Die Aachener Zielke Research Consult hat Nachhaltigkeitsberichte von Versicherern untersucht. Die Gothaer führt das Ranking des Analysehauses an – wir berichteten. Aber wie schafft es die Gothaer CSR nicht nur als Buzzword zu handhaben, sondern auch nachhaltig Verantwortung für Mitarbeiter zu übernehmen? Wir sprachen dazu mit Lisa Janke aus dem Nachhaltigkeitsmanagement der Gothaer.

Redaktion: Frau Janke, was bedeutet CSR für die Gothaer?

Lisa Janke: Bei der Gothaer sprechen wir von Nachhaltigkeitsmanagement. Es ist unser strategisches Ziel, glaubhaft nachhaltig zu sein. Das bedeutet vor allem, dass wir Nachhaltigkeit in die gesamte Wertschöpfungskette und in die Konzernstrategie integrieren. Dass das mehr ist als ein Versprechen zeigen wir in unserem ersten Nachhaltigkeitsbericht.

Nachhaltigkeitsbericht
© Gothaer

Die Frage, was Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, muss jedes Unternehmen für sich selbst beantworten, schließlich hat jedes Unternehmen spezifische Wertschöpfungsketten und unterschiedliche Herausforderungen durch das Kerngeschäft. Wir bei der Gothaer haben unseren Stakeholdern, also von uns betroffenen Anspruchsgruppen, unseren Führungskräften und schließlich unserem Vorstandsteam diese Frage gestellt. Herausgekommen sind die drei wesentlichen Handlungsfelder:

  • Nachhaltigkeit im Kerngeschäft
  • Nachhaltigkeit im Unternehmen
  • Nachhaltigkeit im Engagement

Eine nachhaltige Unternehmensführung bildet die Grundlage für das Nachhaltigkeitsmanagement. Damit stellen wir sicher, dass Nachhaltigkeit im gesamten Konzern gelebt wird.

Vor allem aber hat die Befragung gezeigt, dass Nachhaltigkeit im Kerngeschäft stattfinden muss, also in der Kapitalanlage und durch unsere Versicherungsprodukte. Das ist besonders spannend, weil wir damit unsere Kunden dabei unterstützen können, sich selbst nachhaltiger zu verhalten.

Gothaer NHB 2020 Grundlagen und Handlungsfelder
Quelle: Gothaer
Redaktion: Wie ist die Gothaer auf ihre unternehmerische Gesellschaftsverantwortung aufmerksam geworden?

Lisa Janke: Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und erster überregionaler deutscher Versicherer mit einer 200-jährigen Geschichte haben wir seit jeher den Anspruch, mit den uns anvertrauten Ressourcen verantwortlich umzugehen. Damit ist Nachhaltigkeit für die Gothaer kein Neuland. Wir sind führend in der Versicherung von Erneuerbaren Energien und berücksichtigen seit 2018 ESG Kriterien in unserer Kapitalanlage.

Im Januar 2020 wurde der zentrale Bereich Nachhaltigkeitsmanagement gegründet, der alle Aktivitäten des Konzerns bündelt und eine strategische Richtung vorgibt. Die Gründung erfolgte genau zur rechten Zeit: so sind wir gut aufgestellt, um auf die sich verändernden gesellschaftlichen Erwartungen zu reagieren, die zum Beispiel durch die Demonstrationen von Fridays for Future transportiert wurden, aber auch um den steigenden regulatorischen Anforderungen durch die EU nachzukommen.

Aktuelle Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe zeigen uns, wie wichtig der Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken für eine Versicherung ist. Die Versicherungsbranche hat hier eine enorme Hebelwirkung.

Durch die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien in unsere Kapitalanlage und unsere Versicherungsprodukte nehmen wir aktiv Einfluss und unterstützen die Transformation hin zu einer klimaschützenden Wirtschaftsweise.

Redaktion: Warum ist es wichtig, dass Unternehmen entsprechend umdenken?

Lisa Janke: Nachhaltigkeit ist eine globale Aufgabe. Klimaschutz und Ökosysteme hören nicht an Unternehmensstandorten oder Landesgrenzen auf. Wir wollen unseren Einfluss geltend machen und uns dafür einsetzten, dass auch unsere Dienstleister und Geschäftspartner:innen nachhaltig handeln. Dafür werden wir soziale und ökologische Kriterien in unsere Ausschreibungen aufnehmen.

Hier kommt uns die Überarbeitung der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) entgegen. Wenn zukünftig Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden über ihre Nachhaltigkeitsauswirkungen berichteten müssen, wird das zur Transparenz beitragen und Greenwashing erschweren.

Redaktion: Wie schafft es die Gothaer Nachhaltigkeit nicht nur als Buzzword zu handhaben, sondern Verantwortung für Mitarbeitende zu übernehmen?

Lisa Janke: Wir wollen Kennzahlen definieren anhand derer wir unsere Nachhaltigkeitsperformance messen können. Über unsere Fortschritte werden wir jährlich berichten. Nicht nur in unserem Nachhaltigkeitsbericht, sondern auch in der Erklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), die in der DNK Datenbank öffentlich einsehbar ist.

