Mittlerweile ist der offizielle Termin für das Inkrafttreten des IDD-Umsetzungsgesetzes nur noch knapp zwei Monate entfernt. Trotzdem ist immer noch nicht genau geregelt, was sich im kommenden Jahr für den Vermittler alles ändern wird. Das hängt von der neuen Versicherungsvermittlungsverordnung, kurz VersVermV, und den delegierten Rechtsakten auf EU-Ebene ab. Ein Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für die neue VersVermV liegt seit Ende Oktober vor. Ob und wie dieser noch überarbeitet wird, ist nicht genau abzuschätzen.

Bevor es dann im Februar so weit ist, haben wir die wichtigsten Fragen zu den Regelungen, die rund um die neue Richtlinie bereits feststehen, beantwortet.

Eine große Frage zuerst: Was ist mit dem Provisionsverbot?

Das Provisionsverbot wird mit der IDD nicht kommen. Auch, wenn dieses Thema heiß diskutiert worden ist, wird es den EU-Mitgliedstaaten freigestellt sein, darüber zu entscheiden. Deutschland hatte sich in den Verhandlungen für den Erhalt des Provisionssystems eingesetzt.

Werden Mischmodelle in der Vergütung weiter möglich sein?

Das Provisionssystem wird weiterhin Bestand haben. Eine Honorarvergütung durch den Kunden, sofern es sich nicht um Privatkunden handelt, ist einem Makler möglich. Auch eine Mischform ist unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Allerdings muss der Vermittler seinen Kunden vor Abschluss des Vertrags darüber informieren, in welcher Art er vergütet wird. Wie genau diese Information auszusehen hat, ist noch nicht klar. Vorstellbar wäre, dies bereits im Zusammenhang mit der Kunden-Erstinformation zu kommunizieren.

Wie sieht es mit dem Provisionsabgabeverbot aus?

Verboten ist die Weitergabe von Zuwendungen an Versicherungskunden. Dazu gehört auch die Provisionsabgabe.  Aber es gibt Ausnahmen: Zum Beispiel die sogenannte Bagatellgrenze von 15 Euro pro Jahr, Vertrag und Kunde. Das Verbot findet dann keine Anwendung, wenn die Zahlung an den Versicherungsnehmer zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrages verwendet wird.

Und in Sachen Vermögensschadenhaftplicht?

Die Mindestversicherungssumme je Schadensfall wird erhöht auf 1,25 Millionen Euro. Die Mindestversicherungssumme für alle Schadensfälle im Jahr bleibt unverändert. In der neuen VersVermV werden dazu weitere Informationen erwartet.

Und zum Thema Vertrieb ohne Beratung?

Auch im Fernabsatz, zum Beispiel bei Direktversicherern, besteht zukünftig die Pflicht zur Beratung des Kunden entsprechend der VVG-Beratungspflichten. Allerdings können Kunden bei Fernabsatz jetzt in Textform, also auch ohne Unterschrift, auf die Beratung verzichten. Auf diese Weise bietet sich doch eine Möglichkeit für beratungsfreien Vertrieb.

Gibt es jetzt die Fortbildungspflicht?

Das ist eine der wichtigsten Neuerungen. Statt wie bisher freiwillig über die Initiative „gut beraten“, sind Vermittler jetzt verpflichtet, sich jährlich in einem Umfang von 15 Stunden fortzubilden. Auch Mitarbeiter, die bislang nicht von der Brancheninitiative „gut beraten“ erfasst waren, können künftig als sogenannte „Vertreiber“ von der Weiterbildungspflicht betroffen sein. Wie das formal genau aussieht, ist noch unklar. Im Entwurf zum VersVermV ist sogar von Lernerfolgskontrollen die Rede.

Was sind Versicherungsanlageprodukte?

Dazu gehören alle Versicherungsprodukte mit einem Fälligkeits- oder Rückkaufswert, der in gewisser Weise Marktschwankungen ausgesetzt ist. Dies gilt unter anderem für fondsgebundene Versicherungspolicen. Rechtlich sind diese aber weiterhin Versicherungsprodukte und somit ist auch keine Zulassung nach § 34f GewO für ihren Vertrieb nötig. Allerdings muss der Vermittler eine Geeignetheitsprüfung durchführen.

„Der Berater muss nach Einführung der IDD den Kunden, so wie heute schon, nach dessen finanziellen Gegebenheiten, seinen Anlagezielen und seiner Risikoneigung befragen und daraus ableiten, welches Produkt hierfür geeignet ist. Der wesentliche Unterschied zur heutigen Vorgehensweise besteht darin, dass die Geeignetheitsprüfung gemäß IDD quasi eine “Formalisierung” des heutigen Beratungsgespräches ist.“ Dr. Claus Mischler, Generalbevollmächtigter der Gothaer Lebensversicherung AG

Interessenskonflikte und „Wohlverhaltensregeln“

Die Vermeidung von Interessenkonflikten ist ebenfalls ein Thema. Laut den Wohlverhaltensregeln darf das eigene Vergütungsinteresse nicht mit der bestmöglichen Beratung für den Kunden kollidieren. Aber Maklern dürfte dieser Grundsatz durchaus bekannt vorkommen, da er bereits heute den Anforderungen an ihr Berufsbild entspricht.

Natürlich bietet die Gothaer ihren Partnern auch entsprechenden Support für die Bewältigung der neuen Herausforderungen an. So wird es für die Geeignetheitsprüfung entsprechende technische Hilfsmittel geben. Außerdem sind E-Learning Angebote über unser Maklerportal geplant, mit denen sich Makler auf die IDD vorbereiten können.

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