12. August 2022: 47 Prozent der Gesamtfläche der Europäischen Union (EU) stehen unter einer Dürrewarnung. Für 17 Prozent gibt es gar Alarmstufe rot. Vor allem in Frankreich und dem westlichen Teil des Kontinents stehen ganze Wälder in Flammen. Für die Länder steht fest: Neue Maßnahmen müssen her.

Waldbrandrisiko steigt

„So einen Sommer haben wir noch nie erlebt“, zitiert die BBC einen französischen Bürgermeister. Im Zuge einer ausgedehnten Dürre trockneten nicht nur die grünen Felder im englischen Cambridge oder der Rhein, sondern auch die Wälder im südwestlichen Frankreich aus. Und dann reicht oft schon ein Funke, um ein gewaltiges Feuer zu entfachen. Die Brände in Frankreich nahmen in diesem Sommer derartige Ausmaße an, dass neben den 1.000 französischen Feuerwehrleuten auch Teams aus Deutschland, Rumänien, Österreich und Polen anrücken mussten. In Frankreich verbrannten 20.800 Hektar Land und Wald.

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Gegen den Brand absichern

Auch in unseren Breitengraden gehören Waldbrände mittlerweile zum Sommer. Experten gehen außerdem davon aus, dass das Waldbrandrisiko in den kommenden Jahrzehnten stetig wachsen wird. Einerseits liegt das an den höheren Temperaturen und andererseits an einem verstärkten Ausbleiben der Niederschläge im Sommer. Eine Waldversicherung kann dabei helfen, die finanziellen Lücken nach so einem extremen Wetterereignis zu minimieren. Wir haben bei Jan Droll, Produktmanager Waldversicherung bei der Gothaer, nach den Details zur Waldversicherung gefragt.

Redaktion: Herr Droll, warum braucht man eine Forstversicherung?

Jan Droll: Die Waldversicherung besteht aus mehreren Features. Je nach Abschluss beinhaltet sie eine Waldbesitzer-Haftpflichtversicherung, eine Waldbrand-Versicherung und eine Wald-Sturmversicherung.

Fangen wir mit der Waldbesitzer-Haftpflichtversicherung an. Sie ist mit der Privathaftpflicht vergleichbar und bietet eine wichtige Absicherung vor Haftpflichtansprüchen Dritter gegen den Waldeigentümer. Diese können zum Beispiel im Zusammenhang mit der Verkehrssicherungspflicht entstehen, aber auch bei Schäden, die bei der Holzernte oder dem Verkaufsprodukt aufkommen. Weiterhin sind auch Schäden im Bereich Umwelt-Haftpflicht und Umweltschaden-Versicherung abgesichert.

Die Waldbrand-Versicherung wiederum sichert als Sachversicherung Eigenschäden ab, die durch einen Waldbrand entstehen. Hier bietet das Versicherungskonzept die freie Wahl der Versicherungssumme. Als Versicherung auf das erste Risiko brauchen wir hier keine Wertnachweise und im Schadenfall nehmen wir keine Restwertermittlung mit Abzügen vor. Sowohl der stehende Waldbestand als auch im Wald lagernde Holzpolter und bestimmte Jagdeinrichtungen (zum Beispiel Hochsitze) sind mitversichert.

Und die Wald-Sturmversicherung schützt Eigentümer vor hohen Wertverlusten, sollte ein Sturm Waldbäume beschädigen. Analog zur Waldbrand-Versicherung gilt die Versicherungssumme als Pauschalwert je Festmeter Sturmholz.

„Je größer das Waldeigentum wird, je stärker ist die Nachfrage nach der Brand- und Sturmversicherung.“

Redaktion: Welche dieser Optionen nehmen Kunden besonders häufig in Anspruch?