Insbesondere durch die Personalstrategie im Gothaer Konzern wird den Mitarbeitenden ein vielfältiges Angebot gemacht. Dazu gehören unter anderem flexible Arbeitszeiten, um Beruf und Privatleben miteinander vereinbaren zu können, ein ausgezeichnetes Gesundheitsmanagement, das durch den Corporate Health Award immer wieder anerkannt wird und ein vielfältiges Angebot zur Weiterbildung.

Die Gothaer fördert Diversität und hat sich das Ziel gesetzt bis 2030 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen.

Ein weiteres Beispiel für die Übernahme von Verantwortung ist die Aktion Goforfamily. Dabei spenden Beschäftigte ihre Plusstunden und Urlaubstage, um Kolleg:innen zu unterstützen, die wegen der Betreuung oder Pflege von Angehörigen in der Corona-Pandemie nicht in vollem Umfang arbeiten können. Der Gothaer Konzern hat die so gespendete Zeit noch verdoppelt.

Redaktion: Und wie bewusst sind sich die Mitarbeitenden innerhalb der Gothaer Gemeinschaft ihrer Verantwortung? Wie stellt das Unternehmen entsprechendes Bewusstsein sicher?

Lisa Janke: Grundsätzlich ist ein großes Verantwortungsbewusstsein unter den Kolleg:innen spürbar. Wir werden in viele Bereiche eingeladen, um über das Nachhaltigkeitsmanagement zu informieren und immer häufiger wenden sich Kolleg:innen aller Fachbereiche an uns mit der Bitte um Unterstützung bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in ihrem Tätigkeitsgebiet.

Gleichzeitig versuchen wir durch unterschiedlichste Dialogformate auch die Kolleg:innen anzusprechen, die bislang noch nicht so viel Berührungspunkte mit dem Thema im beruflichen Kontext hatten.

Redaktion: Wie stellt das Unternehmen entsprechendes Bewusstsein sicher?

Lisa Janke: Hier geht es vor allem darum von dem Betriebswissen der Kolleg:innen zu profitieren, um Nachhaltigkeit in den Arbeitsalltag zu integrieren. Über die WelcomeWeek knüpfen wir direkt Kontakt mit neuen Kolleg:innen. Hier erfahren wir auch immer wieder, dass Nachhaltigkeit ein immer größeres Kriterium bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers ist. Weil Mitarbeitende immer wieder mit Ideen zur Nachhaltigkeit auf uns zugekommen sind, haben wir die Ideensammlung ins Leben gerufen. Die gesammelten Ideen der Mitarbeitenden werden bewertet und gemeinsam mit den Fachabteilungen umgesetzt.

Ein aktuelles Projekt, das wir aus der Ideensammlung heraus umgesetzt haben, ist zum Beispiel der Einzug von vier Bienenvölkern auf das Gelände der Hauptverwaltung der Gothaer in Köln. Die Bienen werden durch unsere eigenen Mitarbeitenden betreut. Damit schaffen wir ein interessantes Angebot, machen Nachhaltigkeit am Standort sichtbar und leisten darüber hinaus einen Beitrag zur Biodiversität.

Redaktion: Wie setzt die Gothaer Nachhaltigkeit konkret im Unternehmen um?

Lisa Janke: Nachhaltigkeit an unseren Standorten setzen wir vor allem durch einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sowie unser Klimamanagement um.

Unsere CO2 Emissionen berechnen wir nach dem Greenhouse Gas Protocol. Dabei gehen wir weit über den Mindeststandard hinaus und beziehen auch viele Emissionen unser vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette ein. Durch den Kauf von Klimaschutzzertifikaten sind wir an den Standorten in Köln, Göttingen und Berlin bereits klimaneutral. Die Klimaneutralität haben wir durch ein Audit vom TÜV Nord zertifizieren lassen.

Im Mittelpunkt unserer Bemühungen steht aber die Reduktion und Vermeidung von Emissionen. Um unsere Emissionen zu reduzieren, haben wir an unserem Unternehmensstandort in Köln für den zugekauften Strombedarf bereits auf Ökostrom umgestellt. Außerdem haben wir unser Blockheizkraftwerk erneuert und fördern durch Bikeleasing sowie durch Angebote zum Jobticket und eine neue Dienstwagenrichtlinie nachhaltige Mobilität an unseren Standorten.

Bei der Gestaltung unserer Standorte und der Auswahl von Dienstleistern beziehen wir nachhaltige Aspekte mit ein, ganz aktuell zum Beispiel bei der Auswahl unseres neuen Kantinenbetreibers.

Aber es sind auch die kleinen Maßnahmen, die zur Nachhaltigkeit beitragen, wie zum Beispiel den Duplexdruck als Standard einzustellen oder leere Stifte zu sammeln, um sie dem Recycling zukommen zu lassen. Zukünftig wollen wir auch unsere Mitarbeiter:innen noch stärker sensibilisieren. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der IT bietet hier noch viele Spielräume, wie zum Beispiel die Laptops abends runterzufahren, den Bildschirm auszuschalten und gelesene E-Mails zu löschen.

Über unsere Expertin

Lisa Janke ist Senior Expertin im Nachhaltigkeitsmanagement der Gothaer.

 

Titelbild: © Thomas/stock.adobe.com, Beitragsbild: Lisa Janke/Gothaer

Stephanie Gasteiger

Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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