“Kein Handwerk ohne Lehrzeit.” – Jean de la Bruyère

Diese kleine Weisheit des französischen Schriftstellers Jean de la Bruyére hält sich nun seit mehr als drei Jahrhunderten. Wer ein Handwerk ausüben will, kommt um Ausbildung und Spezialisierung nicht herum. Heute stellt das Handwerk eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft dar. Die Branche ist allerdings extrem divers, jeder Beruf braucht individuelle Absicherung. Welche Zielgruppen gibt es und was umtreibt sie?

Umsatzplus trotz Corona

Ein paar Zahlen vorweg. Insgesamt gibt es 553.600 Handwerksunternehmen in Deutschland. Das deutsche Handwerk hatte dem Statistischen Bundesamt zufolge im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von 3,8 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig gingen die Beschäftigtenzahlen um minus 0,4 Prozent zurück. Hierbei sind jedoch große Unterschiede zwischen verschiedenen Handwerksgruppen zu beobachten. Das Bauhauptgewerbe zum Beispiel erzielte eine Umsatzsteigerung von 14,2 Prozent, während das Handwerk für den privaten Bedarf, darunter etwa Friseure, einen Rückgang ihres Umsatzes in Höhe von minus 3,2 Prozent hinnehmen mussten.

5,2 Millionen Menschen im Handwerk

Und auch hinsichtlich der Beschäftigungszahlen entwickeln sich verschiedene Sparten des Handwerks mit teilweise deutlichen Unterschieden. Während das Gesundheitsgewerbe einen Anstieg der Beschäftigten um 1,0 Prozent durchmachte, gingen die Beschäftigten im gewerblichen Bedarf um minus 1,2 Prozent zurück. Das Handwerk für den privaten Bedarf trifft es hier am härtesten: Die Beschäftigtenzahl schrumpfte um minus 2,8 Prozent. 5,2 Millionen Menschen sind im Handwerk tätig, berichtet Destatis. „Der Gewerbemarkt ist sehr dynamisch und die Anforderungen an Unternehmer ändern sich ständig“, erklärt Ulrich Neumann, vorstand Gothaer Vertriebs-Service AG und Leiter Partnervertriebe, dazu. Für Vermittler bedeutet das: Sowohl Kundenansprache als auch Beratung und Angebote müssen hochflexibel und individuell sein.

Erfolgsfaktor Zielgruppenakquise

Sich mit verschiedenen Handwerksberufen auseinanderzusetzen, hat jedoch nicht nur den Vorteil, die Eigenheiten und den Bedarf der Zielgruppe zu kennen. Der Vermittler kann auch einen Schritt weiter gehen und die Spezialisierung auf eine Zielgruppe zu seinem Alleinstellungsmerkmal machen. Hierbei ist es wichtig, sich für eine Gruppe zu entscheiden und zu wissen, welche Kunden der Vermittler betreuen möchte. Danach gilt es, gruppenspezifische und ökonomische Merkmale herauszuarbeiten. Weitere Tipps dazu stellen wir auf unserem Blog zur Verfügung.

Bauhauptgewerbe

Unternehmen des Bauhauptgewerbes befassen sich mit Rohbebauungen im Hoch-, Tief- und Straßenbau. Dazu gehören zum Beispiel Maurer, Betonbauer, Zimmerer und Dachdecker. Die Arbeit mit großen Baumaschinen und schweren Materialien kann ein Risiko für die körperliche Unversehrtheit darstellen.

