Viele Unternehmen haben in den zurückliegenden zwei Jahren stark daran gearbeitet, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Ständig ergeben sich aus neuen Entwicklungen neue Chancen – aber auch neue Herausforderungen. Wie sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen aufgestellt? Das haben wir bei Max Kettner, BVMW Leiter Förderprojekte und Mittelstand-Digital-Zentrum Berlin, nachgefragt.

Redaktion: Herr Kettner, welche Herausforderungen muss der Mittelstand im Zuge der Digitalisierung bestehen?

Max Kettner: Alle Unternehmerinnen und Unternehmer sind sich bewusst: Ohne weitere Digitalisierung wird nicht es gehen. Doch klar ist auch, nicht jeder Prozess, nicht jedes Unternehmen, nicht jede Dienstleistung muss und kann auch digitalisiert werden.

„Die Digitalisierung ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist.“

Wichtig ist es daher, die Transformation überlegt und strategisch anzugehen. Es bedarf eines Fahrplans mit eindeutigen strategischen Zielen sowie einer klaren Kommunikation und aktiven Mitnahme der Mitarbeitenden, um die digitale Evolution des gesamten Unternehmens voranzubringen. Im operativen Alltagsgeschäft bleibt die systematische und strategische Herangehensweise an die digitale Transformation allerdings eine Herausforderung. Dabei ist Digitalisierung kein Projekt, das irgendwann abschlossen ist.

Redaktion: Wie reagieren die Unternehmen auf diese Herausforderungen?
Max Kettner

Max Kettner: Dies ist sehr unterschiedlich. Das Bewusstsein, Digitalisierung als Teil der Unternehmensstrategie zu betrachten, ist, wie gesagt, vorhanden. Die Unternehmen suchen dabei nach externer Unterstützung, beispielsweise bei geförderten Anlaufstellen wie den Mittelstand-Digital Zentren des BMWK. Orientierung bieten auch übertragbare Best-Practice-Beispiele. Gerade kleine Unternehmen sind aufgrund ihrer Personalausstattung bei der digitalen Transformation jedoch oft auf Unterstützung durch IT-Dienstleister angewiesen.

Redaktion: Und wie erfolgreich sind ihre Strategien?

Max Kettner: Gerade im Mittelstand gibt es drei große Hürden, die die Digitalisierungsbemühungen oft ausbremsen: eine fehlende Gesamtstrategie, das notwendige Budget für die Umsetzung und das entsprechende Know-how, sprich Fachkräfte. Viele IT-Projekte scheitern auch, weil entweder die Belegschaft nicht mitgenommen oder Kundenanforderungen nicht genügend überprüft beziehungsweise abgefragt worden sind.

„Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen beschleunigen die digitale Transformation und stärken das Bewusstsein für notwendige Veränderungen.“

Insgesamt sind die Unternehmen aber auf einem guten Weg. Sie gehen notwendige digitale Transformationen an, zum Beispiel durch „remote work“ oder indem sie neue Vertriebswege erschließen. Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit Lieferkettenengpässen, steigenden Rohstoff- und Energiekosten sowie der schwierigen Situation in Osteuropa und dem Ausblick auf den nächsten Corona-Winter setzen den Unternehmen stark zu. Allerdings beschleunigen sie gleichzeitig die digitale Transformation und stärken das Bewusstsein für notwenige Veränderungen.

Redaktion: Welche Hürden stellen intern die größten Probleme dar und warum?

Max Kettner: Eine große Herausforderung stellt mit Abstand die IT-Sicherheit dar. Das kriegen wir auch in allen Gesprächen widergespiegelt. Mittelständische Unternehmen haben selten eine eigene IT-Abteilung, zudem herrscht im IT-Bereich ein starker Fachkräftemangel. IT-Expertinnen und -experten können sich ihren Job quasi aussuchen, da fallen kleinere Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber oder ländliche Regionen hinten runter. Doch die werden gebraucht, um IT-Sicherheit aufzubauen.

„Mittelständische Unternehmen haben Cyberangriffe immer mehr auf dem Schirm.“

Redaktion: Wie reagiert denn der Mittelstand auf äußere Bedrohungen aus dem Netz?

Max Kettner: Cyberangriffe nehmen immer weiter zu, während physische Diebstähle und Einbrüche das zweite Jahr in Folge abnehmen. Mittelständische Unternehmen haben dies immer mehr auf dem Schirm, informieren sich und schauen nach gangbaren Lösungen. Das merken wir an den hohen Nachfragen zu unseren Veranstaltungen, wie bei unserer letztens gemeinsam mit Microsoft Deutschland durchgeführten Cybersecurity-Konferenz oder bei den Webinaren unseres Mittelstand-Digital Zentrums Berlin.

Redaktion: Wie unterstützen Sie als Verband mittelständische Unternehmen bei dieser „Reise“?

Max Kettner: Der Mittelstand. BVMW leitet das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Mittelstand-Digital Zentrum Berlin und unterstützt damit Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet bei der Digitalisierung. Mit Workshops, Webinaren, Checklisten und eigenen kleinen Projekten zur Entwicklung digitaler Strategien sowie dem bundesweiten Netzwerk aus insgesamt 27 Zentren erhalten Unternehmen zielgerichtet, praxisnah und anbieterneutral diverse Angebote.

Zudem haben wir aktuell zwei Projekte mit IT-Sicherheitsschwerpunkt im Programm. mIT-Sicherheit ausbilden ist ein zweistufiges Projekt, bei dem zunächst Expertinnen und Experten als Sicherheitstrainerinnen beziehungsweise -trainer ausgebildet werden, die dann im Rahmen des Projektes Ausbildungsverantwortliche in Unternehmen an bis zu 90 Standorten in ganz Deutschland schulen. Bei KMU SEC – mIT Standard sicher wird ein Standard (DIN spec) für KMU-gerechte IT-Sicherheitsberatung entwickelt. Das Projekt richtet sich an Dienstleistungsunternehmen und kleinere Unternehmen bis 50 Beschäftigte, die bei der Digitalisierung auf externe Dienstleister angewiesen sind.

Weitere Informationen zu diesen Angeboten finden Interessierte auf der Homepage des Bundesverbandes Der Mittelstand. BVMW.

Für den Mittelstand rückt das Thema der Cyber-Absicherung dementsprechend weiter ins Rampenlicht. Hier auf dem Gothaer Maklerblog können Vermittler sich weiterführend dazu informieren, etwa im Beitrag „Cyber-Angriffe: Begleiter der Digitalisierung“. Zuletzt gibt die Gothaer beim diesjährigen Mittelstandsforum tiefe Einblicke in ihre Produktwelt und in die Begleitung von mittelständischen Unternehmen.

Titelbild: ©Gorodenkoff/ stock.adobe.com, Beitragsbild: © BVMW/Annemarie Thiede

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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