Das deutsche Gesundheitssystem mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung steht, vor allem vor Wahlen, immer wieder in der Kritik. Aber ist es wirklich so schlecht, wie manche Politiker sagen? Wir nehmen die Versicherungssysteme in Europa genauer unter die Lupe. Diesmal: die Schweiz mit ihrer Kopfpauschale.

Wer die Schweiz und ihre Bewohner verstehen will, darf nicht nur an Berge und Täler, Uhren und Banken oder kulinarische Höhepunkte wie Raclette und Käsefondue denken. Viel wichtiger noch ist die fast schon sprichwörtliche Freiheitsliebe der Eidgenossen. Spätestens seit dem Rütlischwur war Schluss mit der Gängelei von oben. Und bis heute verwahren sich die Bewohner der Willensnation Schweiz gegen jede weiterreichende Einmischung des Bundes in private Angelegenheiten.

Schweizer Krankenversicherung als Vorbild?

Umso gewaltiger muss man sich die Reform der Krankenversicherung und das Inkrafttreten des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996 vorstellen. Das freiwillige System der privaten Krankenversicherung wurde umgestellt auf ein System mit obligatorischer Grundversicherung (OKP) und freiwilliger Zusatzversicherung, wobei der verpflichtende Part bis heute deutschen Politikern gerne als Vorlage eines Kopfpauschalen-Systems gilt. Aber taugt das Modell der Schweizer, die sich neben Ländern wie Norwegen und den USA eines der teuersten Gesundheitssysteme überhaupt leisten, wirklich als Vorbild für die Bundesrepublik? Die Kompetenzen im schweizerischen Gesundheitswesen sind weitgehend „Ländersache“. Oder besser: Sie obliegt den 26 Kantonen. Krankenhäusliche Versorgung, Spitzenmedizin sowie die Zulassung zur Berufsausübung und Gesundheitsförderung werden also dezentral organisiert.

Basisversorgung auf hohem Niveau

Dabei geht ein Teil der Behandlungskosten stets zulasten der Versicherten. Diese Kostenbeteiligung setzt sich zusammen aus Franchise, Selbstbehalt und einem Spitalkostenbeitrag, der nur bei einem Krankenhausaufenthalt fällig wird. Die Franchise kann gewählt werden und beträgt in der Grundversicherung mindestens 300 Franken (274 Euro) pro Jahr. Die ersten Behandlungskosten zahlt der Versicherte also immer selber. Der Selbstbehalt beträgt zehn Prozent des Rechnungsbetrages nach Abzug der Franchise, wobei eine zuvor festgelegte Obergrenze existiert. Bei Krankenhausaufenthalten wird zudem eine Tagespauschale von jeweils 15 Franken fällig. Nebst Höhe der gewählten Franchise bestehen auch individuelle Wahlmöglichkeiten, die einen individuellen Prämienrabatt auslösen können. Wer zum Beispiel auf die freie Arztwahl verzichtet, um sich in ein Hausarztsystem einzuschreiben, zahlt bis zu 20 Prozent weniger Prämie.

Freiwillige Zusatzversicherungen

Zahnärztliche Leistungen sind durch die OKP ebenso wenig abgedeckt wie die Zahlung von Krankengeld. Auch kieferorthopädische Behandlungen von Kindern müssen die Schweizer aus der eigenen Tasche bezahlen. Wer hier abgesichert sein will, kann dies auf freiwilliger Basis durch Zusatzversicherungen tun. Die Krankenversicherer haben hierzu ein vielfältiges Angebot entwickelt. Bei den Zusatzversicherungen gelten die Bestimmungen des privaten Versicherungsrechts, die Krankenversicherer unterliegen keinem Kontrahierungszwang. Während die Kassen bei der Grundsicherung niemanden ablehnen dürfen, müssen sie im Rahmen der Zusatzversicherung also nicht jeden aufnehmen. Neben der Entscheidung, ob ein Versicherter angenommen wird oder nicht, können Versicherungsdauer und Kündigungsfristen frei vereinbart werden.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass die freiwilligen Zusatzversicherungen eine erstklassige Versorgung ermöglichen, dafür aber auch entsprechende Prämien fällig werden. Beispielsweise verursachen aufwändigere Zahnbehandlungen in der Schweiz schnell hohe Kosten, was sich letztendlich in den Preisen der Zusatzpolicen niederschlägt. Gleichwohl sind die Eidgenossen mit ihrer Gesundheitsversorgung durchweg zufrieden. Schweizer wissen eben: Qualität hat ihren Preis.

Titelbild: © swisshippo – fotolia.com

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