Ausbaugewerbe

Die Zahl der Betriebe im Ausbaugewerbe nimmt derzeit wieder zu. Zwischen 2018 und 2019 ist diese Destatis zufolge um 2,8 Prozent gewachsen. Wie der Name schon sagt, umfasst das Ausbaugewerbe sämtliche Berufe, die Ausbauleistungen ermöglichen. Darunter befinden sich etwa Maler, Lackierer, Tischler, Glaser und Elektrotechniker. Wichtig hierbei: Jeder dieser Berufe kommt wiederum mit eigenen Unterkategorien. Rainer Schamberger zufolge gibt es allein für den Oberbegriff Elektro sieben Ausbildungsmöglichkeiten und Fachrichtungen gibt. Der Elektrobetrieb, der Strommasten aufstellt, hat etwa gänzlich andere Schwerpunkte als der Anwendungselektriker, dessen Fachgebiet Software ist. Hier verfolgt Schamberger das Ziel, seine Kunden am Arbeitsmarkt schneller wachsen zu sehen als die Konkurrenz. Neben dem Versicherungsvertrag ist darum auch die Mitarbeiterbindung und -gewinnung in seinen Aufgaben inbegriffen. Weitere Details dazu beantwortet er im persönlichen Gespräch.

Handwerk für den gewerblichen Bedarf

Die Branche beherbergt viele Berufe, die anderen Gewerben „zuarbeiten“ und mit dem benötigten Equipment ausstatten. Darunter etwa Metallbauer, Landmaschinenmechaniker oder Drucker. Auch Galvaniseure und Gebäudereiniger sind dieser Sparte zuzuordnen.

Sonderfall Schornsteinfeger

Der Schornsteinfeger ist hierbei eine Art Hybrid, denn er kann sowohl im Betrieb als auch in Privathaushalten eingesetzt werden. Rainer Schamberger hat sich auf den Schornsteinfeger spezialisiert und gibt die Marktöffnung von 2013 als Herausforderung für die Branche an. In der Vergangenheit galt der Schornsteinfeger als rechtliche Besonderheit – Schamberger zufolge wird sich hier noch mehr tun, was den Vermittler als Begleiter umso wichtiger macht. Das Take-Away: Vermittler sollten über rechtliche Eigenheiten ihrer Zielgruppe genau Bescheid wissen und sich auf dem Laufenden halten.

Lebensmittelgewerbe

Zu den bekanntesten Betrieben des Lebensmittelgewerbes gehören Bäcker, Konditoren, Fleischer und Brauer. Diese Sparte blieb vom globalen Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal 2020 ebenfalls nicht verschont. Die deutschen Bäcker verloren 8,3 Prozent Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal. Bei den Konditoren waren es minus 27,5 Prozent, bei den Brauern und Mälzern minus 18,6 Prozent.

Winzer und das Klimaproblem

Das Lebensmittelgewerbe ist einerseits vom Absatz beim Kunden abhängig, andererseits vom Klima – und das viel mehr als andere Branchen. Sucht etwa eine Dürre das Land heim, kann es sein, dass die Ernte davon negativ beeinflusst wird. Im persönlichen Gespräch verriet uns der Winzer Georg Zang, dass Starkregen, Unwetter, Hagel und Trockenheit die größten Risiken für seinen Betrieb sind. Ähnlich sieht es bei den Forst- und Landwirten aus. Ihre Arbeit kann zudem Menschen verletzen und Gebäude in Mitleidenschaft ziehen – zum Beispiel, wenn ein abgeholzter Baum auf ein Gebäude stürzt.

Kettenglied Brauer

Im Lebensmittelgewerbe sind diverse Berufsgruppen verknüpft. Wenn das „erzeugende“ Gewerbe leidet, sind auch die verarbeitenden Gewerbe im Nachsehen. Zum Beispiel die Brauer. Die Jungbrauerin Anna Kaminski vom Staatlichen Hofbräuhaus München zeigt allerdings auch Verbrauchergefahren auf. Außerdem sind bestimmte Zielgruppen, wie die Brauer, von Groß-Events abhängig, um den Absatz anzutreiben. Das prominenteste Beispiel hierfür ist das Oktoberfest, dessen Wegfall in diesem Jahr viele kleinere Brauereien empfindlich treffen wird.

Zielgruppe Koch

Und auch Köche müssen hinsichtlich Verbrauchergefahren aufpassen. Wenn im Beruf nicht äußerste Sorgfalt herrscht und die gültigen Hygieneregeln nicht eingehalten werden, kann es sein, dass sich der Kunde den Magen verdirbt. Vor allem regionale und traditionelle Unternehmer brauchen besonderen Schutz für ihr Gewerbe. Weitere Informationen zur Zielgruppe Koch gibt es auf dem Maklerblog. Und welche Versicherungen brauchen Gastronomiebetriebe?

