Anfang 2020 gründete die Gothaer den neuen Bereich „Nachhaltigkeitsmanagement“. Das Ziel des ersten Halbjahres: die Gothaer Hauptverwaltung in Köln-Zollstock CO2-neutral zu stellen. Der TÜV Nord hat es bestätigt: der erste Standort der Gothaer ist klimaneutral, die übrigen Standorte sollen folgen. Mit welchen Maßnahmen der Konzern das Ziel erreichte und wie auch weitere Standorte CO2 neutral werden sollen, beantwortet die Expertin Svetlana Thaller-Honold im Interview.

Redaktion: Seit der Gründung des Gothaer Nachhaltigkeitsmanagement im Januar 2020 hat sich einiges getan. Beispielsweise stand die Nachhaltigkeit zum 200. jährigen Jubiläum besonders im Fokus. Welche Ziele konnte das Nachhaltigkeitsmanagement seit dessen Bestehen umsetzen?

Svetlana Thaller-Honold: Den Bereich gibt es seit acht Monaten, seit April ist das Team, bestehend aus drei Mitarbeitern, komplett. Dazu zählt der Bereichsleiter Thomas Barann sowie neben mir noch meine Kollegin Lisa Janke. Obwohl wir ein junger Bereich und ein vergleichsweise kleines Team sind, konnten wir bereits drei Meilensteine umsetzten. Dazu zählen die Klimaneutralität des Hauptsitzes in Köln, der Beitritt zu den UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) sowie die Gründung der Gothaer Stiftung.

Redaktion: Und wie wird ein Unternehmen klimaneutral?

Svetlana Thaller-Honold: Das ist ein recht komplexer Prozess. Im ersten Schritt wird erfasst, woher die Emissionen stammen, also eine Klimabilanz erstellt und unser Corporate Carbon Footprint errechnet. Wir hielten uns hierzu an das Greenhouse Gas Protocol – ein anerkannter und sehr ambitionierter Standard. Beispielsweise werden hier auch die Emissionen der Lieferanten sowie das Pendlerverhalten der Arbeitnehmer berücksichtigt. Die Klimabilanz ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Verursacher der Emissionen zu erkennen, damit wir dann die richtigen Hebel anpacken, um Reduktionsmaßnahmen zu entwickeln. Die verbleibenden Emissionen kompensiert die Gothaer über Klimaschutzprojekte in Ländern des globalen Südens.

Der beratende Dienstleister für die Datenerfassung und die Auswahl geeigneter Klimaschutzprojekte ist Climate Partner. Durch den Ausgleich der unvermeidbaren Emissionen über Klimaschutzprojekte erreicht das Unternehmen die Klimaneutralität. Die Kompensation erfolgt in Höhe des Fußabdrucks (nach konservativem Sicherheitsaufschlag) – dies entspricht 19.690 Tonnen CO2. Klimaschutzprojekte leisten einen zusätzlichen Beitrag und ermöglichen die Erreichung der globalen Klimaziele sowie der UN Nachhaltigkeitsziele (SDGs*). Unser Ziel ist es aber, die CO2-Emissionen drastisch durch eigene Maßnahmen zu reduzieren.

Redaktion: Welche Maßnahmen wurden in diesem Zuge bereits umgesetzt?

Svetlana Thaller-Honold: Ein sehr großer Hebel, an dem wir angesetzt haben, war die Umstellung auf erneuerbare Energien für Energiezukäufe – ein Schritt, der einer gewissen Logik entspricht, schließlich ist die Gothaer als Versicherer in allen Segmenten der Erneuerbaren Energien vertreten – von Wind-, Solar- und Bioenergie über Geothermie und Wasserkraft bis hin zu Energie­speichern.

„Bei Windenergie-Anlagen ist die Gothaer der größte Ver­sicherer in Deutschland.”

Derzeit modernisieren wir unser eigenes Blockheizkraftwerk. Allein dadurch werde die CO2-Emmission des Unternehmens ab 2020 um voraussichtlich über 2.500 Tonnen reduziert. Und wir haben erkannt, dass vor allem der Pendlerverkehr, aber auch Dienstreisen, eine große Emissionsquelle darstellen. Das sehen wir als Auftrag, ein Mobilitätskonzept zu entwickeln mit Maßnahmen und Anreizen, die umweltfreundlichere Mobilität fördern. Corona und die Homeoffice-Phase spielen uns derzeit zwar in die Karten, das wird sich zukünftig jedoch wieder ändern.

Redaktion: Können Sie verraten, welche Anreize hier geplant sind?

Svetlana Thaller-Honold: In dem Mobilitätskonzept wollen wir ein ganzes Bündel an Maßnahmen erarbeiten, die ineinandergreifen müssen. Einige Maßnahmen existieren schon, die müssen wir vielleicht noch stärker bewerben. Mit dem Jobticket unterstützt die Gothaer zum Beispiel das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit dem Bikeleasing hat die Gothaer ein Leasing-Angebot geschaffen, mit dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für bis zu einem Drittel weniger Kosten als bei einem herkömmlichen Fahrradkauf ein Fahrrad beziehen können. Für Carsharing-Autos gibt es extra Parkplätze auf dem Campus in Köln, so dass die Autos dort einfach abgestellt werden können. Die Elektroladestellen können die Gothaer Mitarbeiter kostenfrei nutzen, um ihre Elektroautos aufzuladen.

Das Konzept sieht vor, dass die umweltfreundlichste zur bequemsten und naheliegendsten Variante gemacht wird. Dafür werden aktuell Regelungen, wie die Reisekostenordnung und auch die Dienstwagenrichtlinie, überarbeitet. Letztere sieht eine stärkere Förderung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen vor.

„Bisher galt die Regel, das kostengünstigste Verkehrsmittel zu nutzen. Nach der Überarbeitung der Reisekostenordnung soll stattdessen der Nachhaltigkeitsgedanke überwiegen.“

Über unsere Expertin

Die Nachhaltigkeitsexpertin hat über zehn Jahre Ministerien, Forschungseinrichtungen und Unternehmen darin beraten, Nachhaltigkeit in den eigenen Reihen umzusetzen. „Über die Befassung mit Nachhaltigkeitsthemen kommen auf einmal Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen und Ebenen miteinander in Kontakt, die sonst nichts oder kaum miteinander zu tun haben. Verbunden mit dieser sinnstiftenden Aufgabe birgt dies unglaubliche Chancen im Hinblick auf die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen.“

​Titelbild: © Gothaer

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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