Auch in diesem Jahr treten Azubis Anfang September deutschlandweit ihre Ausbildungsplätze an. Und das durchaus zahlreich. Dem statistischen Bundesamt zufolge wurden im Ausbildungsjahr 2019 genau 513.300 neue Azubi-Verträge geschlossen. Die Neuabschlüsse verteilten sich auf 325.900 Männer (-1,1 Prozent gegenüber 2018) und 187.400 Frauen (-2,5 Prozent). Eine durchaus große Zielgruppe, die laut Rainer Schamberger, Vermittler-Experte für das Handwerk, oft ihren Versicherungsbedarf nicht kennen. Im Interview verrät er, worauf es ankommt und wie die Ansprache gelingt.

Redaktion: Herr Schamberger, eine grundlegende Frage vorab: Sind Sie eher ein Fan der Grundfähigkeitenversicherung oder der Berufsunfähigkeitsversicherung? 

Rainer Schamberger: In erster Linie bin ich Fan davon, das Optimum zu versichern. Egal, ob es sich um Handwerker oder Büroangestellte handelt, ist das die Berufsunfähigkeit. Daher versuche ich im ersten Schritt auch immer diese anzubieten. Wenn es beispielsweise beim Fliesenleger in Tarife von 200 Euro monatlich für 1.000 Euro Absicherung kommt, biete ich die Grundfähigkeitenversicherung aber selbstverständlich als Lösung an. Meine klare Meinung ist allerdings, dass sie keine richtige Alternative darstellt. Die BU leistet in vielerlei Bereichen einfach mehr.

Redaktion: Stichwort BU/Grundfähigkeiten. Gerade in handwerklichen Berufen durch das hohe Risiko einer körperlichen Verletzung unumgänglich. Allerdings auch kostspielig. Inwieweit schreckt das Ihrer Meinung nach – gerade Azubis – von einem Versicherungsschutz ab?

Rainer Schamberger: Der Beitrag ist durchaus ein nicht ganz irrelevantes Thema. Meine Erfahrung ist aber, dass sich Azubis oftmals gar nicht mit dem Thema beschäftigen. Den Termin um über eine BU oder Einkommensabsicherung zu sprechen, vereinbaren eher die Eltern. Vorbildlicherweise, wenn das Kind noch in der Schule ist. Falls nicht, werden sie in der Ausbildung durch den Betrieb darauf gestoßen. Natürlich schrecken dann oft die hohen Beiträge ab. Für eine reine Risikoversicherung mehr zu tun als manche Leute für die Altersvorsorge, ist eine Diskrepanz, bei der man andere Wege gehen muss. Hier kommt wieder die Grundfähigkeitenversicherung ins Spiel. Beispielsweise gekoppelt mit einer Unfallversicherung und Krankentagegeld. Auch muss eine saubere Einkommensberatung durchgeführt werden.

Redaktion: Welche Lösung bietet sich hier für Azubis mit geringem Gehalt?

Rainer Schamberger: Es gibt Versicherer, die beispielsweise reduzierte Anfangsbeiträge mit einem späteren „Sprung“ bieten. Davon bin ich kein Freund, da der Kunde auf lange Sicht immer draufzahlt. Aber manchmal geht es nicht anders. Darüber klären wir sehr sachlich auf und überlassen jedem selbst die Entscheidung. Auch über alle Möglichkeiten wie beispielsweise Kombinationsverträge aus Unfall- und Pflegeschutz. Eine „Startversicherung“ ist natürlich besser als gar keine Absicherung.

„Unser Konzept ist es, dem Kunden alles zu erläutern und ihn damit entscheidungsfähig zu machen. Dafür muss er die Leistung verstehen.“

Redaktion: Gibt es denn das eine ideale Azubi-Versicherungspaket?