Brandgefährliche Bonbons

Bonbon-Hersteller wiederum brauchen ebenfalls Muskelmasse und Liebe zum Detail. Besonders wichtig ist das in den Bonbon-Manufakturen, wo die Hersteller regelmäßig mit zehn Kilogramm schweren Zuckermasseblöcken hantieren. Auch besteht eine gewisse Unfallgefahr, sobald heiße Bonbonmasse im Spiel ist.

Riesige Konkurrenz für Bäcker

Der Bäcker- und Konditormeister Andreas Schomaker aus Neukirchen-Vluyn sieht dagegen in der Bürokratie innerhalb der EU eine Gefahr für kleinere Unternehmen. Diese sei mitverantwortlich für den Mangel an jungem Nachwuchs. Außerdem vertreiben hohe Mieten immer mehr Handwerksbetriebe aus den Kerngebieten der Städte, während gleichzeitig große Ketten günstigere „Massenware“ anbieten und es den Bäckereien zusätzlich schwer machen.

Gesundheitsgewerbe

Das Gesundheitsgewerbe gilt als einer der Gewinner der Corona-Krise. Mit einem Zuwachs von 1,0 Prozent der Beschäftigten konnte die Sparte das größte Wachstum hinlegen. Bekannte Berufsgruppen des Gesundheitsgewerbes sind zum Beispiel Zahntechniker, Optiker oder Orthopäden. Die Pandemie ist jedoch nur einer von vielen „Baustellen“, mit denen das Handwerk im Gesundheitsgewerbe kämpft. Zahnlabore zum Beispiel stehen aufgrund „billiger“ Konkurrenz aus dem Ausland, etwa China oder Bulgarien, unter Druck. Für den Vermittler ist es darum auch Aufgabe, Aufklärung zu betreiben. Er muss seinen Kunden dabei helfen, den Mehrwert ihrer Leistung klar zu kommunizieren. Weitere Details zur Zielgruppenberatung für Zahnärzte und -labore finden Interessierte auf dem Maklerblog.

Handwerk für den privaten Bedarf

Auch hier ist der Name Programm: Betriebe in dieser Sparte stellen Güter her, die wir im Alltag nutzen und gebrauchen. Dazu gehören zum Beispiel Uhrmacher, Friseure und Goldschmiede. Die Umsatzzahlen zeigen im ersten Quartal 2020 einen Einbruch gegenüber dem Schlussquartal 2019, was mitunter an der Corona-Krise liegen kann. Uhrmacher (minus 37,9 Prozent) und Steinmetzen (minus 33,7 Prozent) verloren hier mit am meisten Umsatz. Am besten kamen die Textilreiniger weg, die einen Umsatzeinbruch von minus 14,5 Prozent zu verzeichnen hatten.

Zwischen Geige und Büchse

Berufsgruppen in dieser Gruppe brauchen oftmals ein kreatives Gespür, eine sichere Hand und Kraft. Viele der Unternehmen in dieser Sparte sind vergleichsweise klein und absolut von ihren Aufträgen abhängig. Dem Geigenbauer kann etwa ein falscher Griff eine Meistergeige zerstören. Problematisch daran: Instrumentenbauer sind häufig Einmann-Betriebe, der Wegfall von Erlösen wird sehr schnell existenzbedrohend. Ein Büchsenmacher dagegen muss kräftig genug sein, um Metall, Holz und Horn zu bearbeiten. Außerdem braucht er ein gutes Augenmaß und erstklassige Hand-Augen-Koordination. Der Uhrmacher wiederum benötigt eine gewisse innere Ruhe und noch ruhigere Hände. Er kann sowohl antike Uhren wieder zum Leben erwecken als auch hochpreisige Prestigeobjekte reparieren.

Auf dem Maklerblog finden Interessierte außerdem Informationen zur Berufsgruppe der Seifensieder. Und wie arbeitet eigentlich eine Dirndl-Schneiderin?

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Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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