Depression ist ein Hauptdiskussionsthema in diesem Sommer. Nicht zuletzt aus aktuellem und traurigem Anlass outen sich viele Prominente und berichten von ihrem Kampf mit der Krankheit. Erkrankungen der Nerven, zu denen auch die der Psyche gehören, stehen als Auslöser für Berufsunfähigkeit inzwischen an erster Stelle.  Guido Lehberg hat sich als “der BU-Profi” (www.der-buprofi.de) einerseits auf die Beratung von Kunden zum Thema Berufsunfähigkeit und Einkommensabsicherung spezialisiert, schult aber auch seine Makler-Kollegen zu diesem komplexen Thema. Die Redaktion hat mit dem BU-Experten über Depressionen in der Berufsunfähigkeitsversicherung gesprochen.

Herr Lehberg, die Depression ist auf dem Weg, die Volkskrankheit Nummer 1 zu werden. Kann ich, wenn ich schon einmal an Depressionen erkrankt war, überhaupt noch eine BU-Absicherung bekommen? Und was muss der Vermittler beachten?

Guido Lehberg: Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Anders als bei physischen Erkrankungen ist die Diagnose bei Depression und natürlich auch die Gesundung nicht so leicht zu beweisen. Zwei Beispiele aus meiner Beratungspraxis: Eine Kundin von mir war vor zwei Jahren ein halbes Jahr krank geschrieben, aus psychischen Gründen. Ursache war massives Mobbing durch ihren damaligen Chef, der sie 24 Stunden am Tag anrief, wegen jeder Kleinigkeit, und sie auch sonst stark beanspruchte. Inzwischen hat sie eine neue Stelle, alles läuft gut. Sie wurde ohne eine einzige Ausschlussklausel angenommen.

Ein anderer Kunde dagegen bekam die BU nur unter Ausschluss aller psychischen Krankheiten. Er hatte vor fünf Jahren unter massiven Angststörungen gelitten. Allerdings wurde er auch in den nächsten Jahren immer wieder aus psychischen Gründen krank geschrieben. Wenn eine psychische Störung medikamentös behandelt werden muss, also schwerwiegender ist, ist eine Annahme (auch mit Ausschluss) in der Regel aber immer schwierig.

Trotzdem würde ich immer versuchen, für meinen Kunden eine BU-Versicherung zu bekommen. Und bei der Voranfrage gut aufpassen, denn es gibt große Unterschiede in der Annahmepraxis der einzelnen Versicherer.

Psychische Erkrankungen stehen als Auslöser der Berufsunfähigkeit  inzwischen an erster  Stelle. Was bedeutet das für die Auswahl des Tarifs?

Guido Lehberg: Alle BU-Tarife enthalten inzwischen psychische Erkrankungen beziehungsweise Depression als Auslöser, außer einer neuen digitalen Versicherung. Auch einige Grundfähigkeitsversicherungen werben mittlerweile mit Leistungen bei psychischen Erkrankungen. Doch hier gibt es einen fundamentalen Unterschied in der Definition der Krankheit. Bei der Grundfähigkeitenversicherung gilt eine solche Erkrankung jedoch erst dann als Auslöser, wenn ich als Versicherter schwere Depressionen habe (diese sind medizinisch klar definiert). Bei manchen Tarifen sogar erst dann, wenn ich meine Grundfähigkkeit zur Selbstbestimmung verloren habe, also quasi deliktunfähig bin und durch einen Vormund vertreten werden muss. Der “Baustein Psyche” bedeutet hier eine depressive Phase von mindestens zwölf Monaten. In der BU ist die Art der psychischen Erkrankung irrelevant. Hier geht es ausschließlich darum, dass durch das Leiden die Berufsfähigkeit über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 Prozent verloren geht.

Psychische Erkrankungen gelten als eine der grundlegenden Ursachen für Altersarmut. Wie wichtig ist dieses Thema in Ihrer Beratung?

Guido Lehberg: Das Thema ist fundamental wichtig! Bei vielen Krankheiten und Symptomen verläuft die Berufsunfähigkeit temporär. Ist nach einigen Jahren die Heilung erfolgt kann im alten Beruf weiter gearbeitet werden. Oft ohne Einschränkungen. Das gilt sogar für Krebserkrankungen, wenn diese ohne große körperliche Schäden therapiert wurden (zum Beispiel ist dies bei Hoden- oder Brustkrebs sehr häufig der Fall.)

Bei psychischen Erkrankungen ist eine vollständige Heilung selten bis gar nicht möglich. Die Rückfallquote ist sehr hoch, wenn sich alte Muster wieder einstellen. War der Stress auf der Arbeit (mit) ursächlich für die Erkrankung, würde eine weitere Beschäftigung wie früher häufig auch wieder zum Rückfall der Erkrankung führen. Ein bekanntes Beispiel ist der Alkoholismus: jemand, der Alkoholiker gewesen ist, wird nie richtig geheilt sein. Er kann trocken sein, ja. Aber das Rückfallrisiko begleitet ihn ein Leben lang.

Je länger die Berufsunfähigkeit andauert, desto höher sind dann auch die Einschnitte in der gesetzlichen Rente. Fällt jemand mit Durchschnittseinkommen  – ich unterstelle einmal 40 Arbeitsjahre – durch eine Berufsunfähigkeit 10 Jahre aus, so fehlen ihm schon circa 300 Euro Bruttorente. Bei 20 Jahren das doppelte! Das kann sehr problematisch werden.

Aber es muss ja nicht immer nur der schlimmste Fall (gar nicht mehr arbeiten zu können) eintreten. Dazu habe ich aktuell einen Fall: Ein Kunde von mir, OP-Pfleger, war aufgrund psychischer Erkrankung 9 Monate vollständig berufsunfähig. Nun geht er wieder in seiner alten Tätigkeit arbeiten. Aufgrund der Erkrankung muss er aber auf Schicht- und Bereitschaftsdienst verzichten. Dies bedingt nicht nur heute finanzielle Einschnitte, es reduziert auch die Altersrente, je nach übrigen Arbeitsjahren, deutlich.

Wie kann ich meinen Kunden begleiten, wenn tatsächlich der BU-Leistungsfall eintritt? Was raten Sie Ihren Kollegen?

Guido Lehberg: Es gilt: Niemals als Makler einen Fall selber begleiten. Hier benötigt man einen Fachmann, einen sogenannten Leistungsfall-Begleiter, einen Versicherungsberater. Die Grenze zur Rechtsberatung ist schnell überschritten und die Zulassung des Maklers hört dort auf. Da muss man aufpassen.

Herr Lehberg, wir bedanken uns für das interessante Gespräch!
Titelbild: (c) BU-Profi

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