„Für fast jedes Investitionsprojekt gibt es ein passendes Förderprogramm“, weiß Kai Schimmelfeder, Fördermittel-Experte und Geschäftsführer von feder consulting. Für Vermittler ist es jedoch kein Leichtes, das passende Angebot herauszufinden. 5.100 Fördermittel sind auf regionaler, nationaler und EU-Ebene aufgelistet. Um hieraus die bestmögliche Förderung zu erhalten, unterstützt der Experte. Wie das genau aussieht und an welchen Stellen sich Vermittler über- oder eine mögliche Förderung unterschätzen, berichtet Kai Schimmelfeder im Interview.

Redaktion: Herr Schimmelfeder, welche Unternehmen unterstützen Sie in der Fördermittelberatung und Finanzierung?

Kai Schimmelfeder: Aus Sicht der Fördermittelpolitik sind die meisten Unternehmen in irgendeiner Art und Weise förderfähig. Ob Soloselbstständiger, kleines Unternehmen (bis 49 Mitarbeiter), mittleres Unternehmen (bis 249 Mitarbeiter) oder großes Unternehmen – unsere Fördermittelberatung ist auf die Investition und das damit verbundene Projekt fokussiert.

Redaktion: Was sind die Optionen einer Förderung?

Kai Schimmelfeder: Das Projekt und das Unternehmen müssen förderfähig sein, damit wir die Fördermittelberatung umsetzen können. Wir prüfen vorab beides, bevor wir in die Umsetzung gehen. Wir haben in unserer Datenbank über 5.100 Fördermittel aufgelistet, die es auf regionaler, nationaler und EU-Ebene gibt. Da ist für fast jedes Investitionsprojekt ein passendes Förderprogramm dabei. Die Schwerpunkte kann man aber unter den Begriffen Gründung und Startup, Innovation, Digitalisierung, Forschung, Investitionen, Unternehmensnachfolge, künstliche Intelligenz und Energie zusammenfassen. Hier gibt es beispielsweise Zuschüsse, Eigenkapitalergänzung und Eigenkapitalersatz, Förderkredite, Haftungsfreistellung, Co-Finanzierung mit tilgungsfreien Jahren, Innovationsförderung, Beteiligungsförderung und freies Beteiligungskapital.

Redaktion: Und wie unterstützen Sie Ihre Kunden konkret?

Kai Schimmelfeder: Idealerweise melden sich die Kunden mit ihren geplanten Vorhaben möglichst frühzeitig bei uns. Gemeinsam schauen wir uns das geplante Projekt an und ermitteln die Fördermöglichkeiten. Dazu gehört es auch, das Projekt gegebenenfalls anzupassen, damit die Fördermöglichkeiten optimal ausgeschöpft werden können. Daraus entsteht für jeden Kunden ein maßgeschneidertes und individuelles Fördermittelkonzept. Damit lassen wir den Kunden aber nicht allein.

Wir stellen auch die Umsetzung der Förderanträge für den Kunden und begleiten ihn durch den gesamten Prozess bis zur Auszahlung und auch der Nachprüfung in den nächsten Jahren.

Redaktion: Was ist der wichtigste Teil Ihrer Beratung?

Kai Schimmelfeder: Der Beratungsablauf ist bei uns seit Jahren in digitalen Prozessen und strukturierten Abläufen fixiert. Diese beruhen auf den Erkenntnissen der letzten 25 Jahre als Fördermittelberater. Aus diesen Erfahrungen sehen wir die folgenden Positionen als wichtige Anforderungen bei Fördermittelprojekten an, die der Interessent beachten muss: frühzeitiges planen von Investitionen und damit frühe Fördermittelplanung; verbindliche Kalkulationen von den geplanten Investitionen: passende Summe an Eigenkapital für das Investitionsvorhaben; geordnete wirtschaftliche Verhältnisse und eine transparente Zeitplanung zur Umsetzung des Projektes.

Redaktion: Zu welchem Zweck fragen Vermittler meist eine Beratung oder Finanzierung an?

Kai Schimmelfeder: Aktuell sind der Unternehmenskauf (Anteilskauf von Unternehmen oder kompletter Unternehmenskauf) und die Investitionen in Digitalisierung zwi Schwerpunkte. Auch die Investitionen in weitere Standorte und digitale Prozesse gehören zu den Top-Anfragen. Hierzu gibt es sehr viele Förderprogramme, die zu prüfen sind, um dem Unternehmen einen Vorteil damit zu ermöglichen.

