Vielen Gewerbetreibenden fällt es im ersten Moment nicht auf, dass sie unterversichert sind. Wie auch? Solange kein Schaden passiert, gibt es ja keine Probleme. Doch im Schadensfall bedeutet es vor allem eines: Abzüge. Und die können ganz schön weh tun. Das größte Problem: Unterversicherungen bei Sachverträgen wie Feuer oder Einbruch und zu niedrige Deckungssummen in der Haftpflicht.

Der für den Gewerbebetrieb passende Versicherungsschutz hängt vor allem von einer individuellen Komponente ab: Dem wahrscheinlichen Höchstschaden, kurz PML (probable maximum loss). Aber wie ermitteln ihn Makler und warum sind so viele Unternehmen unterversichert? Die Redaktion hat mit Gregor Kleinen, Leiter Produktmanagement, Chiefunderwriting Sachversicherung, darüber gesprochen.

Herr Kleinen, wie kann es passieren, dass Unternehmen nicht ausreichend versichert sind?

Gregor Kleinen: Da gibt es einige Möglichkeiten: Auf der einen Seite die nicht vollständige Erfassung der technischen und kaufmännischen Betriebseinrichtung oder der Vorräte. Des Weiteren die Erfassung mit einem falschen Wert. In der gewerblichen Sachversicherung wird üblicherweise der Neuwert versichert. Dann muss natürlich auch dieser bei der Festsetzung der Versicherungssumme vereinbart werden und nicht der Zeitwert oder der Wert, mit dem die Sachen noch steuerlich im Anlagevermögen erfasst sind.

Was sind die häufigsten Versicherungslücken bei Gewerbekunden? Wie lässt sich hier einer möglichen Unterversicherung vorbeugen?

Gregor Kleinen: Neben den eben genannten Beispielen wird häufig unterlassen, den Versicherer über Investitionen oder Reinvestitionen, die einen höheren Wert als die ausgemusterten Sachen haben, zu informieren. Hier sind vertragliche Vereinbarungen möglich, zum Beispiel eine Vorsorgeversicherung, die diese Unterlassung zumindest vorübergehend zuläßt. Eine Information des Versicherers kann dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Nicht bedacht wird häufig auch, dass sich der einmal festgesetzte Neuwert von Sachen beispielsweise durch Preissteigerungen ändern kann. Auch hier gibt es einfache vertragliche Vereinbarungen, die eine Wertfortschreibung sicherstellen.

Wie wird der Höchstschaden (PML) bei Gewerbeversicherungen ermittelt? Gibt es eine Art Leitfaden, an die sich Vermittler halten müssen?

Gregor Kleinen: In der gewerblichen Sachversicherung ist in den meisten Fällen keine PML-Ermittlung notwendig. Lediglich bei größeren Risiken im Bereich von mehreren Millionen Euro Versicherungssumme wird dies praktiziert und dann durch den Feuer-Underwriter durchgeführt. Für die Ermittlung des wahrscheinlichen Höchstschaden PML ist der Feuer-Underwriter verantwortlich. Der PML bildet unter anderem die interne Grundlage zur Gestaltung der Rückversicherung.

Wie oft holen Vermittler den neuesten Stand vom Kunden ein? Ist eine jährliche Risikoprüfung gemeinsam mit dem Kunden sinnvoll, um eine Unterversicherung zu vermeiden?

Gregor Kleinen: Wünschenswert ist natürlich mindestens einmal im Jahr ein Gespräch mit dem Kunden zu führen. Spätestens dann kommen eventuell vergessene Sachverhalte zur Sprache.

Herr Kleinen, vielen Dank für diese Informationen.
Titelbild: (c) Gothaer

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