der Marktumsatz von Cloud-Infrastruktur in den ersten beiden Quartalen 2019 jeweils 24,1 Milliarden und 26,3 Milliarden US-Dollar. Ein Ende des Wachstums ist bisher nicht abzusehen. Im Jahr 2019 hat der Markt eine Wachstumsrate von 17,5 Prozent zu verzeichnen.

Rechtliche Fragen zum Cloud Computing

Will ein Makler einen Cloud-Dienst nutzen, muss er jedoch einige rechtliche Fragen bedenken. Dazu haben wir mit dem Juristen und Datenschutzprofi Bartlomiej Zornik von der Kanzlei van Velzen gesprochen.

Redaktion: Herr Zornik, was ist die erste Frage, mit der Makler sich befassen sollten, wenn sie Cloud Computing nutzen wollen?

Bartlomiej Zornik: Ob der Provider sein Rechenzentrum in den USA oder in der EU hat. Wenn dieses in den USA steht, kann es komplex werden.

Redaktion: Inwiefern komplex?
cloud computing zornik
Bartlomiej Zornik, Kanzlei van Velzen

Bartlomiej Zornik: Nun, das liegt am US-amerikanischen Rechtssystem. Ursprünglich regelte der Safe-Harbor-Pakt den Datenschutz zwischen den USA und der EU, doch der ist seit 2015 Geschichte. Außerdem haben die USA den sogenannten Patriot Act. Dieser verpflichtet Cloud Provider simpel gesprochen dazu, Daten gegebenenfalls an die US-Behörden zu liefern. Für den Schutz von Kundendaten ist das eher nicht zuträglich.

Redaktion: Gibt es da nichts, was Makler tun können?

Bartlomiej Zornik: Sie könnten prüfen, ob der Cloud Provider sich dem US Privacy Shield verpflichtet hat. Dieser soll innerhalb der USA ein europäisches Datenschutzniveau gewährleisten. Allerdings bestehen Zweifel, dass das EU/US-Privacy Shield in den USA tatsächlich eingehalten wird.

Redaktion: Was gibt es bei deutschen Cloud Providern zu beachten?

Bartlomiej Zornik: Dazu müssen Makler folgendes wissen: Sie als Anwender bleiben stets für die Sicherheit ihrer Kundendaten gegenüber diesen verantwortlich. Daher ist es verpflichtend, einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag mit dem Provider für Cloud Computing abzuschließen. Zudem sollten Makler die Datenschutzerklärung gegenüber den Kunden ergänzen und das Verarbeitungsverzeichnis aktualisieren.

„Makler bleiben stets für die Sicherheit ihrer Kundendaten gegenüber diesen verantwortlich.“

Redaktion: Sind deutsche Provider denn sicherer?

Bartlomiej Zornik: Das kommt darauf an. Bei Cloud Providern ist in Sachen technischer Datenschutz zu prüfen, welche technischen Sicherheitsmaßnahmen sie ergreifen. Besondere Verschlüsselungstechniken für Daten und Zugänge sind vorteilhaft. Zum Beispiel VPN, Zwei-Faktor-Authentifizierung und kontinuierliches Monitoring der Server. Wie gesagt: Der Makler ist stets in der Kontrollpflicht gegenüber seinen Kunden, sodass derlei technische Maßnahmen kontrolliert werden sollten.

Redaktion: Haben Sie noch einen letzten Tipp für Makler?

Bartlomiej Zornik: Na klar. Es ist hilfreich, eine Akte für die Cloud-Nutzung anzulegen und dort sämtliche Unterlagen zu sammeln. Gegebenenfalls sogar ein Verzeichnis des Cloud Providers mit seiner Data-Gouvernance.

Zusammengefasst:

  • Die technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen sind auf hohem Niveau (VPN, Zwei-Faktor-Authentifizierung)
  • Der Provider hat sein Rechenzentrum in Deutschland/den Firmensitz in der EU
  • Er übermittelt keine Daten in das EU-Ausland oder insbesondere in die USA
  • Die Kunden haben eingewilligt, ihre Daten in der Cloud zu speichern
  • ADV zwischen Makler und Cloud Provider
Redaktion: Herr Zornik, vielen Dank für die interessanten Einblicke!

Makler, die interessiert an der Funktionsweise von Cloud Computing sind, werden auf unserem Blog fündig. Außerdem haben wir bereits zum Thema Nutzung des privaten Handys im Dienst mit Bartlomiej Zornik gesprochen.

Titelbild: © lassedesignen / Fotolia.com, Beitragsbild: © Bartlomiej Zornik

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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