Die Cyberversicherung, da sind sich Experten einig, bleibt in den kommenden Jahren eines der wichtigsten Produkte am Markt. Trotzdem ist die Marktdurchdringung noch gering. Woran liegt das? Und wie gefährlich ist die aktuelle Situation um Corona und das Thema Home Office? Darüber haben wir mit einem ausgemachten Spezialisten gesprochen: Nico Streker, Geschäftsführer von ASSPICK Versicherungsmakler. Mit seinem Unternehmen bietet er bereits seit Jahren Cyberdeckungskonzepte an und kennt insbesondere den Gewerbemarkt in und auswendig.

Redaktion: Herr Streker, die Schlagzeilen zum Thema Cyber sind aktuell deutlich: Das Home Office ist ein zusätzlicher Gefahrenherd. Stimmen Sie zu? Und wenn ja, woran liegt das?

Nico Streker: Ich sehe da schon ein erhöhtes Risiko. Gefühlt jeder zweite Mitarbeiter arbeitet gerade im Home Office. Als zu Beginn der Krise die Unternehmen ihre Mitarbeiter überstürzt ins Homeoffice schickten, waren viele unvorbereitet: ohne richtiges Konzept, jeder irgendwie mit einer Mischung aus Dienst- und Privatgeräten, damit es überhaupt funktioniert. Viele Firmen hatte die Sicherheitsstandards heruntergefahren, wollte den Mitarbeitern so schnell die Netzanbindung an die Firma aus dem Home Office heraus ermöglichen.

Viele Angestellte benutzen jetzt das eigene WLAN, vielleicht auch den privaten Rechner. Da entstehen mitunter Sicherheitslücken. Etwa, wenn keine sichere VPN-Verbindung besteht oder wenn kein Passwortschutz vorhanden ist. Wichtig ist, die Mitarbeiter mit der nötigen Technik auszustatten und ihnen die Regeln an die Hand zu geben, damit Datenschutz und Sicherheit nicht leiden.

Redaktion: Immer wieder kommt der Eindruck auf, dass Cyberversicherungen mithin das wichtigste Thema am Markt sind, aber die Marktdurchdringung spricht da eine andere Sprache. Sehen Sie das auch so?

Nico Streker: Das liegt zum Teil daran, dass das Interesse phasenweise kommt. Vorrangig dann, wenn in den Medien ein großer Hack oder ein Datenleck die Runde macht. Und zum Teil spiegelt sich die geringe Marktdurchdringung leider auch bei den Vermittlern wieder – mir fällt häufig auf, dass Vermittler die Bedeutung des Themas für sich noch nicht erkannt haben.

„Und wenn das bei einem selbst noch nicht im Kopf angekommen ist, wie soll man dann den Kunden von der Bedeutung des Produkts überzeugen?“

Redaktion: Wären die Kunden denn grundsätzlich empfänglich für das Thema Cyber?

Nico Streker: Früher war der Beratungsprozess durchaus schwierig, weil das Verständnis dafür, dass jedes Unternehmen Ziel von Cyberangriffen werden kann, einfach nicht da war. Mittlerweile ist das anders. Zwar gibt es nach wie vor Kunden, die nicht mal eine eigene Website haben, andere sind allerdings sehr digital affin. Im Laufe der Jahre hat sich die Risikowahrnehmung verändert. Das können Makler nutzen. Auch wenn es heute nocht oft heißt „unsere IT ist sicher“, „wir haben die IT ausgelagert an einen Dienstleister“ oder ähnliches.

Redaktion: Spielt auch die Anbieterseite eine Rolle? Ist das Thema bei diesen „angekommen“?

Nico Streker: Die Versicherer haben in den vergangenen Jahren auf jeden Fall viel auf dem Gebiet Cyber getan. Problematisch ist nur, dass die Produktanbieter da alle unterschiedlich herangehen. Einer bietet modularen Schutz an, der nächste All-Inclusive, der nächste geht wieder in eine andere Richtung. Für den Vermittler erschwert das die Beratung und das Finden des richtigen Produkts. Aus diesem Grund sprechen es viele Vermittler einfach nicht an, was der Marktdurchdringung nicht eben gut tut.

Redaktion: Welchen Ansatz verfolgen Sie bei der Beratung?