Rainer Schamberger: Der Standard zu Beginn: Eine BU, ein bisschen Altersvorsorge und eine Privathaftpflicht. Schon alleine aus Gehaltsgründen. Damit ist man schon gut aufgestellt. Der Schlüssel liegt aber immer im individuellen Gespräch. Hier gilt es abzuklären: Wo will er hin? Was hat er vor? Wenn er sich in zwei Jahren ein Auto kaufen will, ist es eventuell erst mal sinnvoller zu sparen, anstatt alles in Versicherungen zu investieren. Ein Patentrezept gibt es nicht.

Redaktion: Mit welcher Strategie treten Sie an die Zielgruppe heran? 

Rainer Schamberger: Die grundlegende Strategie: Aufklärung leisten und Informationen vermitteln. Bei den meisten jungen Leuten scheitert es an scheinbar fehlendem Bedarf. Versicherungen sind zudem mit Vorurteilen behaftet. Welche Rolle der Makler hat, welche Versicherungen wichtig und welche notwendig sind, muss erst vermittelt werden. Dann passiert auch vieles aus eigenem Antrieb. Wir geben ab da quasi nur noch die richtige Hilfestellung zu einem vernünftigen Preis- Leistungsverhältnis.

Redaktion: Sprechen wir über die Betriebe. Wie können Vermittler diese unterstützen, wenn sie trotz Corona einen Azubi ausbilden? Gerade, wenn sie finanziell nicht die bisherigen Mittel haben?

Rainer Schamberger: Selbstverständlich kann der Vermittler Unternehmen beraten und beispielsweise anregen, steuerfreie Lohnbestandteile einzubauen. Das kann auch eine bAV oder bKV sein. Auch die Knappschaft kann als Krankenkasse in Betracht gezogen werden. Das finde ich persönlich sehr interessant. Die Umlage U3 Beträge sind dadurch recht gering. Dadurch spart das Unternehmen Lohnnebenkosten und hat mehr finanzielle Mittel, um vielleicht eine bKV für den Azubi abzuschließen. Über ein intelligentes Lohnsystem gibt es hier viele Lösungen. Ich versuche in derartigen Beratungen über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Redaktion: Wie waren Sie selbst als Azubi, in Ihrem Fall in der Bank, abgesichert? Und wie sind sie auf die notwendigen Versichrungen seinerzeit aufmerksam geworden? 

Rainer Schamberger: Die Aufmerksamkeit kam über das Gespräch mit anderen Mitarbeitern.

„Auf kollegiale Empfehlungen zur Absicherung sollte man sich im Handwerk übrigens nicht verlassen. Hier sind ältere Kollegen eher Negativbeispiele was den Versicherungsschutz betrifft. Es gibt ein oft sehr kleingeistiges Denken gegenüber Versicherern.“

Da ich selbst noch daheim gewohnt habe, brauchte ich derzeit noch nicht viel Versicherung. Das Ausbildungsgehalt war zudem relativ schlecht, weshalb ich zunächst gespart habe. Ich war fasziniert davon, ein Depot zu besitzen. Im Anschluss an die drei Ausbildungsjahre hab ich noch die Weiterbildung zum Versicherungskaufmann gemacht. Dort wurde ich dann sehr viel besser abgesichert. Das Thema an sich habe ich erst in dieser Ausbildung gelernt.

„Ich habe mich intensiv mit meinen Möglichkeiten auseinandergesetzt und war zeitweise gegen alles versichert – da hat man es ein bisschen zu gut mit mir gemeint.“

Später hat sich diese Überversicherung dann wieder relativiert. Letztendlich habe ich das, wovon ich überzeugt war, für meinen Bedarf angepasst. Es gibt im Versicherungsbereich durchaus sinnfreie Versicherungen. Die sinnvollen hab ich aber noch heute selbstverständlich selbst.

Titelbild: © Rainer Schamberger mit Doreen Gossert, Auxilia Rechtsschutz

Über unseren Experten

Rainer Schamberger gründete sein Unternehmen bereits 2009. Der Dresdner ist nicht nur Versicherungsexperte im Bereich Handwerk, sondern auch Jungmakler Teilnehmer 2018. Er schaffte es bis auf das Treppchen und gewann den zweiten Platz.

 

Titelbild: © Rainer Schamberger

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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