„Bieten Sie Ihrem Kunden die Freiheit, das zu tun, was er bisher bei anderen begehrt. Geben Sie ihm selbst die Services auf seinem Smartphone, dann wird er auch keine andere Vollmacht unterschreiben.“, Lars Drückhammer, blau direkt

Bedrohen FinTechs den herkömmlichen Beratungsvertrieb? Lars Drückhammer, Kommanditist und Mitgründer des Maklerpools „blau direkt“, über Apps bei Versicherungen und Finanzdienstleistern, Digitalisierung von Verträgen, Datensicherheit und die Geheimnisse einer funktionierenden Ehe.

Herr Drückhammer, Sie sind begeisterter Langstreckenläufer. Wie schätzen Sie die Entwicklungen in Sachen FinTechs in der Versicherungsbranche ein – Kurzstrecke oder Marathon?

Lars Drückhammer: Staffellauf würde ich sagen. Die Technik bietet sensationelle Möglichkeiten, aber wir glauben, dass erst das Zusammenspiel mit dem Menschen das bestmögliche Ergebnis für den Kunden garantiert.

Nutzen Sie selbst bereits Apps im Bereich von Finanzdienstleistungen?

Lars Drückhammer: Ich lebe privat schon das On-Demand-Prinzip. Statt in meiner Kfz-Versicherung das ganze Jahr pauschal für sonstige Fahrer zu bezahlen, buche ich über eine App eine Tagespauschale, falls doch mal meine Tochter Papas Auto nutzen will. Das ist im Endeffekt viel billiger.

Viele Makler geraten durch die neuen FinTech-Angebote in die Defensive. Was setzen Sie dem Trend, dass Branchenfremde die Schnittstelle zum Kunden besetzen wollen, entgegen?

Lars Drückhammer: Unsere Makler haben 800.000 Kunden in den Systemen, während die FinTechs in Deutschland zusammen keine 100.000 zusammenbringen. Dazu haben unsere Partner eine deutlich weiter entwickelte Technik. Die Kunden warten nur auf diesen Service. Die Makler müssen bloß ins Handeln kommen.

Die meisten Kunden beschäftigen sich schon in der Papierform nicht gerne mit dem Thema Versicherungen. Wieso sollte das durch eine App anders werden?

Lars Drückhammer: Unsere Branche irrt sich in dieser Beziehung. Wir sind es gewohnt, dass wir den Kunden mit rhetorischen Raffinessen zum Bedarf führen müssen. Das ist aber nur so, weil wir den Bedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen. Die Wahrheit ist, dass der Kunde förmlich nach der Sicherheit eines guten Versicherungsprodukts bettelt, wenn ihm danach ist. Er tut dies bloß nicht gerade dann, wenn es dem Vermittler am besten passt, sondern exakt in dem Moment, in dem er den Bedarf empfindet. Wenn es den Klassenkameraden bei einem Unfall zerreißt, fragt sich jeder Familienvater, wie er selbst für seine Kinder vorsorgen könnte. Wäre der Makler in genau dieser Minute da, bräuchte er den Antrag nur noch entgegenzunehmen. Eine App kann genau das. Sie kann den Bedarf exakt in der Sekunde befriedigen, in der dieser empfunden wird.

Die eigenen Daten zu digitalisieren, erfordert erst einmal zusätzlichen Aufwand beim Kunden. Muss nun jeder Kunde seine Daten selbst einpflegen?

Lars Drückhammer: Wir digitalisieren seit 14 Jahren alle Vertragsdokumente und Daten der durch uns für Makler verwalteten Kunden. Lädt ein Kunde simplr(der Name der App, d. Red.), sind sämtliche Verträge und Dokumente sofort da. Bei einem neuen Kunden hat er diese nach ein paar Tagen.

Was hat der Kunde konkret davon?

Lars Drückhammer: Freiheit und Sicherheit. Er kann alles sehen und verwalten. Zu jeder Zeit an jedem Ort. Das umfasst Adress- und Bankänderungen, Schadenmeldungen, Vergleiche bestehender Verträge mit allen gängigen Markttarifen, Neuabschlüsse und vieles mehr.

Wie stehen Sie zum Problem der Maklervollmachten? Kunden, die zum Beispiel Knip oder Clark verwenden, machen doch letztlich nichts anderes, als ihren bisherigen Betreuer auszutauschen.

Lars Drückhammer: Wenn sich die Ehefrau mit dem Briefträger einlässt, ist es nicht hilfreich, die Schuld beim Briefträger zu suchen. Wenn man seine Frau behalten will, sollte man aufmerksam sein und ihre Wünsche erfüllen, dann braucht man sich vor dem Briefträger nicht zu fürchten. Auf unsere Situation bezogen heißt das: Bieten Sie Ihrem Kunden die Freiheit, das zu tun, was er bisher bei anderen begehrt. Geben Sie ihm selbst die Services auf seinem Smartphone, dann wird er auch keine andere Vollmacht unterschreiben.

