Geht man nach den Zahlen der Beratungsfirma Oliver Wyman, gibt es in Deutschland mittlerweile mehr als 100 InsurTech und FinTech Unternehmen mit Berührungspunkten im Bereich Insurance. Mittlerweile hat sich die Herangehensweise der Startups an den Versicherungsmarkt geändert. Wollte die erste Welle, oft ohne tiefere Branchenkenntnis, noch insbesondere große Bestände aufbauen, rollt die zweite Welle bereits mit anderer Zielsetzung ein. Zudem verfügen InsurTechs heute über eine deutlich höhere Expertise. Oft „nisten“ sie sich gezielt in den Wertschöpfungsketten der Großen ein. Und bieten spezifische Services an. Auch voll digitale Versicherer tauchen zunehmend auf. Etwa im Bereich Krankenvollversicherung oder auch Komposit.

Aber wie positioniert sich die Gothaer als traditioneller Versicherer in Sachen InsurTech? Sieht sie Gefahren in den „jungen Wilden“? Was ist ihre Herangehensweise? Darüber haben wir mit Emanuel Issagholian gesprochen. Er ist Leiter des Bereichs Digitalisierung und Datenmanagement der Gothaer Finanzholding AG.

Redaktion: Geht es um das Verhältnis von InsurTechs und Versicherern, wird oftmals vom „Incumbents“ gegen „Challenger“ Ansatz gesprochen. Können Sie uns erklären, was genau damit gemeint ist?
Emanuel Issagholian
Emanuel Issagholian, Leiter Digitalisierung und Datenmanagement der Gothaer Finanzholding AG

Emanuel Issagholian: Die Versicherer als die traditionellen Finanzdienstleistungsunternehmen sind im Vergleich zu InsurTechs große, mitunter unflexible Organisationen, die von jungen, wendigeren Startup-Unternehmen herausgefordert werden. Dabei konzentrieren sich Startups oft auf einzelne Teile der Wertschöpfungskette, einige wenige auch auf die tatsächliche Eigenschaft als Risikoträger.

Durch den Markteintritt der InsurTechs sind die traditionellen Versicherer stärker herausgefordert, etablierte Arbeitsweisen und Kundenansprachen neu zu gestalten. Aber auch ohne InsurTechs wäre das notwendig, denn Kunden erwarten schnellere, flexiblere und persönlichere Prozesse – so, wie sie es von anderen Branchen bereits gewohnt sind. Etwa Telekommunikation oder Onlinehandel.

Redaktion: Ist für Sie Konkurrenz das bestimmende Motiv in dieser Beziehung?

Emanuel Issagholian: Nein, im Gegenteil. Zum einen setzen wir sehr stark auf Kooperation und Zusammenarbeit mit Startups. Zum anderen spornen uns diese Marktentwicklungen stärker dazu an, unsere Veränderungs- und Anpassungsfähigkeit weiterhin zu verbessern.

Redaktion: Die Kundenschnittstelle ist immer noch fest in der Hand der Versicherer. InsurTechs mit großen Beständen gibt es aktuell noch nicht. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Emanuel Issagholian: Das ist schwer zu sagen. Die Komplexität des Geschäftsmodells und der dahinterliegenden Prozesse sowie die hohen regulatorischen Anforderungen machen es für kleine Unternehmen nicht leicht einzusteigen. Es ist dennoch nicht unwahrscheinlich, dass sich künftig das eine oder andere InsurTech Startup an der Kundenschnittstelle etablieren kann.

Redaktion: Wo haben InsurTechs den Versicherern etwas voraus?

Emanuel Issagholian: Da gibt es eine Reihe von Dingen, die man aufführen könnte, wie Schnelligkeit, Flexibilität, agile Arbeitsweisen und damit einhergehend eine radikale Kundenorientierung. Zusätzlich verfügen sie häufig über eine modernere IT Infrastruktur. Trotzdem holen wir als Branche derzeit bei vielen Dingen, wie zum Beispiel Arbeitsweisen und Flexibilität, auf.

Redaktion: Wie bewerten Sie aktuell die Zusammenarbeit von Versicherern und InsurTechs? Gibt es hier Optimierungspotenzial?

Emanuel Issagholian: Besser werden kann man immer. Bei der Gothaer haben wir jedoch schon viele gute Erfahrungen gemacht. Meist ist es ein partnerschaftliches voneinander Lernen und Ergänzen – denn auch Versicherer sind InsurTechs in dem einen oder anderen Thema voraus.

Redaktion: Was sind aktuelle Projekte der Gothaer im Feld InsurTech-Kooperation? Was erhoffen Sie sich davon?

Emanuel Issagholian: Wir haben da schon einige Beispiele, die wir anführen können. Insbesondere im E-Health-Bereich profitieren unsere Kunden bereits von einer Reihe von Kooperationen in der Gesundheitsvorsorge, im betrieblichen Gesundheitsmanagement sowie in der Telemedizin. Als Risikoträger arbeiten wir zum Beispiel auch mit branchenfremden Startups wie Mami Poppins oder MySchleppApp zusammen.

Durch die Kooperationen mit Startups erhoffen wir uns verschiedene Dinge: Zum einen möchten wir Kunden und Vertriebspartnern Lösungen und Services zur Verfügung stellen, die wir alleine nur schwer bieten könnten. Außerdem haben sich bisher aus allen Kooperationsprojekten positive Impulse in Richtung agilerer Arbeitsweisen ergeben.

Redaktion: Herr Issagholian, vielen Dank für den umfassenden Einblick!
Titelbild: © grandfailure/fotolia.com; Beitragsbild: © Gothaer Digital GmbH

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