Redaktion: Welchem Irrglauben fallen Vermittler hinsichtlich Fördermittelberatungen und Finanzierungen häufig zum Opfer?

Kai Schimmelfeder: Ich glaube, die öffentlichen Daten und Angaben und Informationen zu Fördermitteln, Fördergeldern und Zuschüssen sind nicht einfach zu verstehen. Im Internet steht vieles nicht im Detail – und im Detail liegt ja meist das entscheidende Know-How. Allein die Anforderungen an die Unterlagen sind wesentlich intensiver als die meisten denken. Das ist dann für viele merkwürdig, weil ja „nur“ Fördermittel beantragt werden sollen. Dabei ist gerade das Thema Fördermittel mit vielen Unterlagen verbunden.

Es passiert sehr oft, dass wir Rückfragen bekommen, die dann lauten „Wieso die ganzen Unterlagen? Ich dachte es ist ein Antrag und fertig!“

Dann erläutern wir die Vorgänge und Anforderungen und auch die finanziellen Vorteile. Wenn man von Irrglauben reden will, dann in Bezug zum Zeitbedarf. Förderprojekte brauchen Vorlauf und Planung, – wenn diese erfolgreich umgesetzt werden sollen.

Redaktion: Und welcher Fehler wird häufig in der Fördermittelbeantragung begangen?

Kai Schimmelfeder: Der größte Fehler ist, dass Unternehmen mit dem Projekt beginnen, bevor die Fördergelder beantragt sind. Wer diese Regel nicht einhält, verpasst die Förderung. Planerische Vorleistungen sind meistens erlaubt beziehungsweise sind nicht förderschädlich. Gefährlich wird der Leistungsübergang, also wenn Liefer- und Leistungsverträge beauftragt werden (mündlich oder schriftlich) – und zwar vor der Förderzusage beziehungsweise Bewilligung.

Ein weiterer Fehler kann bei der Beantragung mit falschen Daten oder unrichtigen Angaben passieren und dann zur Ablehnung führen. Schon bei Beantragung müssen alle Daten der Wahrheit entsprechen. Hier gilt §2 Subventionsgesetz und §264 Strafgesetzbuch und weitere.

Am meisten aber ist es die Einschätzung zur eigenen Umsetzungsfähigkeit. Der Antragsteller, der sich alleine durch seinen ersten Antrag „quält“ und es vorher nicht gelernt hat, wird ähnliche Ergebnisse erhalten, wie der Bäcker bei seiner ersten Torte oder seinem ersten Brot. Es war nicht perfekt.

Der Unterschied: auch ein nicht so optimal gelungenes Brot kann gegessen werden. Ein nicht optimaler Förderantrag wird abgelehnt. Diese unumstößliche Regel erfordert ein gewisses Vorausdenken, eine klare Planung und ein strukturiertes Vorgehen. Mit dem Thema Förderung sollte man sich in der Frühphase jedes Projektes auseinandersetzen und es in die Zeitplanung mit einbeziehen.

Redaktion: Wie wird sich der Markt/ hinsichtlich Fördermitteln entwickeln? Was sind neue Programme?

Kai Schimmelfeder: Seit Januar 2021 ist die neue Förderperiode gestartet. Neue Budgets, neue Förderprogramme, neue Richtlinien und Anpassungen. Es ist aber im Bereich Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Umwelt, Innovation, Digitalisierung, Nachfolge und künstliche Intelligenz viel an Förderungen dazu gekommen. Viele Milliarden Euro stehen in verschiedenen Förderarten und Förderprogrammen zur Verfügung. Wer in diese Themen investieren will, der kann auf Förderprogramme zurückgreifen. Zuschüsse in Gewerbeimmobilien und Sanierung ist ein Schwerpunkt, dann Zuschüsse für digitale Projekte, dann das Thema Innovation in Dienstleistungen und Produkte sind nur als eine sehr kleine Auswahl genannt.

Die weitere Entwicklung ist mit den steigenden Fördervolumen als sehr positiv zu betrachten. Es wird schon aufgrund der Zusammenarbeit in der europäischen Union, und der Bundeslandstruktur in Deutschland weiterhin viele Möglichkeiten geben, die richtigen Förderprogramme zu nutzen.

Titelbild: © feder consulting

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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