Mit simplr gehen Sie bei blau direkt einen anderen Weg. Beschreiben Sie doch mal, was simplr anders und besser macht.

Lars Drückhammer: Die FinTech-Apps geben dem Kunden seine Verträge auf das Handy. That’s it. Wir bringen zusätzlich den Makler zum Kunden. Unaufdringlich, aufmerksam und immer dann, wenn der Kunde es wünscht. Seit drei Jahren digitalisieren wir unsere Makler zu diesem Zweck. Das zahlt sich nun aus.

Stichwort Datenschutz: Wer zum Beispiel seine Krankenversicherungsdaten online verwaltet, riskiert doch auch immer, dass Dritte sensible Informationen mitlesen. Welche Schutzmechanismen gibt es?

Lars Drückhammer: Technisch sind die Daten auf höchstem Niveau gesichert. Gefahr besteht nur durch den Nutzer selbst. Wenn Sie eine Banking-App haben und Ihr Handy rumliegen lassen, kann der Finder auch Ihre Kontenbewegungen sehen. Die Leute verzichten deswegen aber nicht auf die Banking-App. Sie passen lieber auf ihr Handy auf. Das mag leichtsinnig erscheinen, im Grunde ist das aber das Leben und nicht weiter tragisch. Kunden haben dafür ein feines Gespür und ignorieren die Warnungen von Bedenkenträgern. Warum auch nicht? Was hat sich denn gegenüber der analogen Welt geändert? Ist es nicht viel schlimmer, wenn Sie Ihren Wohnungs- oder Autoschlüssel verlieren?

Viele Kunden hatten aber bisher nicht nur den einen Vermittler, sondern einen Vertrag hier, zwei andere da. Welche Chancen ergeben sich durch eine App wie simplr für angeschlossene Makler?

Lars Drückhammer: Wenn der Kunde simplr erst nutzt, will er auch alle Verträge drin haben. Für den Makler ist es dann ganz leicht, alles einzusammeln.

 

Titelbild: © blau direkt GmbH & Co. KG

Gothaer Redaktion

Hier bloggt die News-Redaktion der Gothaer zu allgemeinen und speziellen Themen rund um die Beratung in Sachen Versicherung, Finanzen und Vorsorge. Wir wünschen eine spannende und frohe Lektüre!

Kontakt zur Redaktion

Alle Beiträge anzeigen

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Was Sie hier erwartet

Zu den Besten gehören Sie nicht ohne Grund. In unserer schnelllebigen und dynamischen Zeit entscheidet ein guter Informationsvorsprung über den nachhaltigen Erfolg in der Beratung.

Unser Maklerblog informiert aktuell und verlässlich über alle Themen, die Sie als unser Partner wissen müssen. Wir wünschen viel Freude und Erfolg!

Jetzt anmelden zur Leben Roadshow 2019!

betriebliche Lebensversicherung

Seid dabei! 29.04. bis 9.05. in München, Stuttgart, Hamburg, Berlin und Köln! Hier geht’s zur Anmeldung.

Auf ein Wort

… mit Ulrich Neumann.

Was bewegt die Branche? Welche Lösungen bietet die Gothaer ihren Vertriebspartnern?

Webinar zum Thema Grundfähigkeit

Ihr wollt mehr Informationen rund um das Thema Grundfähigkeiten? Dann meldet Euch unten für das aktuelle Webinar mit Andre Schröter an.

Zur Anmeldung

Gothaer Business TV

Berater Spezial: Gewerbeversicherung

Gewerbeversicherung

„Wir setzen in den kommenden Monaten alles daran, unsere Vertriebspartner mit den innovativen neuen Prozessen unserer Lösung vertraut zu machen und sie zu begeistern, gemeinsam mit uns in diese neue Welt des Gewerbegeschäftes zu gehen.

Finden Sie weitere interessante Details zu Zielgruppen, Cyber-Risiken und den Produkten und Lösungen der Gothaer in unserem Berater Spezial: Gewerbeversicherung.“

Ulrich Neumann
Leiter Partnervertriebe

DKM-Spezial

Das war sie, die DKM 2018. Vielen Dank für die tollen Gespräche und das Feedback.

Im DKM-Spezial finden Sie die Vorträge unserer Experten im Video.

Kontakt

Gothaer Allgemeine
Versicherung AG
Arnoldiplatz 1
50969 Köln
Tel. 0221 308-00
Fax 0221 308-103
E-Mail info@gothaer.de

Gothaer Makler-Portal

Sie wollen die Gothaer als Geschäftspartner wählen? Oder arbeiten bereits mit uns zusammen? Hier finden Sie alle Informationen rund um unsere Angebote. Und Services, die Ihnen die Arbeit erleichtern.

Zum Makler-Portal

Offizieller Förderer der Deutschen Makler Akademie