Wir schreiben das Jahr 2009. Ein Kraftfahrer hat eine Lebensversicherung mit zusätzlicher Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Wie üblich bei der Vertragsabwicklung einer BU, musste auch er dabei Gesundheitsfragen beantworten. Der Kraftfahrer gab hierbei an, dass er sich in den letzten fünf Jahren nicht aus gesundheitlichen Gründen einer ärztlichen Untersuchung unterzog. Doch: Tatsächlich ließ er sich vier Jahre vorher radiologisch untersuchen. Die Behandlung hing mit einer früher erlittenen Lungenembolie zusammen. Im Jahr 2013 beantragte er schließlich Leistungen aus seiner BU-Versicherung. Der Grund: Eine erneute Lungenembolie.

Verletzte Anzeigepflicht: Kein Einzelfall

Der Versicherer lehnte die Leistung ab. Der Kunde hätte die radiologische Untersuchung verschwiegen, das Risiko seiner Lungenerkrankung wäre sonst bekannt gewesen. Der Vertrag wurde rückwirkend angepasst und eine auf Lungenembolien bezogene Ausschlussklausel aufgenommen. Ein Einzelfall ist das nicht: Laut einer Studie von Morgen & Morgen macht die Verletzung der Anzeigepflicht sogar 8,70 Prozent aller Ablehnungsgründe bei beantragter Leistung aus.

Nichts als die Wahrheit

Bei falscher Beantwortung der Gesundheitsfragen kann der Versicherer Anpassungen vornehmen. Oder sogar vom Vertrag zurücktreten. Und dennoch gibt es Punkte, die selbst bei nicht wahrheitsgemäßen Angaben für den Kunden sprechen. So auch in diesem Fall: Der Kraftfahrer zog vor den Bundesgerichtshof (BGH) und bekam dort das Recht auf die Versicherungsleistungen zugesprochen. Der Grund: Die Versicherung hätte ihm die möglichen Folgen einer unvollständigen Angabe von Vorerkrankungen nicht ausreichend verdeutlicht. Zwar war eine Überschrift über dem entsprechenden Text angebracht, doch sie unterschied sich nicht von allen anderen Überschriften. Laut BGH muss sich diese Belehrung „unübersehbar“ vom übrigen Text abheben. Der Versicherer habe damit die Aufklärungspflicht verletzt, entschied das Gericht.

„Wir übernehmen den Versicherungsschutz im Vertrauen darauf, dass Sie alle vor Vertragsabschluss in Textform gestellten Fragen wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet haben (vorvertragliche Anzeigepflicht). Das gilt insbesondere für die Fragen nach gegenwärtigen oder früheren Erkrankungen, gesundheitlichen Störungen und Beschwerden.“  Musterbedingung für die vorvertragliche Anzeigepflicht

So helfen Makler ihren Kunden

Die Studie von Morgen & Morgen und das Urteil des BGH verdeutlichen den Nachholbedarf, was die korrekte Information von Versicherungsnehmern angeht. Im schlimmsten Fall führt die nicht wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheitsfragen dazu, dass der Versicherer seinem Kunden Betrug unterstellt und die Leistung verweigert. Doch das darf er nur, wenn er den Kunden „durch eine gesonderte Mitteilung in Textform“ klar darauf aufmerksam macht. So steht es im Versicherungsvertragsgesetz. In diesem Paragraphendschungel ist der Makler als Helfer gefragt. Durch die professionelle Beratung und Hilfestellung schützt er seinen Kunden vor diesen Vertragsfallen. Außerdem erkennt er mögliche Schwachstellen im Vertrag und klärt seinen Kunden darüber auf.

Titelbild: © photoschmidt / fotolia.com

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