Arbeitsintensiver Datenschutz: Rund 1,5 Millionen Stunden investierten Makler laut Hochrechnungen des AfW-Vermittlerbarometers in die Umsetzung der DSGVO Vorschriften. Aber damit nicht genug. Denn mit der ePrivacy-Verordnung lauert gleich das nächste Bürokratie-Ungeheuer auf Unternehmen. Eigentlich sollte die Verordnung zeitgleich mit der DSGVO kommen, hat sich aber verzögert. Jetzt ist es höchste Zeit für Vermittler, sich mit ihr zu befassen. Was bewirkt sie? Und wie kann ich mich vorbereiten? Darüber haben wir mit dem Juristen und Datenschutz-Experten Bartlomiej Zornik gesprochen.

Redaktion: Herr Zornik, nach der DSGVO kommt in absehbarer Zukunft die ePrivacy-Verordnung. Welche Änderungen könnte diese nach aktuellem Stand für online Marketer und Kleinunternehmer mit Websites bringen?
Jurist Bartlomiej Zornik, Kanzlei van Velzen
Jurist Bartlomiej Zornik, Kanzlei van Velzen

Bartlomiej Zornik: Die ePrivacy-Verordnung betrifft gleich mehrere relevante Bereiche und ergänzt die DSGVO dahingehend. Zum einen werden Anbieter verpflichtet, die gespeicherten Daten nach dem Stand der Technik zu sichern. Es wird damit eine offene und fortschrittsorientierte Formulierung gewählt, welche vermutlich viel Interpretations- und Argumentationsspielraum lässt. Weiter wird das Thema Tracking durch Programme eingegrenzt. Eine App, die ich beispielsweise auf dem Smartphone habe, soll ohne mein Wissen keine Bewegungsprofile erstellen können.

Redaktion: Können sich Maklerunternehmen auch jetzt schon auf die bevorstehenden Gesetzesänderungen vorbereiten? Und wenn ja, wie?

Bartlomiej Zornik: Es kommt wieder etwas Fleißarbeit mit der ePrivacy auf die Unternehmen zu. Zum einen wird die digitale Kommunikation, aus datenschutzrechtlicher Sicht, verschärft, sodass Unternehmen sich spätestens bis Inkrafttreten der Verordnung zu Themen wie WhatsApp, Facebook & Co. schlau machen sollten. Zum anderen sollten jetzt, sofern noch nicht geschehen, die Datenschutzerklärungen der Website und der in Verwendung stehenden Verträge aktualisiert werden.

Redaktion: Wird das Thema genauso dramatisch und zeitaufwendig wie die DSGVO?

Bartlomiej Zornik: Die ePrivacy-Verordnung schließt größtenteils Lücken in der DSGVO und befasst sich mit der Transparenz und Sicherheit von digitalen Kommunikationsmitteln. Daher müssen Unternehmen bezüglich Messengerdiensten möglicherweise etwas Arbeit investieren, sowie aufgrund der „Stand der Technik“-Klausel etwas an Software oder Hardware einkaufen. Unternehmen, welche die DSGVO ernst genommen haben und diese einhalten, werden durch die ePrivacy vermutlich keine große Überraschung erwarten müssen.

Redaktion: Noch lässt die ePrivacy Verordnung auf sich warten. Frühestens Mitte 2019 wird sie in Kraft treten, prognostizieren manche Experten. Halten Sie die Einschätzung für realistisch?

Bartlomiej Zornik: Ich denke wir können mit dem Inkrafttreten noch bis Frühjahr 2020 rechnen, zumal demnächst die Europawahlen stattfinden und anschließend vermutlich Mitte 2019 Verhandlungen stattfinden werden.

Redaktion: Vielen Dank für die Einblicke, Herr Zornik!

Bartlomiej Zornik: Sehr gerne, jederzeit wieder!

Titelbild: ©ra2 studio/fotolia.com ; Beitragsbild: ©Bartlomiej Zornik

Vanessa Reuss

Nach dem Germanistikstudium hat es die gebürtige Unterfränkin ins schöne München verschlagen, wo sie in ihrer Freizeit meist in den Bergen, bei ihrem Pferd oder in einem guten Restaurant zu finden ist. In der Welt der Medien und Kommunikation zu Hause, kümmert sie sich in der NewFinance-Redaktion um alle PR- und Marketingprojekte.

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