Volkswagen hat den Dieselskandal überstanden. Zu dieser überraschenden Auffassung gelangte unlängst VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Um seiner Aussage Glaubwürdigkeit zu verleihen, stellte er der Öffentlichkeit den neu designierten Konzernchef Herbert Diess vor. Ein neuer Mann an der Spitze eines Unternehmens, das „operativ und strategisch robuster als jemals zuvor“ sei. Volkswagen mit samt Manager-Riege scheint in Aufbruchstimmung zu sein. Ganz vergessen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn, der im Zuge des Dieselskandals seinen Hut nehmen musste.

Der VW-Konzern steht blendend da. Zumindest die Bilanz kann sich sehen lassen und verspricht rosige Zeiten für den Autobauer. Setzt man die Aussagen von Staats- und Rechtsanwälten sowie VW-Kunden zusammen, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals ist noch lange nicht abgeschlossen. Tausende Kunden und Anleger haben weltweit Klage eingereicht. Und in Deutschland: ermitteln bereits mehrere Staatsanwaltschaften gegen Top-Manager des Konzerns. Es scheint, nicht erst seit dem VW-Debakel, dass sich Manager und leitende Angestellte für Fehlentscheidungen mehr denn je mit ihrem Privatvermögen haftbar machen. Deutschland hat sich zur regelrechten „Klagegesellschaft“ entwickelt, berichtet das Fachmagazin VersicherungswirtschaftHEUTE. Die Folge: Vom Großkonzern bis zum Mittelstand, die sogenannte D&O-Versicherung gewinnt für Unternehmen und Manager an Bedeutung.

Neckermänner im Visier

Ein ebenso langes und kräftezehrendes Nachspiel verlangt der Insolvenzprozess des einstigen Versandhandelsriesen Neckermann. 2012 erklärte sich das Unternehmen zahlungsunfähig. Knapp sechs Jahre danach bahnt sich für die damalige Führungsriege neuer Ärger an. Nach Recherchen des WDR und der Süddeutschen Zeitung liege eine Klage gegen 16 ehemalige Manager und Aufsichtsräte vor. Der Vorwurf unter anderem: Die Geschäftsführung habe die Zahlung von Millionensummen angewiesen, als der Konzern bereits pleite war. Und dem Aufsichtsrat wird vorgeworfen, seinen Kontrollpflichten nicht nachgekommen zu sein. Unter vorgehaltener Hand heißt es unter den Betroffenen indes, der Insolvenzverwalter habe die Klage nur erhoben, um auf deren Managerhaftpflichtversicherung zugreifen zu können.

Der Fall Woodford: ein Mafia-Krimi ohnegleichen

Perspektivwechsel: Was passiert, wenn eine D&O-Versicherung die Schadenszahlung verweigert, zeigte kürzlich der Fall des britischen Ex-Managers Michael Woodford. Dieser leitete einst den japanischen Kamerahersteller Olympus. Woodford deckte einen Bilanzbetrug in Millionenhöhe auf und wurde daraufhin entlassen. Der Skandal entwickelte sich zum filmreifen Wirtschaftskrimi. Elf Manager mussten nach der Offenlegung in Haft, der Aktienkurs fiel um 80 Prozent und selbst Verbindungen zur japanischen Mafia wurden nachgewiesen.

Woodford erhob Anklage, bekam eine Abfindung in Höhe von einer Million und wurde daraufhin von der Olympus-Tochter, Key Med, angeklagt. Der Brite soll sich mit einem Kollegen bei der Altersvorsorge für Führungskräfte bereichert haben. Die Forderung: 60 Millionen Euro. Laut Woodford ginge es der Führungsriege ausschließlich darum ihn „wirtschaftlich fertigzumachen“.

Rückendeckung bietet in diesen Fällen eine D&O-Versicherung (Directors and Officers Versicherung), doch der Versicherer AIG zog seine D&O-Deckung zurück. Grund: Olympus habe bereits bei Abschluss der Police vom Betrug gewusst und auf Rückfragen des Versicherers nicht rechtzeitig geantwortet. Der Fall endete schließlich vor dem High Court in London: AIG muss die Deckungssumme zahlen. Doch ein Ende im Prozessgemenge ist noch nicht in Sicht. Erst jetzt kann Woodford mit D&O-Rückendeckung gegen seinen Ex-Arbeitgeber Olympus vor Gericht ziehen.

Klagen gegen Top-Manager nehmen zu

Immer mehr Manager werden hierzulande von ihren Unternehmen aufgrund von Fehlverhalten und falschen Entscheidungen verklagt. So stellte bereits 2016 ein international tätiger deutscher Versicherer fest: Die Anzahl der Klagen gegen Manager habe sich in den vergangenen 20 Jahren auf jährlich 120 verdreifacht.

“Noch nie war das Privatvermögen der Organmitglieder durch Inanspruchnahmen derart gefährdet wie zur heutigen Zeit. Das Wissen, dass eine Versicherung desselbigen ‘lebensnotwendig’ sein kann, hat sich nicht nur bei Organmitgliedern von Großkunden, sondern auch im Mittelstand herumgesprochen“, schreibt das Fachmagazin VersicherungswirtschaftHEUTE.

Ist Deutschland auf Führungsebene zu einer „Klagegesellschaft“ geworden? Gemeinhin wird dies den Vereinigten Staaten zugeschrieben, in denen man bereits in den 1930er Jahren die Bedeutung der D&O-Versicherung erkannte, bevor sie schließlich in den 1980er Jahren auf dem europäischen Versicherungsmarkt Einzug hielt.

Schutz des Privatvermögens: D&O-Versicherung der Gothaer

Manager bekleiden wichtige Schlüsselpositionen im Unternehmen. Mit ihren Entscheidungen tragen sie zum Erfolg aber auch zum Misserfolg des Unternehmens bei. Selbst wenn leitende Angestellte ihr Metier beherrschen, sind sie vor Fehlentscheidungen nicht gefeit. Es besteht somit immer die Gefahr, dass falsche Entscheidungen zu unkalkulierbaren finanziellen Schäden auf Seiten des Unternehmens führen können. In solchen Fällen haften Manager, Führungskräfte und leitende Angestellte mit ihrem Privatvermögen. Mit erheblichen Folgen für die Existenzgrundlage des Managers. Eine D&O-Versicherung sichert Betroffene gegen dieses Risiko finanziell ab.

Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung stehen mit der D&O-Versicherung der Gothaer betroffenen Managern spezialisierte Anwälte zur Seite. Die dabei entstandenen Gerichtskosten werden übernommen. Der Versicherungsschutz gilt weltweit. Ist allerdings erwiesen, dass Manager Schäden vorsätzlich verursacht haben oder wissentlich ihren Pflichten nicht nachgekommen sind, gilt der D&O-Versicherungsschutz nicht.

Titelbild: ©LIGHTFIELD STUDIOS/ fotolia.com

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