Jan Droll: 95 Prozent der Privatwaldeigentümer besitzen Waldgrößen um die 2,5 Hektar. Für diese Kleinstprivatwaldeigentümer ist unsere Pauschallösung als Multiline aus Haftpflicht, Brand- und Sturm-Versicherung die beliebteste Lösung. Diese können wir bis zu einer Flächengröße von zehn Hektar anbieten. Darüber hinaus sind alle drei Sparten auch einzeln abschließbar. Je größer das Waldeigentum wird, je stärker ist die Nachfrage nach der Brand- und Sturmversicherung.

Redaktion: Was ist Ihr Highlight in der Gothaer Waldversicherung?

Jan Droll: Vor allem unser Versicherungskonzept mit frei wählbaren Versicherungssummen auf das erste Risiko kommt gut an. Dies ermöglicht eine schlanke Antrags- und Angebotserstellung. Dies ist im Gegensatz zur sonst oft angewandten „Vollwert-Methode“ auch für Vermittler und Kunden leichter nachzuvollziehen, da die Versicherungssumme im Schadenfall auch voll (abzüglich Selbstbeteiligung) zur Verfügung steht. Somit können wir ein schlankes Versicherungsprodukt mit guter Absicherung anbieten, dass auch vom Vermittler schnell beraten werden kann.

Redaktion: Welcher ist der kurioseste Fall, der Ihnen in Sachen Waldversicherung untergekommen ist?

Jan Droll: Filmreife Schadenfälle können wir leider keine vorweisen. Es gab aber mal einen Waldeigentümer, der für die Anlage eines Waldweges ein geschütztes Biotop ausgebaggert hat. Der Steinhaufen – Lebensraum zum Beispiel für Eidechsen – wurde bei den Arbeiten nicht als Biotop erkannt und war schnell beseitigt. Nach behördlicher Auflage musste ein vergleichbares Biotop dann aufwendig wiederhergestellt werden. Die Kosten waren über die Haftpflichtversicherung abgesichert.

„Dank der guten Waldstrukturen in Deutschland kommt es sehr selten vor, dass ein Wald keinen Versicherungsschutz erhalten kann.“

Redaktion: Versichern Sie jeden Wald oder gibt es da Unterscheidungen?

Jan Droll: Tatsächlich ist eine Gruppe von Bäumen nicht immer auch ein Wald. Daher ist für uns entscheidend, dass die zu versichernde Fläche auch im Grundbuch als Wald eigetragen ist. Eine solche Waldfläche kann dann prinzipiell auch immer einen entsprechenden Versicherungsschutz erhalten. Natürlich wägen wir aber auch Risiken ab. So können wir zum Beispiel keine Wälder mit Munitionsbelastungen versichern. Wälder unterscheiden sich jedoch sehr in ihren Strukturen und Baumarten. Daher ist es oft eine Einzelfallentscheidung. Dank der guten Waldstrukturen in Deutschland kommt es jedoch sehr selten vor, dass ein Wald keinen Versicherungsschutz erhalten kann.

„Die Gefahr des Waldbrandes wird oft unterschätzt.“

Redaktion: Wird das Produkt Waldversicherung derzeit unterschätzt?

Jan Droll: Ja – vor allem die Absicherung des Eigentümers mit einer Haftpflichtversicherung wird im gleichem Maße unterschätzt wie die Privathaftpflichtversicherung. Gefahren für die Waldbesucher können im Schadenfall das Vermögen des Eigentümers schnell übersteigen. Aber auch die Gefahr des Waldbrandes wird oft unterschätzt. Der Auslöser für den Brand ist eigentlich immer der Mensch. Da der Eigentümer aber das Betreten seines Waldes gestatten muss, hat er nur wenig Einfluss darauf. Die Klimaveränderungen werden weiter dafür sorgen, dass die Waldbrandgefahr steigt. Daher hoffen wir auf mehr Risikobewusstsein bei den Waldbesuchern und Eigentümern.

Interessiert? Alles Wissenswerte zu den Waldversicherungen der Gothaer findet Ihr im Partnerportal.

Titelbild: ©sandsun/ stock.adobe.com

Lars Nievelstein

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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