Weltweit finden telemedizinische Lösungen immer mehr Anklang. Die Corona-Krise beeinflusst diese Entwicklung noch einmal zusätzlich. Wie genau sie sich auf den Markt auswirkte, weiß Katharina Jünger, die Mitbegründerin und CEO des Gothaer-Partners TeleClinic. Im Interview verrät sie, wie sie die Corona-Krise erlebt hat, welche Vorteile ihr Unternehmen hat und wie es nun weitergeht.

Redaktion: Frau Jünger, in Zeiten der Corona-Pandemie ist Ihr Unternehmen gleich doppelt gefragt: Als „Remote“-Lösung und wegen der medizinischen Expertise. Wie haben Sie die Corona-Krise erlebt?
Katharina Jünger, Mitbegründerin und CEO von TeleClinic

Katharina Jünger: Für uns ging es so richtig im März los, da haben wir uns als Team zusammengesetzt und damit begonnen, unsere Prozesse umzustellen. Die erste Aufgabe war, mehr Ärzte zu bekommen. Natürlich war ja eine entsprechend höhere Nachfrage von Patientenseite da. Da dachte ich noch, dass das eine anspruchsvolle Aufgabe sein würde – die Ärzte hätten ja immerhin ebenfalls wesentlich mehr zu tun als sonst. Allerdings wurde ich dann mit einer ebenfalls steigenden Nachfrage vonseiten der Ärzte überrascht. Viele von ihnen konnten gar kein Geld mehr verdienen, sie schlossen ihre Praxen oder es kamen keine Patienten mehr. Das war schon ein interessantes Learning für mich und für TeleClinic. Aber auch die Integration der neuen Ärzte hat gut funktioniert: Nach etwa einer Woche waren wir wieder obenauf.

Redaktion: Das ist aber sehr schnell. Wir haben Sie das geschafft?

Katharina Jünger: Das war ganz klar ein Team-Effort. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, weil uns auch bewusst war, dass sich hier eine Riesenchance auftut. Wir konnten zeigen, welchen Mehrwert TeleClinic nun wirklich hat. Das größte Problem waren diese Corona-Tests. Da lief ja einiges schief. Patienten mussten extra zu diesen Test-Zentren fahren – darum fragte mich dann jemand, ob wir da nicht etwas tun könnten.

Uns war bewusst, dass sich hier eine Riesenchance auftut.

Darum haben wir uns dazu entschlossen, deutschlandweit mit einem Labor zu kooperieren. So haben wir es unseren Ärzten ermöglicht, ihren Patienten komplett digital Corona-Test-Kits zu verschreiben. Diese Kits haben die Patienten per Post bekommen, konnten dann selbst einen Abstrich machen, den Test einschicken und haben innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis vom Labor bekommen. Und danach konnten wir diese Kunden auch weiter betreuen und je nach Testergebnis weitere Schritte empfehlen.

Redaktion: Spontaneität scheint ja eine große Stärke von TeleClinic zu sein. Was sind denn in Ihren Worten die großen Vorteile Ihres Unternehmens?

Katharina Jünger: Ich denke, da gibt es zwei Kernpunkte: Geschwindigkeit und gesicherte Qualität. Wenn Sie zu TeleClinic kommen, haben Sie ja keinen reinen Terminbuchungsservice vor sich. Wir garantieren neben dem Thema Wartezeit auch die Qualität. Sie finden hier nur Ärzte, die wirklich vorausgewählt sind. Wir prüfen konstant die Qualität der bei uns aufgeführten Ärzte. Wenn sich da zu schlechte Ratings einschleichen, dann muss ein Arzt die Plattform auch wieder verlassen.

Redaktion: Ähnliche Angebote wie das Ihre sind ja in anderen Teilen der Welt bereits etabliert. Zum Beispiel in den USA oder Skandinavien. Welche Hürden gab es da für Sie in Deutschland?

Katharina Jünger: Die erste Hürde war natürlich das Fernbehandlungsverbot. Ich habe TeleClinic im Jahr 2015 gegründet, damals war im Grunde alles, was wir heute machen, verboten. Aber es war mein Traum, dass jeder Deutsche tatsächlich online zum Arzt gehen kann. Darum bin ich gemeinsam mit zwei Kumpels lange durch Deutschland gefahren, von Ärztekammer zu Ärztekammer, und haben dafür geworben, dass sich diese Regulierung ändert. Wir wollten eine gemeinsame Lösung finden, die auch deutschen Standards entspricht. Qualität, Prozesse, Datenschutz, all diese Dinge haben ja sehr spezielle Regularien. Im Mai 2018 hat der Deutsche Ärztetag das Fernbehandlungsverbot dann aufgehoben.

