Die Schadensummen und -meldungen rund um die Flutkatastrophe Bernd wurden beinahe täglich angehoben. Inzwischen sind diese wohl weitgehend dokumentiert, die Wiederaufbauarbeiten noch in vollem Gange. Die Ereignisse sorgen – auch wortwörtlich – für ein nachhaltiges Umdenken in der Branche. Aber wie nimmt die Gothaer – als Nachbar der am stärksten betroffenen Region – die Lage aus persönlicher Sicht wahr? Und was bedeutet die Entwicklung versicherungstechnisch? Wir haben nachgefragt.

Wasser bis zum Hals

Bernd sei „die schlimmste Naturkatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg“. So beschreibt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer de GDV, die Flutkatastrophe aus dem Sommer 2021 gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bis zu 250 Liter Regen pro Quadratmeter fluteten in der Nacht vom 14. Juli ganze Regionen. Erdrutsche verschluckten Wohnhäuser, Fahrzeuge wurden von den Fluten mitgerissen und unzählige Sachschäden entstanden zuerst durch Wasser, dann Schlamm. Inzwischen steht fest: Rund sieben Milliarden Euro wird die Hochwasserkatastrophe in Süd- und Westdeutschland die deutschen Versicherer kosten. Ausbezahlt ist mit 1,5 Milliarden Euro erst gut ein Fünftel der Summe.

Für die betroffenen Anwohner dauert die Flutkatastrophe noch immer an, wie ein ein Beispiel der Tagesschau zeigt: Ein Sanitär- und Heizungsunternehmer aus Bad Neuenahr-Ahrweiler installiert mit seinem Team im Akkord neue Heizungen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor der Winter einbricht. Und das, während auch der Unternehmer – wie insgesamt rund 600 Betriebe der Region – selbst betroffen ist. Dennoch: Der Solidaritätsgedanke treibt an. So auch die Gothaer, als direkter „Nachbar“ der betroffenen Regionen.

Bis ins Mark erschüttert, aber keine Schockstarre

Florentin Bub
Florentin Bub, Chef vom Dienst (CvD) Newsroom Gothaer

So beschreibt Florentin Bub, Chef vom Dienst (CvD) im Newsroom der Gothaer, die erste Reaktion des Versicherers als große Betroffenheit. Mitgefühl war das vorherrschende Gefühl. „Man kann schon sagen: Wir waren bis ins Mark erschüttert, aber nie in Schockstarre“, erinnert er sich. Allen war sofort klar, dass hier eine echte Aufgabe vor der Gothaer liegt. Entsprechend wurden schnell entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Florentin Bub erzählt: „Wir haben sehr schnell eine bereichsübergreifende „Task Force Starkregen“ aufgestellt, die schnell gehandelt und Entscheidungen getroffen hat.“

Zu den Maßnahmen für eine schnelle Hilfe zählten auch ein vereinfachtes Meldeverfahren sowie umfassende Regulierungsvollmachten und mögliche Vorschusszahlungen. Sobald die Ausmaße der Katastrophe klar waren, bildete sich schon einTag später eine Task Force Starkregen unter Federführung des Bereichs Schaden. Viele unterschiedliche Bereiche waren hier beteiligt. Darunter beispielsweise Schaden, Vertrieb, Konzernorganisation, Personal sowie die Unternehmenskommunikation. Auch Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine, Oliver Schoeller, Konzernvorstand, und Oliver Brüß, Vertriebsvorstand, waren für wichtige Entscheidungen unerlässlich in die Entscheidungsprozesse eingebunden.

Nachhaltiges Umdenken

Das Sturmtief Bernd mag per se nur wenige Tage gedauert haben. Ereignis und Ausmaß haben aber zu einem wesentlichen Umdenken geführt, wie schon jetzt merklich ist. Und das auch in Bereichen über die Versicherungsindustrie hinaus. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen erzielte ihr bestes Ergebnis. Vor allem Jung- und Erstwähler bis 35 gaben ihre Stimmen. Wo die Politik selbst nicht ein- oder durchgreift werden Unternehmen aber auch selbst nachhaltig tätig. Moritz Lehmkuhl, CEO und Gründer von ClimatePartner bestätigt im Interview mit GothaerPersönlich, wie sehr sich Unternehmen für das Thema Nachhaltigkeit engagieren.

Auch Florentin Bub ist überzeugt, dass die Flutkatastrophe noch einmal eindringlich vor Augen geführt, dass Unternehmen hier eine echte Aufgabe haben. Auch Sie müssen mit ihrem Verhalten zu Nachhaltigkeit beitragen. In der Gothaer war das Thema Nachhaltigkeit schon vor Bernd Teil der Unternehmensstrategie. Das Nachhaltigkeitsmanagement der Gothaer – unter der Leitung von Svetlana Thaller-Honold – schaffte es in enger Zusammenarbeit mit ClimatePartner, bereits mehrere Standorte des Versicherers klimaneutral zu gestalten. Darunter die Hauptverwaltung in Köln sowie die Standorte Berlin und Göttingen.

Mit Empathie und Stolz in die Zukunft

Doch nicht nur aus unternehmerischer Sicht wird umgedacht. Auch der Kundenbedarf ändert sich gemeinsam mit dem Klima. Florentin Bub berichtet:

„Wie auch alle anderen Versicherer hatten selbstverständlich auch wir ein extrem hohes Schadenaufkommen. Darüber hinaus ist ein deutlich steigendes Interesse am Einschluss von Elementarschäden zu erkennen.“

Es zeichne sich ganz klar ab, dass das Ereignis die Kunden der Gothaer extrem sensibilisiert hat. Stichwort Sensibilität: Diese war auch im Einsatz der Schadenregulierer gefragt. Denn: Während ihrer Tätigkeit ging es nicht lediglich darum, Schäden zu regulieren. In einer solchen Ausnahmesituation war vor allem Verständnis gefragt. „Empathie und Zeit zum Zuhören waren besonders wichtig“, berichtete Schadenregulierer Klaus Schröter aus einem der betroffenen Gebiete. Ein Prozess, der nicht nur für die Opfer der Flutkatastrophe emotional an die Substanz ging.

Was die Gothaer hier nicht nur freut, sondern laut Florentin Bub auch mit Stolz erfüllt: „Wir bekommen aus dem Markt aber auch seitens Verbraucherschutzorganisationen gespiegelt, dass wir uns inmitten der Krise sehr emphatisch und menschlich im Umgang mit Vermittlern und Kunden gezeigt haben.“

Inzwischen liegt die Flutkatastrophe schon einige Monate zurück. Die Taktung der Task Force Starkregen ist dadurch inzwischen heruntergefahren. Dennoch bleibt sie bestehen: „Wir kommen immer noch einmal pro Woche zusammen und gehen die aktuellen Themen durch,“ sagt Florentin Bub. Jetzt stehe aber zum einen im Fokus die Vielzahl an Schäden schnellstmöglich abzuarbeiten und andererseits mit dem Gothaer Hilfsfonds in den Regionen zu einem nachhaltigen Wiederaufbau beizutragen. Langfristig wird angesichts der aktuellen Klimasituation wohl vor allem eine gute Absicherung wichtig sein.

Titelbild: © Jacob Lund/stock.adobe.com, Beitragsbild: © Florentin Bub

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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