Die Versicherungsbranche wird digital. Viele Prozesse, manche Produkte und auch die Vertriebswege ändern sich. Die Insurtech-Szene hat sich seit dem letzten Jahr stark entwickelt: Damals 36, sind es in diesem Jahr 67 Unternehmen, die sich am Markt behaupten wollen. Auch die Gothaer denkt und handelt in diese Richtung und engagiert sich daher am Standort Köln für das InsurLab, das neuen Ideen im Versicherungsbereich eine Chance gibt. Die Redaktion hat mit Dr. Mathias Bühring-Uhle, im Vorstand zuständig für die IT, über das Engagement und die Digitalisierung und was sie für Makler bedeutet, gesprochen.

Köln ist nach München der zweitgrößte Standplatz für Versicherungen. Auch dort ist gerade ein Schwerpunkt „Insurtech“ im Digital Hub entstanden. Berlin wird als Digital Start-Up-Zentrum hoch gehandelt. Welche Chancen sehen Sie für Köln, sich hier zu behaupten?

Dr. Mathias Bühring-Uhle: Traditionell sind Köln und München die führenden Versicherungsstandorte Deutschlands; dies spiegelt sich auch in den Schwerpunkten der Digital Hubs wider. In Köln können wir die Gründung von einigen Inkubatoren und Acceleratoren mit dem Schwerpunkt InsurTechs und eine starke Gründerszene beobachten. Unterstützt wird dies durch eine starke Forschungsbasis mit der Universität und der Technischen Hochschule. Damit hat Köln gute Chancen, sich als nationaler und internationaler InsurTech-Standort zu etablieren.

Es sind zehn Versicherer am Projekt beteiligt. Die Ergebnisse aus dem InsurLab stehen also allen gleich zur Verfügung. Wie kann sich daraus ein Wettbewerbsvorteil entwickeln?

Dr. Bühring-Uhle: Die Herausforderung der Digitalisierung betrifft uns in der Versicherungsbranche gleichermaßen. Es ist sinnvoll, eine gewisse Grundlagenarbeit gemeinsam zu erledigen, um auf disruptive Veränderungen vor allem in der Kundenerwartung reagieren zu können. Die konkrete Implementierung und Anwendung von digitalen Prozessen, Produkten sowie Geschäftsmodellen liegt dann aber in der Hand der einzelnen Unternehmen und wird sicherlich zu individuellen Ansätzen und Ergebnissen führen.

Geht es bei der Digitalisierung nur um neue Prozesse oder auch um neue Produkte?

Dr. Bühring-Uhle: Wie ich es gerade schon erwähnt habe, geht es sowohl um Prozesse als auch um Produkte. Im Produktbereich stehen wir einerseits vor neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung bei unseren Kunden im Privat- und Gewerbebereich und den daraus entstehenden neuen Risiken. Andererseits spüren wir verstärkt veränderte Kundenbedürfnisse, die auch bei Versicherungen digitale Produkte erwarten.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Versicherungswirtschaft? Aktuell steht die Allianz schwer in der Kritik, weil sie Arbeitsplätze mit der Digitalisierung als Begründung streicht. Steht diese Entwicklung nicht allen Unternehmen bevor?

Dr. Bühring-Uhle: Die Versicherungsbranche steht vor vielfältigen Herausforderungen: Die allgemeine Wirtschaftslage mit der anhaltenden Niedrigzinsphase fällt hier schwer ins Gewicht. Aber auch der demographische Wandel und die sich verändernden Kundenbedürfnisse beeinflussen das Geschäft der Versicherungsunternehmen.

Man sollte aber zwischen Automatisierung und Digitalisierung trennen. Die Digitalisierung spielt gerade im Hinblick auf die sich verändernden Kundenbedürfnissen eine große Rolle, da sich neu gestellte Anforderungen nach digitalen, schlankeren und damit schnelleren Prozessen, digitaler Kommunikation und digitalen Produkten nur durch den Einsatz von Technologie realisieren lassen. Digitalisierung führt somit nicht zwangsläufig zum Stellenabbau. Der persönliche und direkte Kontakt ist weiterhin für viele unserer Kunden sehr wichtig und diesen werden wir auch weiterhin pflegen und sogar intensivieren. Gleichzeitig ermöglichen die technologischen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit auch eine weitergehende Automatisierung vieler Prozesse . Dass Versicherer technologische Fortschritte nutzen um im Sinne ihrer Kunden kosteneffizienter zu wirtschaften oder ein besseren Service zu bieten, ist kein neuer Trend und ist mit Digitalisierung nicht gleichzusetzen, sondern zieht sich durch die gesamte Historie der Versicherungswirtschaft.

Auch manche Makler fühlen sich durch die zunehmenden digitalen Modelle in ihrer Existenz bedroht. Gibt es etwas Beruhigendes, das Sie Ihren Vertriebspartnern mitgeben können?

Dr. Bühring-Uhle: Ja! Wie ich es gerade ausgeführt habe: der persönliche Kontakt wird immer noch von einem großen Teil unserer Kunden sehr wertgeschätzt und gefordert. Wir brauchen unsere Vertriebspartner für eine enge und vertrauliche Beziehung zum Kunden. Digitale Prozesse können die Arbeit der Makler erleichtern und Kundenkontakt über alle verfügbaren Kommunikationskanäle ermöglichen. Unser gemeinsames Ziel, die Kundenzufriedenheit zu steigern, sollte hierbei immer eine Rolle spielen. Meiner Meinung nach, sollte die Digitalisierung als Chance und Erweiterung der Möglichkeiten und des Serviceangebots gesehen werden und keinesfalls als negativer Störfaktor.

Dr. Bühring-Uhle, wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch!
Titelbild: (c) Gothaer

 

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