Nico Streker: Mein Leitsatz lautet „Schadenverhinderung ist besser als Schadenregulierung“: Eine Versicherung hilft nur bedingt, wenn du einen großen Cyber-Angriff erleidest oder sich ein Mitarbeiter über Phishing einen Virus einfängt und wochenlang die Systeme lahmlegt. Meine Empfehlung ist, zuerst mit dem Kunden zu sprechen und zu klären, welche Maßnahmen er bereits durchgeführt hat. Erst danach macht es Sinn, über das Restrisiko und eine Cyberversicherung zu sprechen oder darüber, was sie kosten soll.

Redaktion: Welche Faktoren sind hierbei besonders wichtig?

Nico Streker: Bei uns gilt die Faustregel „TOP“. Technik, Organisation, Personal. Technik ist klar, Versicherer setzen bei einer Cyber-Police auch gewisse Dinge voraus. Der Kunde muss etwa aktuelle Updates fahren, braucht ein Antivirenprogramm und eine Firewall, muss regelmäßig Datensicherung machen. Daneben gibt’s noch das Organisatorische und, die große Schwachstelle, das Personelle. Oft sind es Mitarbeiter, die nicht richtig aufpassen und Cyberschäden verursachen. Hier müssen Sensibilisierungen und Schulungen her.

Redaktion: Aus der aktuellen Gothaer KMU Studie geht hervor, dass gerade KMU keinen Versicherungsschutz gegen Cyber Schäden haben. 87 Prozent verzichten darauf. Woran liegt das Ihrer Erfahrung nach? Sind kleinere Unternehmen denn weniger gefährdet, weil weniger interessant?

Nico Streker: Gerade kleine Unternehmen sind ein interessantes Ziel für Kriminelle. Sie sind noch nicht so geschützt wie Konzerne. Für Kleinunternehmen ist es existenzbedrohend, wenn sie einen oder zwei Monate lang offline sind. Oder die Produktion lahmgelegt ist. Oft ist kein Notfallplan vorhanden. Es kann sein, dass die dann schnell bereit sind, ein paar Euro an einen Erpresser zu bezahlen. Großunternehmen können das aussitzen und einen IT-Forensiker beauftragen, damit der die Infrastruktur wieder zum Laufen bringt.

Redaktion: Die Cyberversicherung wird gerne als die Feuerversicherung des digitalen Zeitalters betitelt. Wie können Vermittler aktuell ihre Kunden für das Thema sensibilisieren?

Nico Streker: Die Feuerversicherung ist ein gutes Stichwort. „Herr Streker, bei mir hat es noch nie gebrannt“, ist tatsächlich ein Argument, das ich früher häufig gehört habe. Nun, man hat aber trotzdem Rauchmelder, Flucht und Rettungspläne und Feuerlöscher. Je nach Betriebsgröße hat man sogar technischen Brandschutz. Den gibt’s ja nicht ohne Grund. 

„Der große Unterschied zur Cyberversicherung ist, dass es zum Brandschutz behördliche Auflagen zum Sach- und Personenschutz gibt. Im digitalen Bereich ist da außerhalb von Datenschutzbestimmungen noch nicht viel passiert. Aber das könnte in Zukunft kommen.“

Redaktion: Haben Gewerbekunden aktuell überhaupt den Kopf dafür, um solche Themen anzugehen?

Nico Streker: Aktuell haben viele Unternehmen bestimmt andere Sorgen. Zwischen Liquiditätsengpässen und Kurzarbeit bleibt für eine Versicherung nicht viel Platz. Hier ist Augenmaß gefragt. Andererseits haben wir als Makler eine Verpflichtung, den Kunden aufzuklären. Bei der Betriebsschließung sieht man das derzeit ganz schön. Es gibt einige Kunden, die sagen: „Warum habe ich das nicht, warum hat das nie einer beraten?“ Schon aus Eigeninteresse würde ich also das Thema Cyberversicherung beim nächsten Jahresgespräch aktiv ansprechen. Ganz egal, ob das dann wieder unter vier Augen oder über das Internet läuft.

Redaktion: Herr Streker, vielen Dank für Ihre Antworten!

Nico Streker: Sehr gerne, jederzeit wieder!

Titelbild: ©Nico Streker/AssPick Versicherungsmakler

Konstantin von Essen

Exil-Hamburger, dem es an der Isar überraschend gut gefällt. Entschied sich nach dem Politik- und Geschichtsstudium in der schwäbischen Provinz gegen die Karriere als Taxifahrer. Und ist seit 2017 Redakteur der NewFinance Mediengesellschaft.

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