Wie wollen Kunden beraten werden? Am liebsten persönlich, besagen die Ergebnisse einer aktuellen Bitkom-Studie. Allerdings ist Fabian Nadler, Versicherungsexperte bei Bitkom, der Meinung, dass digitale Technologien in Zukunft für einzelne Makler unverzichtbar werden.

Und auch Jan Helmut Hönle ist von der Durchsetzungsfähigkeit der Digitalisierung überzeugt. „Wer die Online-Beratung nicht einsetzt, wird wirtschaftlich nicht überleben“, erklärt der Experte im Interview auf dem Gothaer Maklerblog. Der 2016 Mobile Messaging Report kommt zu einem ähnlichen Schluss: 51 Prozent der Befragten bevorzugen Instant Messaging als Kommunikationsweg zu ihrem Dienstleister.

Doch in Zeiten immer stärkerer Regulierung der Versicherungsbranche gibt es einige Fallstricke, die Makler beachten können, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Wir haben beim Datenschutzexperten und Juristen Bartlomiej Zornik von der Kanzlei van Velzen nachgefragt.

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Bartlomiej Zornik, Jurist bei der Kanzlei van Velzen

Ein Problem mit dem Datenschutz?

Eine erste Hürde, vor der Makler stehen, wenn sie Videoberatung anwenden wollen, ist einmal mehr die DSGVO. Sie sorgt dafür, dass verschiedene Schritte innerhalb der Videoberatung genauestens dokumentiert sein müssen. „Die Videoberatung unterliegt der zusätzlichen Anforderung einer Einwilligung für die Verarbeitung der Beratung als solcher“, erklärt der Jurist Zornik. Damit aber noch nicht genug: „Sofern über die Beratung hinaus noch ein Mitschnitt der Audio- oder sogar Videoaufnahme erfolgen soll, sind auch hier Einwilligungen nach dem Datenschutzgesetz notwendig.“ Weiterhin ist es wichtig, auf den Anbieter des genutzten Videodienstes zu achten. Manche Videoplattformen haben nämlich auch Zugriff auf die geführten Videochats. Als Beispiel sei an dieser Stelle Skype genannt. „Wem das nichts ausmacht, der müsste trotzdem mindestens eine Auftragsdatenverarbeitung mit dem Dienstanbieter abschließen und ihn gegebenenfalls in seine Datenschutzerklärung aufnehmen“, stellt Zornik klar.

Die Grenzen der Videoberatung für Makler

Doch wann gilt Videoberatung tatsächlich als Beratung? Kann ein Makler dem Kunden nicht schnell einen Tipp geben, ohne es zu dokumentieren? Zornik rät dazu, lieber auf Nummer sicher zu gehen: „Als seriöser Marktteilnehmer würde ich nach jeder Videoberatung dem Kunden eine Beratungsdokumentation übersenden. Bleibt eine Beratungsdokumentation fern, kann dies für die Videoberatung bedeuten, dass sie im besten Fall ein Videogespräch mit einem Gewerbetreibenden war.“

„Sign here“

Wenn schon die Beratung digital stattfindet, wie sieht es mit der Vertragserstellung und der Unterschrift aus? Heutzutage ist die digitale Unterschrift bereits ein marktübergreifender Standard, führt Jurist Zornik aus. Allerdings gilt auch hier: Vermittler sollten beachten, von wo genau die Software kommt. Der Experte rät dazu, den Softwareanbieter in die Vertragsdokumente und die Datenschutzerklärung aufzunehmen. „Weiterhin kann ein kurzer Vermerk vorgenommen werden, dass die elektronische Unterschrift, beziehungsweise generell die elektronische Form, für das Vertragsverhältnis vereinbart wird“, so Zornik.

Was schreibt das Datenschutzgesetz vor?

Die Unterschrift auf elektronischem Wege sei auch im Rahmen des Bundesdatenschutzgesetzes zulässig. Wichtig ist laut Zornik lediglich die Unterscheidung zwischen einer einfachen elektronischen Signatur und einer qualifizierten elektronischen Unterschrift. Die qualifizierte elektronische Signatur ist laut dem Juristen zum Beispiel für die Kommunikation mit Behörden gedacht, während die einfache elektronische Signatur für sonstige Rechtsgeschäfte nutzbar ist. So auch für den Maklerauftrag.

Weitere Informationen dazu liefert die EU-Verordnung Nr. 910/2014 vom 23. Juli 2014.

„Eine qualifizierte elektronische Signatur hat die gleiche Rechtswirkung wie eine handschriftliche Unterschrift“ – EU-Verordnung Nr. 910/2014

Ein paar Tipps

Für Makler, die über Video beraten wollen, hat der Jurist Zornik folgende Tipps:

  • Eine saubere Vertrags- und Datenschutzgrundlage schaffen
  • Den Dienstanbieter, über den die Beratung stattfinden soll, mit anderen Dienstanbietern vergleichen
  • Einen Standardablauf für die Videoberatung entwickeln, der erstens die Einholung von Einwilligungen als auch die Erstellung von Beratungsdokumentation enthält
  • Für die digitale Unterschrift benötigen Makler eine geeignete Software, zum Beispiel ein Unterschriftspad oder eine Smartphone-App

Mit der richtigen Vorbereitung und genügend Kenntnis über die Dokumentationspflichten ist Videoberatung für Makler also kein Problem.

Titelbild & Beitragsbild: ©Bartlomiej Zornik

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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