Es war mein Traum, dass jeder Deutsche tatsächlich online zum Arzt gehen kann.

Redaktion: Das ist aber nicht die einzige Hürde geblieben.

Katharina Jünger: Richtig. Das zweite Thema war für uns die Erstattung. Damit der Online-Arztbesuch für die deutschen Patienten eine echte Alternative ist, ist es wichtig, dass er sowohl von den privaten als auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Hier war eine zweite große regulatorische Veränderung notwendig. Diese erfolgte dann im vergangenen Jahr. Nächste Woche, also am 28. Mai, gehen wir deutschlandweit live, soll heißen, jeder Patient – egal, ob gesetzlich oder privat versichert – bekommt seinen digitalen Arztbesuch erstattet.

Redaktion: Also haben Sie im Alleingang das deutsche Gesetz verändert, um Ihren Traum zu verwirklichen?
teleclinic katharina juenger 3
Katharina Jünger

Katharina Jünger: Alleingang ist übertrieben. Wir hatten dabei eine signifikante Rolle, haben ordentlich getrommelt und den Stein ins Rollen gebracht. Aber genauso wichtig waren andere „Schlüsselfiguren“. Wir haben in verschiedenen Bereichen der Branche Leute identifiziert, die wir als besonders innovativ erachteten, und sie für unsere Sache gewonnen.

Redaktion: Zum Beispiel?

Katharina Jünger: Der Präsident der Ärztekammer in Baden-Württemberg. Ein super-innovativer und auch mutiger Typ, der mit uns für diese Sache gekämpft hat.

Redaktion: Sie haben eben den Datenschutz erwähnt. Um eine möglichst schnelle und genaue Diagnose zu bekommen, müssen Patienten ja bei Ihnen bestimmte Gesundheitsdaten hinterlegen. Funktioniert das immer reibungslos oder gibt es da auch Kritik?

Katharina Jünger: Grundsätzlich achten wir sehr genau auf Datensicherheit und Datenschutz. Wir überprüfen alle Krankenversicherungen, mit denen wir zusammenarbeiten. Alle Daten sind auf deutschen Servern gespeichert, alles DSGVO-konform. Allerdings schätzen Patienten diese Thematik öfters falsch ein. „Oh je, Gesundheitsdaten, da will ich nichts mit digitalen Anbietern zu tun haben“, höre ich dann von Patienten. Das ist ihr gutes Recht, aber zu pauschal geurteilt.

Redaktion: Und Sie sehen es als Ihre Aufgabe an, dahingehend auch Aufklärungsarbeit zu leisten?

Katharina Jünger: Ja, absolut. Der Umgang mit Daten wird nicht einfach unsicherer, nur weil man mit digitalen Playern zu tun hat.

Der Umgang mit Daten wird nicht unsicherer, nur weil man mit digitalen Playern zu tun hat.

Redaktion: Kommen wir zurück zur Corona-Krise. Welchen Effekt hatte sie auf den Markt der Telemedizin? Ist der Impact „nachhaltig?“

Katharina Jünger: Ich gehe davon aus, dass die Corona-Krise der Telemedizin einen Aufschwung gibt, der fünf Jahren normaler Entwicklung entspricht. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir in Deutschland ja noch ganz am Anfang stehen. Im Promille-Bereich, wenn Sie so wollen. Die Corona-Krise hebt uns jetzt im besten Fall in den Prozent-Bereich. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden etwa fünf Prozent der ambulanten Arztbesuche über Telemedizin ablaufen.

Redaktion: Frau Jünger, vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Katharina Jünger: Sehr gerne, jederzeit.

Weitere Informationen zu TeleClinic finden Interessierte auf der Website des Unternehmens. Außerdem bietet die Gothaer mit CoronaPuls eine Plattform mit Informationen rund um das Coronavirus an. Mit dabei: Antworten auf die wichtigsten Fragen und nützliche Tools für den Umgang mit der Krise.

Titel- und Beitragsbilder: © TeleClinic

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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